Kurz vor dem Ende der Präsentation kam ein Hinweis. „Bitte gehen Sie sorgsam mit dem Mobiliar um, es ist antik“, sagte der Moderator. Die italienische Botschaft in Berlin hatte sich das Radteam Giant-Alpecin als Präsentationsort für seine Profis ausgesucht, ein mondänes Gebäude am Tiergarten mit edler Einrichtung. Und dass der Hinweis berechtigt war, zeigte schon der Ansturm der Fotografen, als die ersten Fahrer einliefen. Nicht mal auf Bundesjustizminister Heiko Maas, als Radsportfan eingeladener Gast, wurde da noch Rücksicht genommen. Die Meute hing ihm, der in der ersten Reihe saß, direkt im Nacken beim Versuch, so dicht wie möglich an die Radprofis zu kommen.

Die meisten wollten Bilder von John Degenkolb. Der hatte Geburtstag und in der Nacht mit ein paar Freunden in seinen 27. reingefeiert. Der Frankfurter ist der Spitzenfahrer des einzigen deutschen Eliteteams. „Vor einem Jahr standen wir in Berlin und haben geträumt, eines der Radsport-Monumente zu gewinnen. Zwei sind es geworden. Manchmal fühlt sich das immer noch wie ein Traum an“, sagte er im Rückblick auf seine Klassiker-Siege bei Mailand-San Remo und Paris-Roubaix im Vorjahr. Mit der Flandern-Rundfahrt würde er nun gern das Klassiker-Triple komplettieren.

Berliner Geschke blickt nach Rio

Im Januar 2015 war Giant-Alpecin als Team mit deutscher Lizenz an den Start gegangen, es wurde ein sehr erfolgreiches Premierenjahr. „Das ist eine große Motivation, erneut zu zeigen, was ich kann“, sagte Degenkolb. Nach dem Wechsel von Marcel Kittel zum belgischen Etixx-Team ist er der alleinige Kapitän. „John ist die DNA der Mannschaft“, sagte Teamchef Iwan Spekenbrink. Der Niederländer schaut jedoch nicht nur auf die Topleute, er möchte auch den Radsport in Deutschland insgesamt fördern und aufbauen. Dazu bereitet das Team jetzt ein Entwicklungsprogramm vor.

Eine Entwicklung vollzieht sich zunehmend auch im Team, das lange auf Massenankünfte abonniert war und jetzt neben den Klassikern mehr auf die Gesamtwertung schaut. Für den Berliner Simon Geschke, der einen Etappenerfolg bei der Tour de France feiern konnte, ist auch Rio ein großes Ziel. „Der Kurs ist sehr schwer. Aber einmal bei Olympia dabei zu sein, davon träumt jeder Sportler“, sagte Geschke, für den sonst das Amstel Gold Race im Frühjahr im Fokus steht. Ab 19. Januar steigt der 29-Jährige in Australien bei der Tour Down Under in die Saison ein. Bis dahin wird noch trainiert, nach der Ankunft in Berlin am Mittwoch fuhr das Team Donnerstagabend wieder ab. Nicht mal für ein Treffen mit seinen Eltern blieb ihm Zeit.