Kommentar

Warum es sich lohnt, für den Sport zu kämpfen

Skandale um Funktionäre im Fußball, mangelnde Chancengleichheit wegen Dopings in der Leichtathletik – Sportfans wenden sich zweifelnd ab.

Fifa-Präsident Joseph Blatter (links) und Uefa-Präsident Michel Platini: Beide sind zur Zeit von der Fifa-Ethikkommission gesperrt

Fifa-Präsident Joseph Blatter (links) und Uefa-Präsident Michel Platini: Beide sind zur Zeit von der Fifa-Ethikkommission gesperrt

Foto: Marcus Brandt / dpa

Was sind das für tolle Aussichten im Sportjahr 2016: Neue, vollkommen unbelastete Männer rücken an die Spitze des Weltfußballverbandes Fifa und des europäischen Ablegers Uefa. Der Deutsche Fußball-Bund erhält einen neuen Boss, der nicht vorher schon zur altbekannten Funktionärsriege beim größten nationalen Fußballverband der Welt gehört hatte. Alles wird hinterfragt, alte Strukturen komplett aufgebrochen. Ein knallharter Anti-Doping-Kampf des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF, der vor nichts und niemandem Halt macht, sorgt dafür, dass es weltweit endlich Chan­cen­­gleichheit gibt und überführte Betrüger auf Lebenszeit rausfliegen.

Leider funktioniert es in der Realität eben doch nicht wie im Pippi-Langstrumpf-Lied besungen: „Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt...“

Die Wirklichkeit sieht anders aus. Bei Namen wie Blatter, Platini oder Niersbach winken die Sportfans doch inzwischen nur noch müde ab. Dass sich 2016 wirklich Einschneidendes ändern wird, daran glaubt kaum jemand. Es werden ein paar Köpfe ausgetauscht, das System in der größten Sportart des Planeten wird jedoch Bestand haben.

Läufer, Springer und Werfer werden von vielen schon auf eine Stufe gestellt mit den Radprofis zu allerschlimmsten Doping-Zeiten. Die Stammtisch-Meinung, nach der „doch eh alle bis obenhin gedopt sind“, findet immer mehr Zustimmung.

Wer verändern will, muss etwas dafür tun

Doch wir alle, ob Leistungs- oder Hobbysportler, aber auch konsumierende Sportfans und Medien, sollten uns damit nicht abfinden. Dafür genießen wir den Sport doch viel zu sehr. Wir Zuschauer lassen uns unterhalten, wir lieben die Spannung, weil eben vorher niemand weiß, wie’s ausgeht. Wir fiebern mit, jubeln bei Siegen und verdrücken bei Niederlagen auch Tränen. So wird es in diesem Jahr auch bei der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich ebenso sein wie bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro.

Sportler und Konsumenten sind nicht ohnmächtig dem Treiben der Funktionäre ausgeliefert. Sicher ist es ein hoher Anspruch, aber ein wenig träumen muss erlaubt sein: Man muss sich der eigenen Macht bewusst sein. Warum tritt nicht mal die Basis der Kicker in Streik und setzt ein deutliches Zeichen gegen „die da oben“? Nach dem Motto „Wir sind der Fußball!“ Warum weigern sich die sauberen Athleten nicht, gegen zurückgekehrte Betrüger anzutreten? Warum ächten wir Zuschauer diese Dopingsünder nicht anstatt sie zu bejubeln? Wenn die Fernsehzuschauer einfach abschalten, wäre das ein sehr ernst zu nehmendes Signal. Lassen wir allerdings alles so weiterlaufen, geben wir den Sport auf.

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