Berlin –

Blatter und Platini stehen vor dem Aus

Ethikkommission der Fifa sperrt die Fußball-Funktionäre bis 2023. Beide gehen in die Berufung

Berlin.  Unrasiert, mit riesigem Pflaster unter dem Auge und etwas wirr präsentierte sich der einstmals bedeutendste Fußball-Funktionär der Welt in Zürich auf einer eilig anberaumten Pressekonferenz der Öffentlichkeit. Nur hat Joseph Blatter offenbar dieses „einstmals“ immer noch nicht akzeptiert. In vier Sprachen schimpfte der ehemalige Fifa-Präsident über das Urteil der von ihm selbst 2006 installierten Ethikkommission, sprach von Schande und kündigte mit den Worten des Terminators an: „I’ll be back!“

Anders als der unkaputtbare Film-Android wird der 79-Jährige aus dem Wallis jedoch mehr und mehr zum Nebendarsteller und hat immer weniger Einfluss auf das Geschehen. Besagte Kommission hat ihn und Uefa-Präsident Michel Platini für jeweils acht Jahre gesperrt. Zuvor waren beide bereits provisorisch suspendiert. Platini kann die angepeilte Präsidentschaft bei der Fifa somit vergessen. Auch der Franzose nannte die Verurteilung, die für ihn außerdem eine Geldstrafe in Höhe von rund 74.000 Euro, für Blatter von 46.000 Euro vorsieht, abfällig eine Farce. Beide wollen sich gegen das Urteil zur Wehr setzen.

Zahlung von 1,8 Millionen Euro wird zum Stolperstein

Der Vorwurf lautet Untreue und Amtsmissbrauch. Zum Verhängnis wurde ihnen die dubiose Zahlung von 1,8 Millionen Euro, die Platini im Jahr 2011 von Blatter angeblich für lange zurückliegende Beratertätigkeiten erhalten hatte. Die Ermittler vermuten Schmiergeld für Blatters Sieg bei der Präsidentschaftswahl im Sommer des gleichen Jahres. Beide Funktionäre hatten immer wieder die Rechtmäßigkeit dieser Zahlung beteuert.

„Herr Blatter hat in seiner Funktion als Fifa-Präsident diese Zahlung autorisiert, die aber keine rechtliche Grundlage in der von beiden unterschriebenen schriftlichen Vereinbarung vom 25. August 1999 hatte“, teilte die Kammer der Ethikkommission unter Vorsitz des Münchner Richters Hans-Joachim Eckert mit: „Weder in seiner schriftlichen Stellungnahme noch während seiner Anhörung war Herr Blatter in der Lage, eine rechtliche Grundlage für diese Zahlung nachzuweisen. Seine Behauptung eines mündlichen Vertrages wurde von der Kommission als nicht überzeugend eingestuft und zurückgewiesen.“ Immerhin wurde der Vorwurf der Bestechung und Korruption fallengelassen. Dafür erkannte die Kommission einen Interessenskonflikt in dem Gebaren. Und auch die Schweizer Bundesanwaltschaft ermittelt wegen „ungetreuer Geschäftsbesorgung“.

Der Schweizer und der Franzose sind allerdings keineswegs gewillt, jetzt aufzugeben. Sie behaupten, hochrangige Exe­kutivmitglieder von Fifa und Uefa hätten von der Bezahlung gewusst. „Wir werden umgehend zum Berufungskomitee der Fifa, zum internationalen Sportgerichtshof Cas und zu ordentlichen Schweizer Gerichten gehen“, kündigte Blatter an. Platini will den gleichen Weg wählen und zudem auf finanzielle Entschädigung klagen. „Es tut mir leid, dass ich immer noch ein Punchingball bin. Es tut mir leid für den Fußball. Es tut mir leid für die Fifa. Und es tut mir leid für mich“, sagte Blatter, der wohl Kampfgeist ausdrücken wollte mit seiner merkwürdig anmutenden Bemerkung: „Ich glaube an Gott und an mich.“

Dem Fußball droht ein weiterer Imageschaden

„Ich werde durch diesen Prozess gehen“, kündigte auch Platini an. Zu seinem Anhörungstermin war der frühere Weltstar nicht erschienen. Dahinter steckte eine durchschaubare Taktik – die Diskreditierung der Fifa-Richter, um so schnell wie möglich die nächsten Instanzen anrufen zu können. Er sollte andererseits bedenken: Vor dem Cas war Platini schon mit seinem Einspruch gegen die provisorische 90-Tage-Sperre kläglich gescheitert. Erst nach der Sportgerichtsbarkeit würden ordentliche Gerichte am Zug sein. Der daraus resultierende Imageschaden für die Fifa wäre kaum abzusehen.

Das dürfte weder Platini noch Blatter interessieren, wenngleich der Schweizer sah: „Dies ist kein guter Tag für den Fußball.“ Er wollte ohnehin am 26. Februar beim außerordentlichen Fifa-Kongress seinen letzten Auftritt haben. Der Franzose wollte dort sein Nachfolger werden. Den dafür notwendigen Integrations-Check dürfte der Uefa-Präsident, der vom europäischen Verband nach wie vor gestützt wird, nun aber kaum noch bestehen.