Skispringen

Neue Regeln lassen die alten Helden abstürzen

Topspringer wie Schlierenzauer, Stoch und Ammann landeten in Oberstdorf viel zu früh, weil ihr Flugsystem nicht mehr passt.

Gregor Schlierenzauer verpatzte seinen Tournee-Auftakt

Gregor Schlierenzauer verpatzte seinen Tournee-Auftakt

Foto: MICHAEL DALDER / REUTERS

Oberstdorf.  Gregor Schlierenzauer rutschte nach seinem Hüpfer mit hängenden Schultern zu Tal, Kamil Stock wackelte in der Luft wie ein Lämmerschwanz, und selbst Simon Ammann sprang meilenweit hinterher. Die bestimmenden Skispringer des vergangenen Jahrzehnts haben beim Auftakt der Vierschanzentournee Offenbarungseide abgelegt. Die technische Revolution im Schanzensport frisst ihre Väter.

„Ich springe nicht gut Ski, damit kann nichts Gutes herauskommen“, sagte Schlierenzauer nach Platz 31 in Oberstdorf fassungslos. Der Weltcup-Rekordsieger aus Österreich verpasste zum zweiten Mal in seiner Karriere den zweiten Durchgang eines Tournee-Springens, ein vorzeitiger Tournee-Ausstieg ist allerdings laut ÖSV-Chefcoach Heinz Kuttin „keine Option“.

Der feingliedrige Schlierenzauer ist nicht nur eine sensible Persönlichkeit, auch sein Flugsystem ist extrem fragil. Doch die stetigen kleinen Regeländerungen in Sachen Ski, Anzug oder Wind zerschossen Schlierenzauers Basis. „Wer sein System nicht findet, hat Probleme, auch wenn er Olympiasieger ist“, sagt Schlierenzauer.

Schweizer mit veränderter Technik

Kamil Stoch dominierte 2013 und 2014, der Pole wurde Doppel-Olympiasieger und Weltmeister, zudem Weltcup-Gesamtsieger. In Oberstdorf war Stoch nun 23. – es war noch einer seiner besseren Saison-Wettkämpfe. „Ich habe Probleme, eine Menge fehlt. Aber ich sehe Licht am Ende des Tunnels“, sagte der 28-Jährige.

Im Vergleich dazu kriselt Simon Ammann auf hohem Niveau. Zwölfter war der 34-jährige Schweizer in Oberstdorf, sein zweitbestes Saisonresultat, aber 40 Punkte hinter Sieger Severin Freund. Nach seinem schweren Sturz im Vorjahr in Bischofshofen änderte Ammann seine Technik massiv, er landet nun mit dem rechten Fuß voran - und springt seither vor allem gegen sich selbst. „Die Gesamtwertung ist weit weg“, sagte er nun. Keine einfachen Zeiten für alte Helden.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.