Skispringen

Tourneesieger Kraft: „Alaba hat Ahnung vom Skispringen“

| Lesedauer: 6 Minuten
Klaus-Eckhard Jost
Starke Österreicher: Skispringer Stefan Kraft (l.) mit Bayern Münchens David Alaba

Starke Österreicher: Skispringer Stefan Kraft (l.) mit Bayern Münchens David Alaba

Foto: JumpandReach

Der Skispringer aus Österreich spricht über ein Treffen mit dem Bayern-Star und die Titelverteidigung bei der Vierschanzentournee.

Der Österreicher Stefan Kraft gewann vor einem Jahr völlig überraschend die Vierschanzentournee. Vor dem diesjährigen Auftakt (heute ab 17.05 Uhr, ARD) spricht der 22-Jährige über den Geruch der Tournee, ein Treffen mit Bayern-Star David Alaba und Begegnungen auf der Straße.

Berliner Morgenpost: Herr Kraft, Ihre Formkurve zeigte zuletzt aufwärts. Die Trainer sagten: „Der Krafti kann die Tournee riechen.“ Wie riecht die Vierschanzentournee?

Stefan Kraft: Sehr schön.

Österreichs Springer haben die vergangenen sieben Jahre triumphiert. Erklären Sie doch mal, wie man die Tournee gewinnt.

Wenn es so einfach wäre. Jede Tournee ist anders. Wenn ich alles so mache wie letztes Jahr, kann es sein, dass ich 20. werde.

Gehen Sie diesmal entspannter rein?

Erfahrener würde ich sagen. Ich gehe mit dem gleichen Ziel hin wie letztes Jahr: Ich will vorne mitmischen.

Der Tourneesieg kam überraschend. Wann konnten Sie ihn genießen?

Ich habe alles mitgekriegt. Nicht wie der Didl (Thomas Diethart, Tourneesieger 2014, d. Red.) immer gesagt hat, dass er nichts wisse. Er hat gesagt, dass er die letzte Tournee, bei der er nicht so gut gesprungen ist, mehr habe genießen können. Ich habe es von Anfang an sehr genossen.

Welches Bild ist Ihnen als prägendstes in Erinnerung geblieben?

Gleich der Auftakt in Oberstdorf mit den Verschiebungen wegen des Schneechaos’. Dann folgte ein perfekter Wettkampf, bei dem alles zusammengepasst hat – mein erster Sieg im Weltcup. Der Michi (Michael Hayböck, d. Red.) hatte das Gelbe Trikot und ich das Tournee-Leader-Trikot. Da fühlten wir uns in einem falschen Film. Wir sind darauf vorbereitet worden, dass es passieren kann. Aber dass es dann echt alles so aufgeht, war der Wahnsinn.

Haben Sie sich für den Erfolg belohnt?

Ich war beim FC Bayern an der Säbener Straße und habe das Training und das ganze Gelände anschauen dürfen. Und dann gab es noch ein Treffen mit David Alaba. Das war richtig cool.

War das ein Treffen von Ihnen mit David Alaba oder hat er es zu schätzen gewusst, dass er sich mit Stefan Kraft trifft?

Er hat Ahnung vom Skispringen. Ich glaube, das sagt schon einiges. Er hat sich dann auch einen Sprung von mir auf meinem Handy angeschaut und gesagt: Wahnsinn. Er war echt begeistert. Ich habe schon das Gefühl, dass er sich auskennt und mal gerne zuschauen würde, vielleicht in Innsbruck oder Bischofshofen. Mal schauen.

Welche Beziehung haben Sie zum FC Bayern?

Das ist mein Lieblingsverein. Ich spiele sehr gerne Fußball. Ich bin seit kleinauf Bayern-Fan.

Welche Privilegien hat man als Österreichs Skispringer Nummer eins?

Ich wäre gerne die Nummer eins. Das große Ziel ist es, irgendwann der beste Skispringer zu sein. Das sind viele Wünsche und Träume.

Woran machen Sie fest, der beste Skispringer zu sein?

Das ist der Gesamtweltcup. Wenn man den gewinnen kann, dann hat man über mehrere Jahre sehr gut gearbeitet und ist im Moment der beste Skispringer auf der Welt.

Thomas Morgenstern ist zurückgetreten, Bei Gregor Schlierenzauer kriselt es momentan. Hat sich das Gefüge innerhalb des Teams verändert?

Nicht wirklich. Wie es ausschaut, sind der Michi und ich im Moment die besten österreichischen Skispringer, was ein Wahnsinn ist. Sicher wird jetzt mehr von uns erwartet, doch ich erwarte auch selber einiges von mir. Klar ist es für das ganze Team schwierig, wenn der Gregor nicht dabei und Andreas Kofler nicht in Topform ist.

Ihr Cheftrainer Heinz Kuttin berichtet von leichteren Ellenbogenkämpfen.

Ich denke, das gibt es in jedem Team. Aber die Harmonie ist gut.

Ist Gregor Schlierenzauer noch das Alphatier im Team?

Wenn er da ist, ist er schon der Teamleader. Er tut uns dann sehr, sehr gut. Von ihm kann man sehr viel lernen und abschauen. Für mich ist er im Moment einfach der beste Skispringer. Ich ziehe meinen Hut vor ihm. Was er erreicht und alles gewonnen hat... Michi und ich können ihn noch nicht ersetzen. Hoffentlich irgendwann einmal, aber im Moment sicher noch nicht.

Beim Springen in Trondheim haben Sie artistisch einen Sturz verhindert, als Ihnen der Ski in der Luft aufging. Haben Sie das sofort gemerkt?

So etwas merkt man schon. Mir hat es den linken Ski mehr und mehr rausgedreht, weil mir beim Wegspringen der Zapfen rausgegangen ist. Ich dachte, jetzt setze ich zur Drehung an. Die Landung – was ich noch weiß – hat nicht so elegant ausgeschaut. Das war eher eine gute skifahrerische Leistung.

Denkt man später noch lange an so eine Situation?

Beim nächsten Springen am Hollmenkollen war das schon wieder vergessen.

Wie schaut es auf der Straße aus: Begegnen Ihnen die Leute anders?

Das hat sich schon geändert. Mir gefällt das sehr gut. Die Leute auf der Straße, das ist einfach nur lustig. Meistens schauen sie nur, weil sie sich nicht trauen, mich anzusprechen. Oder sie sind sich nicht sicher, ob ich es bin. Wir haben ja immer Mützen oder einen Helm auf. Aber alle waren sehr nett, freundlich und motivierend.