Fußball

St. Pauli stellt den Profifußball vor eine Zerreißprobe

Die Hamburger fordern in einem Antrag an die DFL, dass Werksklubs kein Fernsehgeld mehr erhalten sollen. Die Folgen wären fatal.

St. Paulis Manager Andreas Rettig unterschrieb den Antrag an die DFL. Pikant: Der 52-Jährige war früher selbst DFL-Geschäftsführer

St. Paulis Manager Andreas Rettig unterschrieb den Antrag an die DFL. Pikant: Der 52-Jährige war früher selbst DFL-Geschäftsführer

Foto: Revierfoto / picture alliance / dpa

Frankfurt/Main.  Kein Geld für Werksklubs – und damit das Ende der Solidargemeinschaft? Dem deutschen Profifußball droht eine Zerreißprobe. Auf Antrag des FC St. Pauli sollen sich künftig der VfL Wolfsburg, Bayer Leverkusen, 1899 Hoffenheim und ab 2017 eventuell auch Hannover 96 selbst vermarkten.

An den Einnahmen aus der Fernsehvermarktung sollen sie nicht mehr partizipieren. Über den Antrag sollen die 36 Profiklubs auf der Mitgliederversammlung der DFL (Deutsche Fußball Liga) am 2. Dezember entscheiden.

Völler: „Ein bisschen populistisch“

„Für die gesamte Bundesliga wäre dies eine schädliche Entwicklung, die die Grundwerte des Erfolgs des deutschen Profifußballs in Gefahr bringen würde“, sagte Wolfsburgs Geschäftsführer Klaus Allofs.

Wenig Verständnis kommt auch aus Leverkusen. Der Antrag sei für ihn „ein bisschen populistisch, unnötig, nicht in Ordnung und enttäuschend“, sagte Sportchef Rudi Völler. Ähnlich sieht es Hannovers Präsident Martin Kind. „Der Antrag ist unüberlegt und substanzlos“, sagte er der „Bild“.

Ab 2016 könnte sein Verein genau wie Hoffenheim seit diesem Sommer von der 50+1-Regel ausgenommen werden, weil Kind sich dann 20 Jahre für den Klub engagiert hat. Dann wären die Niedersachsen von Einnahmequellen aus der Vermarktung ausgeschlossen.

Bayern und der BVB würden profitieren

Für Kind allerdings ist das unvorstellbar. „Wir denken“, sagte er, „dass dieser Antrag nicht mehrheitsfähig sein wird. Sollte ihm stattgegeben werden, ist die Zentralvermarktung am Ende, dann würde es eine Einzelvermarktung geben.“

Und dadurch würden Vereine wie Bayern München oder Borussia Dortmund profitieren, ein Klub wie der SV Sandhausen oder der FSV Frankfurt aber könnten deutlich weniger Geld einnehmen.

Alles nur ein Sturm im Wasserglas?

Derzeit nämlich regelt die DFL die „satzungsgemäße Verteilung“ der Einnahmen durch Übertragungsrechte zentral. Von den 2,5 Milliarden Euro des 2016 auslaufenden Vierjahresvertrags erhielten die Bundesligisten in dieser Saison 680 Millionen Euro, 170 Millionen Euro gingen an die Zweitligisten.

Aber womöglich ist am 2. Dezember alles nicht so dramatisch und die ganze Diskussion nur ein Sturm im Wasserglas. Denn nach „Kicker“-Informationen soll über eine entschärfte Version abgestimmt werden. Demnach will Pauli-Manager Andreas Rettig, ehemaliger DFL-Geschäftsführer, vorschlagen, dass die betroffenen Vereine lediglich Abschläge in Kauf nehmen sollen.