Bundesliga

Wie die DFL mit Toren gegen den Terror kämpfen will

Die Fußball-Bundesliga will sich vom abgesagten Länderspiel nicht beirren lassen, verschärft aber deutlich die Sicherheitsmaßnahmen.

Foto: Ottmar Winter

Berlin.  Keine Reaktion ist auch eine Reaktion. In den Augen der Verantwortlichen der Fußball-Bundesliga sogar die beste. Die Ansetzungen des 13. Spieltags bleiben unverändert, verkündete die Deutsche Fußball Liga (DFL) am Mittwoch. „Wir haben großes Vertrauen in die Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern“, sagte Ligapräsident Reinhard Rauball. „Wir wollen dem Terror nicht weichen.“

Spieler, Fans und Verantwortliche – sie alle wollen den Angstmachern trotzen. Ohne Furcht und Hass, dafür mit Toren und Choreografien, mit Zusammenhalt und Entschlossenheit, kurz: mit einer Demonstration von Normalität. So wie es die deutsche Nationalmannschaft am Dienstagabend beim kurzfristig abgesagten Länderspiel gegen die Niederlande vorhatte.

Dennoch: An Alltag wird am Wochenende nicht zu denken sein. Hannover 96 sagte gestern sein Morgentraining ab. Fast unisono verkünden die Klubs, dass sie ihre Sicherheitsmaßnahmen deutlich erhöhen werden. So auch im und am Olympiastadion. Dort sind bei Heimspielen durchschnittlich 700 Ordner im Einsatz. Ein Kontingent, das zu Herthas Heimspiel gegen Hoffenheim am Sonntag (15.30 Uhr) aufgestockt wird.

Olympiastadion öffnet 30 Minuten früher als gewöhnlich

Der Verein kündigte an, die Sicherheit der Zuschauer mit einem „umfangreichen Maßnahmenpaket“ zu gewährleisten. Über Details bewahrten die Klubs Stillschweigen, so wie Bundesinnenminister Thomas de Maizière am Dienstagabend über die genauen Gründe für die Länderspielabsage.

Man wolle potenziellen Angreifern keine Anhaltspunkte geben. Sicher ist: Die Stadionbesucher werden sich aufgrund verschärfter Einlasskontrollen auf längere Wartezeiten einrichten müssen. Das Stadion öffnet daher bereits um 13.30 Uhr, statt wie sonst um 14 Uhr.

Von den Vereinsvertretern wurde die Entscheidung der DFL einstimmig begrüßt. „Wir dürfen uns jetzt nicht verrückt machen lassen“, sagte etwa Leverkusens Sportchef Rudi Völler. Hertha-Trainer Pal Dardai äußerte sich ähnlich. „Wenn du jetzt jedes Spiel absagst, haben die Menschen irgendwann große Angst“, sagte der Ungar. Die Botschaft ist klar: verstärkte Sicherheitsmaßnahmen ja, Panik nein.

Hertha-Profi Plattenhardt macht sich keine großen Sorgen

„Wir müssen das ausblenden“, sagte Hertha-Profi Marvin Plattenhardt. „Große Sorgen mache ich mir nicht, die Polizei wird das schon regeln.“ Die Ordnungshüter geben sich jedenfalls routiniert. In Berlin bestehe ohnehin ein hohes Sicherheitsniveau, sagte Polizeisprecher Stefan Redlich. Die Hauptstadt kommt für einen Terroranschlag vermeintlich eher infrage als Augsburg oder Mainz. Einsatzkräfte würden daher regelmäßig für Krisenlagen trainieren.

Beim 1. FC Union wird das Thema Sicherheit ebenfalls intensiv diskutiert. Auf die Partie am Freitagabend in Bochum soll das keine Auswirkungen haben, wenngleich Trainer Sascha Lewandowski zugibt, dass sich „die Betroffenheit vom Wochenende in Nachdenklichkeit umgewandelt hat“.

In der Alten Försterei sieht sich der Zweitligist jedoch von jeher hervorragend aufgestellt. Bei Ligaspielen sind je nach Einstufung zwischen 250 bis 400 Sicherheitskräfte und Ordner plus Polizei im Einsatz.

Fans wägen Stadionbesuch genau ab

Dass sich die Sicherheitsdebatte nicht allein auf den Fußball beschränkt, verdeutlichte die Maßnahme der Berliner Eisbären. Der Eishockey-Rekordmeister kündigte für die Spiele gegen Nürnberg (Freitag) und Hamburg (Sonntag) in der Mercedes-Benz Arena intensive Personenkontrollen an.

Die Handball-Füchse sehen keinen Grund für Nachbesserungen. Bei den Spielen in der Max-Schmeling-Halle herrsche generell ein hoher Kontrollstandard, hieß es. Gedanken über die Reaktion der Fans machte sich Bob Hanning trotzdem. „Es kann durchaus sein, dass weniger Leute kommen“, sagte der Füchse-Manager.

Die Bedenken der Fans kamen auch auf immerhertha.de, dem Hertha-Blog der Morgenpost, zum Ausdruck. Wie geht man als Stadiongänger mit der angespannten Situation um? Das Spektrum reichte von besorgten Familienvätern, die die Arena am Sonntag meiden werden, bis zu entschiedenem Trotz. Die Reaktion auf Terroranschläge könne schließlich nicht darin bestehen, das Haus nicht mehr zu verlassen.

Spagat zwischen sensibler Einschätzung und nötiger Ruhe

„Das Ziel der Terroristen ist es, ein Klima der Angst und des Misstrauens zu schaffen“, hatte Herthas Manager Michael Preetz bereits nach den Anschlägen von Paris gesagt. „Das dürfen wir nicht zulassen.“

Der Fußball steht dabei vor einer Gratwanderung. Er muss sensibel mit der Bedrohung umgehen und gleichzeitig Ruhe bewahren. So wie die Fans am Dienstag in Hannover, die unter Anleitung der Polizei unaufgeregt das Stadion verließen. Ein Vorgang, der von Vertrauen in die Sicherheitskräfte zeugt und Mut macht für mögliche weitere Krisenszenarien.

Die Bedrohung, und damit auch ein mulmiges Gefühl, werden bleiben. Wenn nicht für Monate, dann doch zumindest für ein paar Wochen. Nicht alle Fans sind so entschlossen wie Pal Dardai. „Der Fußball ist für mich die schönste Sache der Welt“, sagte der Hertha-Trainer. „Ich werde immer ins Stadion kommen.“