Die Maschine läuft wieder. Im Training am Dienstagvormittag strotzte Roy Beerens vor Energie. Während seine Kollegen die Pausen zwischen den Übungen nutzten, um kurz innezuhalten und tief durchzuatmen, marschierte der zuletzt an der Wade verletzte Flügelspieler in Stakkatoschritten auf seine nächste Position.

„Ich bin wieder richtig fit“, sagt der 27-Jährige mit dem rudicarrellesken Charme, den nur deutschsprechende Niederländer beherrschen. „Ich brenne von innen, ich habe viel Hunger.“ Anders ausgedrückt: Beerens ist heiß auf sein Comeback.

Dardai sucht Ersatz für den verletzten Weiser

Sein Timing könnte kaum besser sein. Am Montagabend erreichte Hertha BSC die Nachricht, dass sich Mitchell Weiser beim deutschen U21-Nationalteam einen Außenbandanriss zugezogen hat. Hertha-Coach Pal Dardai geht von „bestimmt zwei Wochen“ Pause aus. Das Casting für einen Ersatzmann hat am Dienstag bereits begonnen.

In acht seiner neun Startelfeinsätze war Weiser, 21, als rechter Verteidiger aufgelaufen, zuletzt jedoch auf dem rechten Flügel. Dardai deutete Dienstag an, wie er den Sommerzugang zu ersetzen gedenkt. Hinten rechts wird – so wie zuletzt in Hannover – Yanni Regäsel auflaufen. „Er ist ein klassischer Rechtsverteidiger“, sagt Dardai, die Frage sei jedoch, wer der passende Partner davor ist. „Ein Platz ist frei – da kann sich jeder Spieler anbieten“, sagt der Trainer, „das ist gut für den Konkurrenzkampf.“

Stocker und Haraguchi weilen noch bei den Nationalteams

Zwei der aussichtsreichsten Kandidaten fehlen jedoch aktuell auf dem Schenckendorffplatz. Genki Haraguchi spielte am Dienstag noch mit der japanischen Nationalmannschaft in Kambodscha; Valentin Stocker mit der Auswahl der Schweiz im nicht ganz so exotischen Österreich. Bleiben die mehr (Ronny, Alexander Baumjohann) oder weniger (Tolga Cigerci) als Notlösungen einzustufenden Varianten – und eben Beerens.

Der erlebte in seinem zweiten Jahr in Berlin bislang eine Saison zum Vergessen. Auf eine Gelb-Rote Karte im ersten Saisonspiel in Augsburg folgte Mitte September bei seinem zweiten Einsatz eine Wadenverletzung, die vorerst als harmlos eingestuft wurde, sich aber schließlich als Muskelfaserriss entpuppte. Seitdem sind 67 Tage vergangenen.

Mit neuem Tattoo und alter Fitness

Seit Mitte Oktober ist Beerens zurück im Training. Inzwischen hat er sich nicht nur ein neues Tattoo stechen lassen – vier Ringe auf dem Unterarm stehen für ihn, seine Frau und seine zwei Kinder –, sondern sich auch wieder die Fitness angeeignet, die Dardai in der Vorbereitung explizit gelobt hatte.

„Roy ist eine Maschine“, sagte der Ungar vor Saisonbeginn, schraubte die Erwartungen aber gleichzeitig nach oben. Die Phase der Eingewöhnung sei endgültig vorbei, er erwarte eine riesige Steigerung. Tatsächlich waren von Beerens Premierenspielzeit trotz vielversprechender Ansätze (27 Spiele, vier Tore, eine Vorlage) vor allem sein Verletzungspech und fehlende Effizienz in Erinnerung geblieben.

Gute Erinnerungen an Hoffenheim

„Für mich beginnt die Saison jetzt noch mal neu“, sagt Beerens, der mit dem kommenden Gegner Hoffenheim die bislang letzte positive Erfahrung im Hertha-Trikot verbindet. Am 34. Spieltag der Saison 2014/15, die Berliner kämpften noch gegen den Abstieg, wurde er nach gut einer Stunde eingewechselt und traf nur acht Minuten später zum 1:1.

Dass Hertha noch 1:2 verlor? Geschenkt. „Das Tor war ein toller Moment“, sagt Beerens. Die fünf Spiele zuvor hatte er verletzt pausieren müssen. Als seine Teamkollegen doch noch mal in Abstiegsnöte gerieten, konnte Beerens nur tatenlos zusehen. So wie zuletzt. Ein Zustand, der sich bald ändern könnte. Vielleicht schon am Sonntag.