34 Mal waren die Wasserfreunde Spandau 04 seit ihrer Meisterpremiere 1979 nationaler Champion, eine sagenhafte Bilanz. Nur dreimal ziert die Statistik in den genannten Jahren ein anderer Name. 1993 kletterte Waspo Hannover auf den Thron, 2006 der SV Cannstatt, 2013 schließlich der ASC Duisburg. Im laufenden Spieljahr scheint am ehesten Hannover in der Lage, dem Standard eine vierte Ausnahme folgen zu lassen.

Niedersachsen kommen als Spitzenreiter

Die Niedersachsen, schon in der Vorsaison mit Titelambitionen angetreten, kommen am Sonnabend (16 Uhr) nach freilich erst drei absolvierten Partien als Spitzenreiter in die Schwimmhalle Schöneberg zum Tabellen-Zweiten Spandau. Vier Treffer in der Tordifferenz trennen beide Teams, auch Duisburg ist als Dritter noch verlustpunktfrei.

Immer wieder haben die Niedersachsen mit ihrer Allzweckwaffe Bernd Seidensticker – einst Spieler, dann Trainer, jetzt Vereinspräsident - an der Spitze die Spandauer gepiesackt, konnten aber zumeist den Worten keine Taten folgen lassen. Der 54-Jährige, ein Selfmade-Man mit dem schönen Berufe-Mix Gastronom, Bestattungsunternehmer, Wasserball-Macher, würde zu gern den Spandauern eine Beerdigung erster Güte zukommen lassen. Doch die tun ihm diesen Gefallen partout nicht. „Das wird auch diesmal so bleiben“, kündigt 04-Manager Peter Röhle an, der Seidensticker und sein Gebaren seit mehr als 30 Jahren kennt.

Der Dornröschenschlaf ist vorbei

Aktuell wittert Seidensticker allerdings echte Chancen auf eine Wachablösung. Waspo ist mit Sponsorenhilfe eine Art Auffangbecken für nationale Asse und internationale Größen geworden, was den lange Jahre im Dornröschenschlaf dahin dämmernden Verein wieder titelreif gemacht hat.

Im Vorjahr funktionierte die Umsetzung noch nicht, Waspo verlor mit jeweils einem Tor im Supercup und im Pokal gegen Spandau, in der Meisterschaft scheiterte es ebenso knapp im Halbfinale an ASC Duisburg. Als Reaktion wurde nicht etwa resigniert, sondern tiefer in die Schatulle gegriffen und der Spielerkader verstärkt und ausgebaut.

Fünf ehemalige Berliner haben die Seiten gewechselt

Fünf Ex-Spandauer wurden über mehrere Jahre hinweg mit Berufsperspektiven nach Hannover gelockt – alles Nationalspieler: Roger Kong, Andreas Schlotterbeck, Erik Bukowski, David Kleine, Marko Bolovic. Dazu kommen Top-Akeure vom Balkan, zuletzt wurde vor der Saison Aleksandar Radovic, 28, verpflichtet, mit Montenegro 2013 Vizeweltmeister. Seidensticker kommentierte das stolz mit der Aussage, dass man diese Leute nicht etwa irgendwo herauskaufe, nein, „die fragen bei uns an“. Spiele gewinnt man damit freilich nicht automatisch.

In der Qualifikation zur Champions League verlor Hannover in der K.o.-Runde gegen Primorje Rijeka mit 6:19 und 6:10 – und muss sich mit der Teilnahme am Euro Cup bescheiden. Die Kroaten, Vorjahresfinalist der Champions League, zogen in die Hauptrunde des Königswettbewerbs ein.

Respekt ist da, aber Spandau lässt keine Zweifel zu

In der Gruppe A ist dort unter anderem Spandau der Gegner. Überkreuz-Vergleiche interessieren Peter Röhle aber nicht. „Wir werden im direkten Vergleich zeigen, was wir darauf haben und brauchen kein Hätte, Wenn und Aber“, sagt er, „wir respektieren Hannover als starken Gegner, werden auf jede Herausforderung die entsprechende Antwort geben.“