Alles wie immer, könnten Außenstehende meinen. Aber Peter Röhle, der Manager und Co-Trainer der Wasserfreunde Spandau 04, sieht das gar nicht so. „Das war schon irgendwie besonders und neu, weil nicht abgekrampft, sondern souverän, abgeklärt und leidenschaftlich zugleich mit den vielleicht besten Saisonleistungen herausgespielt“, sagte der Mann, der als Torwart, Trainer und Manager bei allen Triumphen der Spandauer seit Beginn von deren nationaler und teilweise sogar internationaler Dominanz 1979 dabei war.

Der in Masse und Größe immer noch imposante Röhle meinte damit den Gewinn der 34. Deutschen Meisterschaft im Wasserball, die am Sonntagnachmittag nach dem klaren 13:7 (5:4, 4:1, 1:1, 3:1) gegen den ASC Duisburg vor 500 Zuschauern in der Schwimmhalle Schöneberg feststand. Tags zuvor hatte die beste Mannschaft der Normalrunde, die sich damit den Heimbonus im gesamten Play-off erarbeitet hatte, die Westdeutschen sogar mit 13:4 distanziert. Dabei hatte der ASC 2013 dem Serienmeister noch sowohl Meisterschaft als auch Pokalsieg geklaut.

In der ersten Partie am vergangenen Mittwoch in Duisburg hatte Spandau noch Mühe gehabt, um den 7:6-Auswärtserfolg zu sichern. Daraus hatten die Wasserfreunde gelernt und zeigten nun, so Röhle, „was wir können“. Das war auf jeden Fall so eindrucksvoll, dass der ASC Duisburg von Trainer Arno Troost bis zu den Ersatzspielern nach dem körperbetonten, immens emotionalen Match mit vielen Wasserverweisen und vier Spielern, die nach drei Fouls nicht mehr weitermachen durften, nur gratulieren konnte. Wie die Berliner diese personellen Schwächungen wegsteckten, unterstrich, dass sie in der Tat in Klasse und Masse einfach das beste Team der Bundesliga sind.

Nur eine Niederlage in der gesamten Saison

„Wir haben zu Saisonbeginn einen schwachen Start hingelegt, haben 4:6 in Duisburg verloren und sind dann aber immer besser geworden. Es ist unsere einzige nationale Niederlage geblieben. Ich denke, das spricht für uns“, freute sich hinterher 04-Präsident Hagen Stamm, der sich diesmal den Meister-Sprung ins Becken ersparte, bei dem ihm in der Vergangenheit schon mehrere Handys den Dienst quittierten.

Hochkonzentriert, mit einem starken Torwart Laszlo Baksa im Rücken und einer extrem aufmerksamen Abwehr, die Duisburgs Angreifern früh den Zahn zog, demonstrierten die Schützlinge von Trainer Petar Kovacevic ihre Klasse und Überlegenheit. Der gebürtige Montenegriner krönte seine Premieren-Saison gleich mit drei Titeln (Meisterschaft, Pokal, Supercup).

Kovacevic hat seinen Vertrag bei Spandau verlängert, das verheißt eine Fortsetzung des eingeschlagenen Weges, der in seiner Richtungsangabe immer mehr nach oben zeigte, je länger die Saison dauerte. Mit Meisterschaft 34, Pokalsieg 30 und Supercup 13 sowie dem 83. Titel insgesamt soll es nicht getan sein. Auch international wollen die Berliner wieder näher heranrücken an die europäische Spitze. „Unser erklärtes Ziel ist ganz klar das Final Six in der Champions League, ohne Wenn und Aber“, wagte Peter Röhle eine mutige Prognose, „wir haben gezeigt, welches Potenzial in uns steckt.“

Famera wechselt nach Barcelona

Bis auf den Slowaken Martin Famera, der auch wegen seiner starken Auftritte mit Spandau zur Wasserball-Topadresse CN Barcelona wechseln wird, soll das Team weitgehend zusammenbleiben – „und einige neue, starke Akteure werden noch dazukommen“, verriet Röhle, ohne Namen zu nennen.

Bei den Spielen am Sonnabend und Sonntag bewiesen die Spandauer, dass ein gutes Fundament gelegt ist und aus dem Prinzip Hoffnung zumindest ein Stück weit schon das Prinzip Erwartung geworden ist. Dafür stehen Center Mateo Cuk, am Sonntag auch als Torschützenkönig der Liga und wertvollster Spieler (MVP) der Saison geehrt, Moritz Oeler, Kapitän Marko Stamm, Tobias Preuß, Maurice Jüngling, aber auch junge Nachrücker wie Tim Donner, Petar Markovic oder Vincent Hebisch.

Für die Konkurrenz dürfte es schwer werden, das von Marko Stamm beim früheren Bayern-Goalie Oliver Kahn entlehnte Motto „Weiter, immer weiter“ zu durchbrechen. Stamm junior, gerade mal 26 Jahre alt, hat mit dem Sieg am Sonntag einen Spandauer Rekord aufgestellt: Von den aktuell Aktiven ist er der mit den meisten Meistertiteln. Der von 2015 war sein neunter. „Und garantiert nicht der letzte“, verspricht er. Im Anschluss wurde in einer Osteria in Steglitz zünftig gefeiert. Auch in dieser Disziplin sind die Wasserfreunde Spandau spitze.