Bundesliga

Herthas Erfolg ist eine Frage des Abstands

Trainer Pal Dardai fordert vor dem Spiel gegen Gladbach mehr taktische Disziplin. Zwei Berliner Profis sind dabei besonders gefordert.

Als Bindeglied zwischen Offensive und Defensive besonders gefordert: Vladimir Darida (M.) und Per Skjelbred (r.), hier im Zweikampf mit Wolfsburgs Julian Draxler

Als Bindeglied zwischen Offensive und Defensive besonders gefordert: Vladimir Darida (M.) und Per Skjelbred (r.), hier im Zweikampf mit Wolfsburgs Julian Draxler

Foto: Franz Waelischmiller/SVEN SIMON / picture alliance / Sven Simon

Berlin.  Manchmal kommt es auf die Kleinigkeiten an. Im Gesicht von Pal Dardai etwa taucht ab und an ein kurzes, fast unmerkliches Zucken auf. Ein bisschen sieht es dann so aus, als wolle Herthas Trainer ein Auge zudrücken, dabei ist genau das Gegenteil der Fall. Die Mini-Entgleisung ist ein untrügbarer Indikator dafür, dass etwas nicht stimmt im Berliner Spiel.

Auch am Donnerstag ließ sich dieses Phänomen beobachten. Trotz Tabellenplatz fünf, trotz zweier Auswärtssiege in Folge, trotz des Einzugs in die dritte Runde des DFB-Pokals.

„Der Abstand“, sagte der Ungar, als sich seine Mimik verselbstständigte „der Abstand war zu groß.“ Die Rede war vom Raum zwischen der defensiven Viererkette und den beiden vorgelagerten Sechsern. Beim jüngsten 2:1 gegen den FSV Frankfurt, einem durchschnittlichen Zweitligisten, blieb die fehlende Kompaktheit ohne schwerwiegende Folgen. Eine Spitzenmannschaft wie der kommende Gegner Borussia Mönchengladbach, da ist sich Dardai sicher, werde diese Lücken jedoch gnadenlos ausnutzen.

Besonderes Augenmerk auf Skjelbred und Darida

„Ich rede über den berühmten halben Meter“, sagte er, „und gegen Frankfurt waren es zwei.“ In Relation zu einem 110 Meter langen und 73 Meter breiten Fußballfeld mag das nach Pedanterie klingen. Bei Dardai zählten die Korrekturen im Stellungsspiel jedoch zu seinen ersten Amtshandlungen. Im Abstiegskampf reduzierte er so auf Anhieb die Zahl der Gegentore. Stichwort: Kleinigkeiten.

Wenn es um Meter geht, haben die Berliner bekanntlich zwei Experten in ihren Reihen. Vladimir Darida, 25, und Per Skjelbred, 28, zählen zu den laufstärksten Spielern der Bundesliga – das Duo stopft in der Abwehrarbeit mehr Löcher als emsige Großmütter Socken.

Im defensiven Mittelfeld bilden sie Herthas Herzstück, doch die Rhythmusstörungen, mit denen die Berliner in Ingolstadt und Frankfurt zu kämpfen hatten, konnten auch sie nicht beheben. „Wir waren gegen Frankfurt nicht zu 100 Prozent da“, gibt Skjelbred zu.

Im Spielaufbau fehlt die Struktur

Das Defensivverhalten war dabei das eine. Doch auch im Spielaufbau gelang es ihm und Darida nicht, für die nötige Struktur zu sorgen. So wie schon in Ingolstadt. Bei den Ballkontakten lagen zwar beide über ihren ohnehin schon starken Durchschnittswerten, viel anzufangen wussten sie mit dem Spielgerät aber nicht.

Über die Gründe dafür lässt sich trefflich diskutieren. Die aggressiv anlaufenden „Schanzer“, das von Dardai selbstkritisch analysierte Fehlen an Leichtfüßigkeit infolge zu harten Trainings oder der holprige Rasen in Frankfurt – Erklärungen, ja, aber keine Ausreden. „Wir müssen taktisch besser sein“, mahnt Dardai, „Gladbach ist ein schneller Gegner.“

Teambildende Maßnahme am Esstisch

An den Pranger stellt Dardai, früher selbst Sechser bei Hertha, seine Nachfolger natürlich nicht. Für ihn zählt das Kollektiv. Dass Skjelbred und Darida ein Stück zurückrücken, sei schließlich nur eine Variante. Die „hintere Kette“ müsse ebenso nachschieben.

Die Botschaft ist klar: eine Mannschaft – eine Einheit. Am Donnerstag gingen die Profis gemeinsam essen, ein Vorgang, der im modernen Fußball als „teambildende Maßnahme“ geführt wird. Noch so eine Kleinigkeit auf dem Weg zum Erfolg.

„Mentalität, Kampf, Laufen – das sind unsere Qualitäten“, sagt Skjelbred. Gegen Gladbach werden sie besonders gefragt sein. Ob die Berliner den formstarken „Fohlen“ am Sonnabend (15.30 Uhr) standhalten, wird aber auch davon abhängen, wie anständig sie ihre Abstände einhalten.