Hertha im Pokal

Rückschritte auf dem Heimweg bei Hertha BSC

Hertha BSC gewinnt nun auch mal schwache Spiele und darf weiter vom Pokalfinale träumen. Trainer Pal Dardai ist dennoch unzufrieden.

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Pal Dardai stolperte fast. Das letzte Hindernis nach einer Dreiviertelstunde Jogging mit seiner Mannschaft, ein Zaun zum Trainingsplatz, versuchte Herthas Cheftrainer am Mittwochmorgen locker zu überspringen, blieb daran hängen, fing sich aber rechtzeitig wieder. Schwein gehabt. Wäre ziemlich unschön gewesen, auf der Nase zu landen. Aber so war alles doch noch mal gut gegangen. So konnte der Weg weitergehen. Nach Hause.

Auch am Dienstagabend sah es eine Weile lang so aus, als würde Hertha an einer mittelhohen Hürde hängen bleiben. Aber die Berliner drehten das DFB-Pokal-Spiel gegen den Zweitligisten FSV Frankfurt nach einem 0:1 noch zu einem 2:1 in der Verlängerung und stehen nun erstmals seit drei Jahren wieder im Achtelfinale jenes emotional so aufgeladenen Wettbewerbs.

Ein neues Branding für das Unterfangen Pokalfinale

Wie sie es intern bewerten, dass sie eigentlich eine ihrer schwächsten Partien der vergangenen Wochen ablieferten, ließ sich aus einem Tweet von Manager Michael Preetz ablesen: „Eine Runde weiter! Das ist alles, was zählt. #HaHoHe #DFBPokal #Heimweg“, schrieb der 48-Jährige bei Twitter.

Preetz tippte das in sein Smartphone, als er sich am Mittwochmorgen mit der Mannschaft von Frankfurt aus auf dem Rückweg nach Berlin befand. Vielleicht deshalb „#Heimweg“. Vielleicht aber war das auch ein erster zaghafter Versuch, dem ganzen Berliner Unterfangen im Pokal ein Branding zu verpassen. Die insgesamt sechs Spiele bis zum Finale im eigenen Stadion, der große Traum von Dardai, dem Verein und seinen Fans, sind ja nichts anderes als ein Pfad nach Hause.

Und dass dieser Marsch nicht schon wieder früh abgebrochen wurde, wie sonst immer bei Hertha, ist das, was zunächst zählt.

Ärger über eigene Fehler größer als Freude über Weiterkommen

Pal Dardai mag einen Traum haben, aber ein Träumer ist er nicht. Eine seiner Maxime lautet, sich „nicht in die eigene Tasche zu lügen“. Er hat gesehen, wie schwach sein Team gegen den Zweitliga-Neunten am Ende verteidigte, wie wenig diesem nach vorn einfiel. Auch gegen Ingolstadt drei Tage vorher in der Liga war das schon so gewesen.

Und deshalb sagte der Ungar am Mittwoch: „Wir waren fünf Tage unterwegs und haben zwei Siege mitgebracht. Dafür erst einmal ein großes Kompliment an meine Mannschaft. Aber taktisch haben wir zu große Abstände gelassen. Das sind wir nicht.“ Für Dardai war die Art, wie seine Mannschaft in beiden Spielen auftrat, ein Rückschritt auf dem Weg hin zu einer spielstarken Elf.

Schon direkt nach der Partie gegen den FSV war der Ärger über die vielen eigenen Fehler bei Dardai größer gewesen als die Freude über das Weiterkommen. Sein Team habe ein paar Meter weniger gemacht als zuletzt, und es solle nach den Erfolgen in der Liga bloß nicht denken, es sei schon eine „Riesenfußballmannschaft“.

Kalou trifft zum siebten Mal im elften Pflichtspiel

Ein guter Trainer ist ja immer auch irgendwie Bedenkenträger. Daher erinnerte Dardai daran: „Wenn wir zusammenhalten, vom Zeugwart bis zu den Spielern, dann können wir etwas schaffen. Aber wenn wir nachlassen, werden wir Probleme bekommen.“ Am Sonnabend kommt Borussia Mönchengladbach ins Olympiastadion (15.30 Uhr). Unter dem neuen Trainer André Schubert hat das Team die vergangenen fünf Spiele alle gewonnen. „Da müssen wir uns taktisch steigern“, sagte Dardai.

Es darf in der Nachbetrachtung eines Fußballspiels aber niemals an einem Sinnbild für irgendetwas fehlen. Bei diesem hier sollte es Salomon Kalou sein. Das fand zumindest Fabian Lustenberger.

Herthas Kapitän lobte den Angreifer nach seinen beiden Treffern gegen den FSV: „Er ist das Sinnbild dafür, dass es bei uns aufwärts geht“, sagte der Schweizer. Recht hatte Lustenberger damit einerseits, weil Kalou in nun elf Pflichtspielen der Saison schon sieben Treffer erzielt hat, während er in der vergangenen, gruseligen Spielzeit in insgesamt 28 Spielen nur auf sechs kam.

„Es ist gut, wenn man weiß, dass man so einen Spieler im Team hat, der Spiele entscheiden kann“, sagte Lustenberger auch noch.

Dardai wünscht sich endlich mal ein Spiel zu Hause

Dass Kalou das Sinnbild für Herthas aktuellen Zustand ist, stimmte andererseits aber auch, weil er gegen den FSV eigentlich ziemlich schlecht spielte und dennoch erfolgreich war. Und das, so kann man es ja auch sehen, ist eine neue Qualität bei den Berlinern. Sie gewinnen nun auch mal, wenn sie einen schwachen Tag erwischen. Das spricht dafür, dass dieses Team mental gereift ist. Dass es sich nicht mehr so schnell verunsichern lässt.

Für die nächste Runde im Pokal hat Dardai einen einfachen Wunsch: Der 39-Jährige hätte gern, dass bei der Auslosung der Achtelfinals am Sonntag (19.30 Uhr/Sky) ein Heimspiel für die Berliner herausspringt.

Das wäre nämlich auch mal etwas Neues, das wäre ein Fortschritt: In den vergangenen 30 Jahren bestritt Hertha 62 Pokalpartien. Nur elf durfte der Hauptstadtklub vor eigener Kulisse austragen. „Ein Heimspiel gegen einen großen Gegner“, darauf hoffe er, so Dardai. Mit der kleinen, verständlichen Einschränkung: „Außer Bayern.“