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Kalou rettet Herthas Pokaltraum

Bundesligist zittert sich über 120 Minuten gegen Zweitligist FSV Frankfurt ins Achtelfinale

Der Berliner Salomon Armand Kalou (l.) erzielt per Elfmeter das 1:2. Er lässt dem Frankfurter Torwart Andre Weis (r.) keine Chance

Der Berliner Salomon Armand Kalou (l.) erzielt per Elfmeter das 1:2. Er lässt dem Frankfurter Torwart Andre Weis (r.) keine Chance

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Frankfurt.  Es erweist sich im Fußball als möglich, dass einer, der eigentlich einen schwachen Abend erwischt hat, am Ende dennoch als Held daraus hervorgeht. Und ebenso möglich ist es, dass ein ganzes Team, dass eigentlich einen schwachen Abend erwischt hat, am Ende dennoch weiter von Großem träumen darf.

Dank der beiden Treffern von Salomon Kalou (56. und 99. Minute) erreicht Hertha BSC durch ein 2:1 nach Verlängerung (1:1, 0:0) beim Zweitliga-Neunten FSV Frankfurt erstmals seit der Saison 2011/12 die dritte Runde im DFB-Pokal und darf weiter auf das Endspiel im eigenen Stadion hoffen.

Es war ein Zitterspiel vor nur 8177 Zuschauer am Bornheimer Hang, wie man es in jenem Wettbewerb von den Berlinern gewohnt ist, aber diesmal mit einem ungewohnt erfreulichen Ausgang für die Blau-Weißen. Nach dem Rückstand durch den Treffer von Timm Golley (46.) bewies Hertha Nehmerqualitäten, kam zurück und darf sich nun über 527.000 Euro Prämie für das Erreichen des Achtelfinales freuen. Der nächste Gegner wird am Sonntag um 19.30 Uhr ausgelost (Sky90). Kapitän Fabian Lustenberger sagte: „Salomon ist immer da, wenn er gebraucht wird. Mit seiner Fitness und seiner Einstellung ist er das Sinnbild dafür, dass es bei uns aufwärts geht.“

Hertha-Trainer Pal Dardai hatte ein wenig im Personalbereich rotiert: Für Valentin Stocker und Alexander Baumjohann, die noch beim 1:0 gegen Ingolstadt am Sonnabend in der Startelf gestanden hatten, kamen Jens Hegeler und der in der Bundesliga Rot-gesperrte Vedad Ibisevic ins Team. Dardai wollte Frische. Aber in der ersten Hälfte machte sein Team einen abgestandenen Eindruck. Zwar hatten Kalou (8.), Genki Haraguchi (13.) und Ibisevic (29.) aussichtsreiche Gelegenheiten, aber alle drei Schüsse flogen vorbei.

Dardai stand breitbeinig an der Seitenlinie und trommelte sich mehrfach unzufrieden auf die Brust. Dieser Ewig-Spieler-Gebliebene im Trainingsanzug, der als Profi oft genau mit Hertha vorzeitig aus dem Pokal gekegelt wurde, wollte mehr Power sehen. Aber die Mannschaft schaffte es kaum gegen den tief stehenden FSV. Der einzige Torschuss der Frankfurter fiel mit dem Pausenpfiff. Der Schuss von Ehsan Haji Safi stricht knapp vorbei (45.+1).

Vor der Partie dröhnte „We’re not gonna take it“ über die Stadionlautsprecher. Ein Song aus den 80ern, jener Zeit also, als der FSV zum letzten Mal in die dritte Pokalrunde eingezogen war, aber auch jene Zeit, als Herthas Pokalallergie ihren Anfang nahm.

Das Gesehene einfach so hinnehmen wollte Dardai nicht. Der 39-Jährige ließ den schwachen Hegeler in der Kabine. Für ihn kam Tolga Cigerci. Aber kaum war der zweite Durchgang eröffnet, lag der Ball im Berliner Tor: Nach einer Ecke, wie sollte es bei der blau-weißen Standardschwäche auch anders sein, landete das Spielgerät bei Timm Golley, der zum 0:1 traf (46.).

Vielleicht ging bei einigen Berlinern schon das Kopfkino an: Pokal-Aus gegen ein unterklassiges Team. Bloß nicht schon wieder. Aber Hertha scheint in diesem Jahr mental stärker zu sein. Eine kurz gespielte Ecke von Marvin Plattenhardt, ein gefühliger Heber von Mitchell Weiser in den Fünfmeterraum, ein Kopfball von Kalou. Das reichte, um den schlechten, schon oft gesehenen Film vorerst zu stoppen – Ausgleich: 1:1 (56.). Aber das reichte nur, um die Verlängerung zu erreichen, weil Hertha in der Offensive wenig einfiel.

Dort wurde ein Ex-Berliner zur tragischen Figur und ein aktueller zum Helden: Kalou drang in den Strafraum ein. Dort traf er auf Fanol Perdedaj. Der stammt aus Herthas Jugend, spielte von 2002 bis 2014 bei den Blau-­Weißen. Er zog dem Ivorer das ­Standbein weg. Klare Sache: Elfmeter. Kalou lief an und schob frech in die Mitte zum 2:1 (99.).

Platzverweis fürMarvin Plattenhardt

Das reichte zum Sieg, weil die Berliner auch die unruhige Schlussphase überstanden. Dass Plattenhardt noch mit Gelb-Rot vom Platz flog, ließ sich ­verkraften (119.).

Als der Schlusspfiff ertönte, reckte der Hertha-Trainer die Faust in den Frankfurter Abendhimmel. Der Ungar darf weiter vom Endspiel träumen.

Dardai sagte: „Es ist gut, dass wir gewonnen haben. Aber wir haben vieles gesehen, das nicht in Ordnung war, hatten am Ende etwas Glück. Wir haben zu viele Stellungsfehler gemacht. Ich will nicht zu negativ sein. Aber wir müssen aufpassen, dass wir jetzt nicht denken, dass wir eine Riesenfußballmannschaft sind.“ Das Schlusswort hatte Kalou: „Es war nicht unser bestes Spiel. Aber es ist wichtig, dass wir mit einem Sieg nach Hause fahren.“