Bayern besiegt BVB

Tuchel hat es Guardiola zu leicht gemacht

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Patrick Strasser
Münchens Trainer Pep Guardiola (l.) hat das Duell mit dem Dortmunder Thomas Tuchel für sich entschieden

Münchens Trainer Pep Guardiola (l.) hat das Duell mit dem Dortmunder Thomas Tuchel für sich entschieden

Foto: MICHAELA REHLE / REUTERS

Dortmunds mutiger Beginn verpufft, als Bayern überfallartig mit langen Pässen angreift wie der BVB einst unter Klopp: "Das war zu einfach."

Die Dortmunder selbst hatten sich ja schon vor der Partie klein geredet. „Ich kann ja die Sehnsucht nach einem Zweikampf verstehen. Aber wir sahen und sehen uns nicht als Bayern-Jäger“, sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke beim Stammtisch-Fernsehen. Nie hätte er gedacht, „dass ein deutscher Verein jemals auf so ein Niveau kommen kann. Die Bayern haben im Moment Real-Madrid-Niveau“.

Es erwies sich als ziemlich treffende Analyse. Denn: Diese Bayern sind auch vom BVB nicht aufzuhalten. Mit 5:1 (2:1) fertigte die Mannschaft von Pep Guardiola den Tabellen-Zweiten von Thomas Tuchel ab, wie zuvor Vizemeister Wolfsburg. Ein wenig Mitleid? Etwas Gnade am letzten Tag des Oktoberfestes? Wenig. Dem BVB wurde kräftig eingeschenkt.

Es war mehr als nur ein Statement des FC Bayern Sonntagabend vor 75.000 Fans in München, es war eine Machtdemonstration. „Natürlich war das ein Big Point. Mit der Art und Weise, wie wir gewonnen haben, war das schon ein Signal“, sagte Thomas Müller. Achtes Spiel, achter Sieg – das bedeutet Einstellung des Start-Rekordes aus der Triple-Saison 2012/13. Also Meister schon im Oktober? Hört die Liga die Signale der Langeweile?

Tuchel sieht keine Konkurrenz mehr für Bayern

„Im Oktober ist niemand deutscher Meister“, sagte Guardiola dazu verständnislos. Doch selbst Kollege Tuchel sieht keine Mannschaft in Deutschland mehr, die den Münchner Fußball-Express auf dem Weg zum historischen vierten Meistertitel nacheinander aufhalten könnte. Auf eine entsprechende Nachfrage antwortete der BVB-Coach: „Tja, was soll ich sagen Pep? Nein, natürlich nicht.“

Tuchel hatte sich einiges ausgedacht, ließ überraschend Marco Reus und Matthias Ginter draußen, dafür rückte Sven Bender in die Innenverteidigung und Gonzalo Castro ins Team. Was dann aber nur anfangs Wirkung zeigte.

Bei den Bayern setzte Guardiola auf den Ex-Dortmunder Mario Götze, der im Mittelfeld den zuletzt angeschlagenen Arturo Vidal (Bank) vertrat. Sein Anti-Tuchel-Schachzug: eine Dreierkette mit Javi Martínez, Jérôme Boateng und David Alaba. Dafür rückte Philipp Lahm ins Mittelfeld, bildete mit dem „Libero vor der Abwehr“, Xabi Alonso, und Thiago ein Kurzpass-Dreieck. Das 1:0 aber fiel dann nach einem langen Schlag, einem feinen Pass von Boateng Richtung Zentrum zu Überall-und Irgendwokicker Thomas Müller, der die Kugel am herausspringenden Roman Bürki vorbeilupfte und dann vollendete. Zack, zack, zugeschnappt. 1:0 (26.). Müllers siebter Saisontreffer.

Müller erzielt die ersten beiden Treffer

„Dortmund stand sehr hoch, fast an der Mittellinie. Und dann war es schwer, die kurzen Pässe zu spielen“, sagte Müller, der nach dem Foul von Henrikh Mhkitaryan an Thiago auch den Elfmeter souverän zum 2:0 (35.) verwandelte. Treffer Nummer acht, also hatte ein gewisser Pierre-Emerick Aubameyang Nachholbedarf. Eine schnelle Kombination über Mhkitaryan über Castro zum BVB-Goalgetter – 2:1, eine Minute später. Aubameyangs zehnter Treffer, in jedem der acht Spiele traf der Gabuner.

Pause. Doch noch Spannung? Genau 15 Minuten lang. Dann schlug wieder der Mann mit dem Fernblick zu. Gutes Auge, guter Fuß, sehr guter langer Ball von Boateng in die Spitze – und ab ging die Reise für Robert Lewandowski. Genau, der fehlte ja noch! Vorbei an der BVB-Abwehr, vorbei an Torwart Bürki – rein damit, 3:1 nur 20 Sekunden nach Wiederanpfiff (46.). „Das hat uns das Genick gebrochen“, meinte BVB-Verteidiger Mats Hummels.

Es folgte der Spielzug der Partie: Götze von rechts in den Vollsprint von Lewandowski am Elfmeterpunkt, das 4:1 (58.) - das zwölfte Saisontor des Polen. Und sie hatten immer noch nicht genug. Vor allem Götze, der eines seiner besten Spiele im Bayern-Trikot lieferte, drehte auf und traf zum 5:1 nach Vorarbeit Thiago (66.). Erst dann ließen es die Bayern austrudeln bei ihrer Goldenen Hinrunden-Hochzeit: Seit 50 Hinrundenpartien sind sie nun unbesiegt.

Watzke murrt: Bayern kann sich zehn Riberys mehr leisten

„Wir haben es uns anders vorgestellt, müssen aber akzeptieren, dass wir nicht gut genug waren“, sagte Tuchel. Er musste im 15. Pflichtspiel als BVB-Trainer seine erste - und dann gleich heftige - Niederlage verkraften. Taktikfuchs Guardiola hatte ihn mit Dortmunds früheren Waffen unter Vorgängertrainer Jürgen Klopp geschlagen. Auch deswegen haderte Tuchel mit den vielen Abwehr-Geschenken seines Teams. „Zwei 60-Meter-Pässe und ein dummer Elfmeter. Das war viel zu einfach. Das darf nicht passieren.“

Nur zu gern hätte Tuchel seinen Chef Watzke („Wer am 34. Spieltag deutscher Meister wird, ist Bayern München!“) widerlegt. Aber so müssen dessen Analysen wohl der gesamten Bundesliga Angst machen: „Wenn du 100 Millionen Euro mehr an Gehalt zahlen kannst, dann sind das eben zehn Ribérys mehr.“ Und über den verletzten Franzosen wurde diesmal ebenso wenig geredet wie über Arjen Robben. Trotzdem geht es für die Bayern am 17. Oktober in Bremen nun um einen neuen Bundesliga-Startrekord. Alle Neune! Keiner zweifelt daran.