So richtig Lust auf große Anstrengung macht das Wetter gerade nicht; und mancher Experte rät bei diesen Temperaturen ohnehin davon ab, sich zu sehr zu verausgaben. Mit solchen Argumenten bei Thomas Stratos anzukommen, wäre wohl keine gute Idee. „Da ich Südländer bin, macht mir das nichts aus. Ich gehe davon aus, dass es bei meinen Jungs auch so ist“, sagt der griechisch-stämmige Trainer des BFC Dynamo. Immerhin, für genügend Wasser am Spielfeldrand wird Stratos sorgen, wenn die Berliner Fußballer am Freitagabend bei 37 Grad Celsius in der ersten Runde des DFB-Pokals antreten (19 Uhr, Jahn-Sportpark).
Potenziellen Zuschauern macht das Wetter die Entscheidung für dieses Spiel als Liveerlebnis sicher auch nicht einfach. Mit dem Gegner dürfte es vielen nicht anders ergehen. Als Traumlos gilt der FSV Frankfurt kaum, ein mausgrauer Zweitligist, meist in der unteren Tabellenhälfte präsent. Durch so einen Kontrahenten rückt ein Viertligist auch im Pokal nur bedingt ins Rampenlicht. Es kommt eben nicht Bayern München.
Gut, dass nicht die Bayern kommen
Das findet Stratos mehr als nur in Ordnung: „Sportlich sage ich danke.“ Was bleibt denn von solchen Spielen gegen die ganz Großen? Die Zuschauer hatten etwas davon, klar. Aber sonst? „Wir wären nur ein schöner Sparringspartner. Aber jetzt haben wir eine Chance, einen richtigen Gegner“, sagt der 48-Jährige. Wirtschaftlich kann sich das auch auszahlen, wenn tatsächlich die zweite Runde erreicht wird.
Zum vierten Mal versuchen die Berliner es; 1999, 2011 und 2013 scheiterte der Klub an den Erstligisten Bielefeld (0:2), Kaiserslautern (0:3) und VfB Stuttgart (0:2). Noch nie trat der BFC dabei so forsch an, aber nie war eben der Ligenunterschied auch so gering. Wo früher vier Ligen die Kontrahenten trennten, sind es jetzt nur zwei, nachdem der BFC vergangenes Jahr selbst einen Schritt nach oben tun konnte.
Regionalliga als Intermezzo
Aus dem Gedanken, dass die Regionalliga nur ein Intermezzo sein soll, erwächst ein guter Teil des Selbstbewusstseins der Hohenschönhauser. Elf neue Spieler konnte Stratos, der erst zur Mitte der Vorsaison kam, integrieren. Über die Hälfte davon wechselte von höherklassigen Vereinen zum BFC. Mit spürbaren Auswirkungen. Das Training ist „viel intensiver und gleichmäßiger, und es ist noch eine Steigerung drin. Mit dem vorherigen Kader war die Grenze erreicht“. Stratos verfügt über viel Auswahl, alle Positionen sind doppelt besetzt und das Team ist in der Lage, so zu spielen, wie er es vorgibt.
Das sieht dann so aus: „Wir wollen kombinieren. Ich möchte sehen, dass wir mit gewisser Stärke den Ball fordern, über Ballbesitz den Gegner dazu bringen, dass er läuft.“ In den ersten Ligapartien haperte es noch mit der Umsetzung. Gegen Mitfavorit Zwickau setzte es ein 0:3, gegen Halberstadt gelang ein 6:2. Irgendwo dazwischen liegt die Wahrheit.
Glaube an das eigene Potenzial
„Der Druck, den wir uns machen, ist groß. Wir reden vom Aufstieg“, erzählt Stratos, der sein Team in die Dritte Liga führen will. Anfangs lähmte das ein wenig, von Befreiung will der Trainer nach dem hohen Sieg aber auch nichts wissen. Die Eindrücke aus dem Training lassen ihn daran glauben, dass seine Mannschaft zu mehr berufen ist. Sportdirektor Angelo Vier sagt: „Wir sind fußballerisch ganz gut.“
Das nachdrücklich zu zeigen, dazu böte sich das Pokalspiel an. Wobei trotz aller guten Vorzeichen eines nach wie vor gilt für Klubs wie den BFC. „An solchen Tagen darfst du kein Pech haben“, sagt Kapitän Björn Brunnemann.




