Was soll er anderes sagen? „Wir sind die Mannschaft, die höherklassig ist. Wir sind klar Favorit, wir müssen gewinnen“, erzählt Thomas Stratos. Kein Taktieren, kein Herumlabern, der Trainer des BFC Dynamo bevorzugt klare Worte. Bei der Aufgabe, die dem Regionalligisten am Mittwoch im Halbfinale des Berliner Fußball-Pokals bevorsteht, wäre alles andere ohnehin nicht glaubwürdig. Beim Siebtligisten SC Charlottenburg tritt der Viertligist an (19 Uhr, Mommsenstadion).
Auf dem Pokal liegt derzeit der Fokus bei den Hohenschönhausern. Zwei Schritte sind es nur noch bis zur ganz großen Nummer, der ersten Runde im DFB-Pokal. Und im Endspiel träfe der BFC auf den Sieger des zweiten Halbfinales zwischen Lichtenberg 47 und Tasmania (19 Uhr, Sportplatz Bornitzstraße), der eine aus der fünften, der andere aus der sechsten Liga. Klare Vorzeichen also. „Mit der Möglichkeit und dem Ziel ist der Pokal das wichtigste jetzt“, sagt Stratos. Doch in der Liga gibt es auch noch etwas zu tun.
Das betrifft nur teilweise diese Saison, der BFC liegt im Mittelfeld weit weg von jeglicher Dramatik. Stratos kommt das nicht ungelegen, er kann so in Ruhe justieren, gucken, was geht und was nötig ist, um die Richtung einzuschlagen, die ihm vorschwebt. Mit dem aktuellen Kader lässt sich seine Idee nur bis zu einem gewissen Punkt verfolgen. „Der Fußball, der vorher gespielt wurde, war anders als das, was wir jetzt machen“, sagt der Trainer. Mitte November kam Stratos nach Berlin. Mit Vorstellungen, die sich deutlich unterscheiden von denen, die Volkan Uluc hatte.
Wegen Unstimmigkeiten mit der Vereinsführung gab der sein Amt plötzlich auf, ohne dass jemand im Klub groß unzufrieden mit seiner Arbeit gewesen wäre. Uluc führte das Team vergangenen Sommer zum ersten Aufstieg seit zehn Jahren. Doch Differenzen bezüglich der Suspendierung eines Spielers konnten nicht überwunden werden. Es gab sogar Tränen in der Mannschaft, als Uluc ging. „Eine enge Beziehung zwischen Trainer und Mannschaft ist nicht ungewöhnlich“, sagt Stratos. Für ihn entstand daraus keine zu große Hürde. Er musste nur anfangen, den Spielern einen neuen Weg zu zeigen.
Anpassungen im Kader
Inzwischen haben sie ihn gefunden, der BFC spielt jetzt nach vorn. „Ich lege viel mehr Wert auf Ballbesitz, auf das Spiel der Mannschaft generell, auf Offensive und nicht auf das Verteidigen“, erzählt der 48-Jährige, der vergangene Saison Jahn Regensburg in der Dritten Liga hielt. Zu Null zu spielen, ist ihm nicht wichtig, er will vor allem ein Tor mehr erzielen als der Gegner. Bislang konnte sich die Mannschaft dem ganz ordentlich anpassen. Doch sie ist im Wesentlichen nach den Bedürfnissen des defensiv-orientierten Vorgängers zusammengestellt. Das heißt, dass die Zeit in der Liga dazu genutzt wird zu schauen, „was der eine oder andere in der Lage oder eben nicht in der Lage ist zu tun und den Fußball weiter voranzutreiben, den man spielen möchte“. Dazu gehört auch, sich außerhalb nach den richtigen Akteuren dafür umzusehen und den Kader nach den neuen Bedürfnissen zu optimieren.
Denn in der neuen Saison soll der Platz im Mittelfeld gegen einen in der Spitzengruppe eingetauscht werden. Ohne Umschweife strebt der Klub in die Dritte Liga. Für Thomas Stratos genau die richtige Vorgabe, er mag überhaupt nicht klein denken: „Man sollte sich immer große Ziele stecken. Es gibt Trainer, die gehen alles defensiv an, nur um keinen Druck aufzubauen. So einer bin ich nicht.“ Der Pokalsieg ist also jetzt Pflicht für den BFC Dynamo.



