Am 14. August startet die Fußball-Bundesliga in ihre 53. Saison. Während die Profis gerade dafür Kondition bolzen, basteln die Manager noch an ihren Aufgeboten. Um ihre Wunschspieler zu bekommen, wird von Hamburg bis Stuttgart Süßholz geraspelt, von Bremen bis Ingolstadt werden die Konten geplündert.
Allerdings tummeln sich auf dem bis Ende August geöffneten Transfermarkt nicht nur schöne Schwäne – auch die hässlichen Entlein wollen vermittelt werden. Misslich nur, wenn die niemand haben möchte. Die Vereine bleiben auf ihren (oft) teuren Spielern sitzen, mögliche Interessenten spielen auf Zeit, um den Preis zu drücken. Ein Problem, mit dem auch Hertha BSC bestens vertraut ist, aber längst nicht allein dasteht. Ein Überblick über die prominentesten Ladenhüter der Liga:
Verletzt schwer zu vermitteln:
Jan Kirchhoff (Verein: Bayern München/Marktwert laut transfermarkt.de: 3 Millionen Euro/Vertrag bis 2016), Felipe Santana (Schalke 04/2,25 Millionen/2016), Sidney Sam (Schalke 04/5 Millionen/2018), Änis Ben-Hatira (Hertha BSC/2,5 Millionen/2016).
Bei Jan Kirchhoff ist die Geschichte so unglücklich wie eindeutig. Bei Bayern München wird er in dieser Saison keine Rolle spielen, der Meister würde ihn ohne Zögern abgeben. Das Problem ist Kirchhoffs Krankenakte: Nur 20 Pflichtspiele in 18 Monaten während seiner Ausleihe zu Schalke sind keine wirkliche Bewerbung. Zurzeit fällt er nach einer Achillessehnen-Operation noch mindestens zwei Monate aus.
Sidney Sam und Felipe Santana sind hingegen nicht wirklich verletzt – das dachten sie und ihre Arbeitgeber zumindest bis vor ein paar Tagen. Da Schalke die hohen Gehälter nicht länger zahlen wollte und weder Sam noch Santana in der vergangenen Saison überzeugten, waren beide schon so gut wie weg. Sowohl Sam in Frankfurt („erhöhte Nierenwerte“, „Blut im Urin“) als auch Santana in Köln (Muskelfaserriss) fielen allerdings durch den Medizincheck, in letzter Minute platzten die Deals.
Noch länger gestaltet sich die Krankenakte von Herthas Änis Ben-Hatira. In den vergangenen drei Spielzeiten kam der 26-Jährige auf nur 18 Ligaeinsätze im Schnitt. Auf einen Beinbruch folgten Außenbandprobleme, ehe sich ein Wechselspiel aus Muskelverletzungen und Zehenbeschwerden einstellte. So auch aktuell: Statt ins Trainingslager reist Ben-Hatira in die Reha nach Donaustauf.
Als Typen schwer zu vermitteln:
Kevin-Prince Boateng (Schalke 04/12 Millionen/2016), Gonzalo Jara (Mainz 05/1,75 Millionen/2016).
Kevin-Prince Boateng galt im Mai als einer der Hauptverantwortlichen für die Schalker Krise und wurde vom Verein freigestellt. Das Wort Stinkstiefel machte die Runde, Manager Horst Heldt stellte unmissverständlich klar, dass beide nicht mehr für Schalke spielen würden. Das war nicht wirklich clever. Nun einen Abnehmer für den gebürtigen Berliner zu finden, wird bei dessen Gehaltsvorstellungen nicht unbedingt leichter.
Gonzalo Jara war einer der Wunschspieler von Ex-Coach Kasper Hjulmand, hat in Mainz aber längst keine Perspektive mehr. Einen neuen Verein zu finden, wird nach seinem Po-Grapscher bei der Copa America jedoch schwierig.
Im Viertelfinale hatte der chilenische Innenverteidiger seinen Gegenspieler Edison Cavani einen ausgestreckten Finger zwischen die Pobacken gesteckt und danach theatralisch dessen Platzverweis provoziert. „Gonzalo Jara hat sich eine sehr, sehr gute Copa durch diese Aktion kaputt gemacht“, sagte FSV-Manager Christian Heidel. Und womöglich auch eine neue Anstellung außerhalb von Mainz.
Finanziell schwer zu vermitteln:
Eljero Elia (Werder Bremen/3,5 Millionen/2016), Ronny (Hertha BSC/2 Millionen/2017), Vedad Ibisevic (VfB Stuttgart/3,5 Millionen/2017).
Der Bremer Eljero Elia ist nach seiner Ausleihe zum FC Southampton zurück an der Weser – zumindest formal. Bei Werder wollen sie ihn allerdings auch nicht mehr.
Findet sich ein risikobereiter Klub, der Elia ein ähnlich hohes Gehalt zahlen kann wie Bremen es noch ein Jahr tun müsste, wäre der Niederländer sofort weg. Doch obwohl er sich bei Youtube ein schickes Bewerbungsvideo zugelegt hat, hat sich bislang noch kein wagemutiger Manager bei Elia gemeldet.
Ronny hätte auch einen Platz in der Kategorie „gesundheitlich schwer zu vermitteln“ verdient gehabt. Nicht nur, weil der Brasilianer seit Jahren mit seiner Fitness kämpft, sondern auch, weil er das Training am Freitagvormittag wegen Kniebeschwerden vorzeitig beendete.
Hatten die Berliner ihren Aufstiegshelden (18 Tore, 14 Vorlagen) im Sommer 2013 mit einem hoch dotierten Vertrag den Verbleib schmackhaft gemacht, verfiel dieser daraufhin wieder in altbekannte Muster. Keine Laufbereitschaft, keine Defensive, keine Spritzigkeit.
Ronny zieht es wohl nach China oder Dubai
Hätte Ronny nicht seinen linken Zauberfuß, es wäre wohl utopisch, überhaupt einen Interessenten zu finden. So könnten sie zumindest in Nah- oder Fernost noch auf den Mann mit der linken Klebe abfahren.
Laut „Bild“ ist der Deal mit Changchun Yatai (China) jedoch geplatzt. Hertha wollte das weder bestätigen noch dementieren. Als weiterer Interessent wird Al Wahda Dubai gehandelt. Immerhin: Die Trainingsverletzung vom Freitag entpuppte sich als harmlos.
Nach China will Vedad Ibisevic eigentlich noch nicht. In Stuttgart wurde er aber vom neuen Trainer Alexander Zorniger aussortiert. Nun hofft der 30-Jährige auf ein Angebot aus Europa. Allerdings hat er beim VfB noch einen zwei Jahre gültigen Vertrag. Um in Europa zu bleiben, müsste der Stürmer auf viel Geld verzichten.



