Vorbild für die Profis

Herthas U19 gewinnt gegen Cottbus den DFB-Pokal

Die erste Mannschaft scheitert meist früh, Herthas A-Jugend aber gewinnt das Finale des Junioren-DFB-Pokals gegen Energie Cottbus. Einige Talente dürfen nun auf eine Chance bei den Profis hoffen.

Foto: Lukas Schulze (2) / dpa

Die Profis von Hertha BSC sind seit 30 Jahren, seitdem das Endspiel im Olympiastadion ausgetragen wird, mit einer „Pokal-Allergie“ geschlagen. Nicht ein einziges Mal hat die erste Mannschaft der Blau-Weißen das Finale erreicht. Wie es geht, zeigte nun die A-Jugend des Klubs: Sie gewann am Sonnabend das Endspiel um den Junioren-Pokal des Deutschen Fußball-Bundes mit 1:0 (0:0) gegen Energie Cottbus. Es war der zweite Sieg für die Blau-Weißen nach 2004.

Schütze des entscheidenden Tores in der hart umkämpften Partie war Kapitän Nico Beyer per Kopf nach einer Ecke von Dominik Pelivan (51.). „Das ist ein überragendes Gefühl“, freute sich Beyer. „Ich habe noch nie vor einer so großen Kulisse gespielt und dann holen wir den Pokal.“ Im Liga-Alltag wird A-Jugendfußball vor 300 bis 500 Besuchern gekickt. Beim Finale war das Amateurstadion mit 4400 Zuschauern ausverkauft.

Anfänglich zeigten sich einige der Hertha-Anhänger von ihrer unbelehrbaren Seite: Wegen Pyros, Böllern und Rauchbomben wurde das Endspiel mit Verzögerung angepfiffen. Dann war es jedoch eine echte Pokal-Atmosphäre. Vor den Augen von DFB-Sportdirektor Hansi Flick, U19-Nationaltrainer Marcus Sorg, Hertha-Präsident Werner Gegenbauer und Manager Michael Preetz sowie dem ehemalige Energie-Torjäger Nils Petersen entwickelte sich eine kämpferische Begegnung. „Wir hatten am Anfang vor der großen Kulisse Muffensausen“, bekannte Hertha-Torwart Nils Körber, „aber mit der Zeit haben wir das Spiel in den Griff bekommen.“

Nico Beyer erzielt Tor des Tages

Hertha, als Bundesligist in der Favoriten-Rolle in das Spiel gegangen, dominierte. Der Energie-Nachwuchs verlegte sich auf die Defensive. Auch die Hertha-Abwehr mit dem Paradeblock von Körber sowie den Innenverteidigern Beyer und Jordan Torunarigha stand sicher. Die Berliner waren zwar feldüberlegen, boten in der Offensive aber kaum etwas Überraschendes.

Die erste Chance entsprang einem 18-Meter-Freistoß von Hertha, den Maximilian Mittelstädt mit Wucht auf das Cottbuser-Tor brachte. Aber Energie-Torwart Avdo Spahic boxte den Ball aus dem Dreiangel zur Ecke (35.).

In der Pause hatte Hertha-Trainer Michael Hartmann seine Jungs aufgefordert, energischer nach vorne zu spielen. Das half: Einen Eckball brachte Pelivan herein, am ersten Pfosten sprang Beyer am höchsten und köpfte den Ball ins lange Eck, 1:0 (51.). „Wahnsinn, dass ich als Verteidiger in so einem wichtigen Spiel das entscheidenden Tor mache“, sagte Beyer hinterher.

Das Glück des Tüchtigen hilft mit

Doch noch war es nicht so weit. Cottbus spielt zwar eine Klasse tiefer, hat aber vorzeitig den Aufstieg in die Junioren-Bundesliga geschafft – und hat auch offensive Qualitäten. So parierte Hertha-Torwart Körber einen Ball von Energie-Stürmer Niklas Goslinowski, der Abpraller sprang Herthas Mittelstädt aus Nahdistanz an den Oberarm.

Lautstark forderte der Cottbuser Anhang Elfmeter (61.). „Ich habe sofort zum Linienrichter geschaut. Aber der hat Weiterspielen angezeigt“, sagte Beyer, „Wenn man gewinnen will, gehört auch etwas Glück dazu.“

Das stand Hertha vier Minuten später bei der größten Energie-Möglichkeit zur Seite: Goslinowski brauchte den Ball aus fünf Metern nur über die Linie zu drücken, schob ihn aber neben das Hertha-Tor und verletzte sich bei dieser Situation auch noch. Dann übernahm Hertha wieder die Kontrolle und spielte seine technischen Möglichkeiten aus. Die Berliner ließen Ball und Gegner laufen und brachten den knappen Vorsprung ins Ziel.

„Das ist ein wichtiger Titel für Hertha BSC“, sagte Trainer Hartmann und bedankte sich beim Verein, dass er die A-Junioren betreuen darf. Auch für den zurückhaltenden Hartmann, der so gar nicht dem Trainer-Typus entspricht, den man sonst häufig in extrovertierter lautstarker Art erlebt, ist der Erfolg wichtig.

Möglicher Sprung zu Dardai

Hartmann hatte 2010 mit der A-Jugend von Hansa Rostock die Deutsche Meisterschaft gewonnen. Nun ist der Sieg im Pokal ein Beleg für die Qualität der Ausbildungsarbeit bei Hertha.

Manager Preetz hat auf der Mitgliederversammlung zu Beginn dieser Woche angekündigt, dass einige Jugendspieler die Vorbereitung auf die kommenden Saison im Profi-Kader von Cheftrainer Pal Dardai mitmachen werden. Noch ist offen, ob einer von Herthas Pokalhelden dabei sein wird.

Trainer Hartmann sagt: „Erstmal ist vorgesehen, dass die Jungs aus dem 1996er Jahrgang in die U23 aufrücken.“ Das sind mit Körber, Pelivan, Shawn Kauter, Mittelstädt, Farid Abderrahmane, Yanni Regäsel und Beyer die Leistungsträger der A-Junioren.

Siegtorschütze Beyer sagte dazu: „Es ist gut, wenn man in der U23 die Möglichkeit hat, sich noch ein oder zwei Jahre zu entwickeln. Aber am besten ist es, wenn man direkt den Sprung zu den Profis schafft.“ Vielleicht ist er der nächste bei den Profis.