Eisschnelllauf

Claudia Pechstein rennt mit 42 Jahren der Jugend davon

Maximale Power - Claudia Pechstein hat im Eisschnelllauf die jüngeren Konkurrenten einfach stehen lassen. Ihr Titel-Hattrick offenbart die massiven Nachwuchsprobleme.

Foto: Soeren Stache / dpa

Um die erfolgreichsten Deutschen Meisterschaften ihrer Karriere hinzulegen, musste Eisschnellläuferin Claudia Pechstein stolze 42 Jahre alt werden. Drei Mal stand die Berlinerin am Wochenende in ihrer Heimatstadt auf dem Podium ganz oben, gewann die 1500, 3000 und 5000 Meter. Ohne große Gegenwehr. Sie konnte sich natürlich freuen über ihre erstaunliche Leistungsfähigkeit. Ansonsten aber bietet der Start in die Saison wenig Positives bei der Deutschen Eisschnelllauf Gemeinschaft (DESG).

Man muss nicht lange suchen im Sportforum, um kritische Gedanken zu vernehmen. „Ich bin mit mir zufrieden, zu den anderen Leistungen will ich nichts sagen“, erzählt Pechstein. Ihre spielerische Dominanz verdeutlicht die argen Sorgen des Verbandes bei den Frauen, Pechstein ist die einzige, die internationale Spitze darstellt. Auch bei den Männern gibt es keine sicheren Podestläufer. In Sotschi mündete das im Februar im ersten medaillenlosen Olympiaabschneiden seit 50 Jahren. „Das hat uns in den Fokus der Kritik gebracht“, sagt Verbandschef Gerd Heinze. Lösungen sind seither jedoch nicht gefunden, manches ist sogar schlechter geworden.

Eisschnelläufer bekommen Olympiadesaster zu spüren

Darum weiß Samuel Schwarz noch nicht genau, was er tun soll. „Wenn sich der Verband so aufstellt, dass es mich mitreißt, könnte ich mir vorstellen, bis zu den Spielen 2018 weiterzumachen. Bisher ist das nicht der Fall“, sagt der Berliner, der in Sotschi Fünfter wurde und sich jetzt erneut den deutschen Titel über 1000 Meter sicherte. Das Olympiadesaster hatte Folgen für den Verband, die Förderung sank dadurch, auch ein Sponsor sprang ab. Das bekommen nun die Sportler zu spüren. „Wenn man nachfragt, heißt es immer: Es ist kein Geld da“, sagt Pechstein. Trainingslager wurden gestrichen, manche Sportler wie Pechstein organisierten ihre Vorbereitung zwangsläufig teilweise selbst und sorgten auch für die Finanzierung. Keine einfache Situation. Daher werde sie ihre „Ziele definitiv nicht hoch stecken“ in dieser Saison. Rekordweltmeisterin Gunda Niemann-Stirnemann registrierte als neue Verbandstrainerin die „schlechtesten Trainingsbedingungen“ seit der Wiedervereinigung.

Pechstein will sich bei Weltcups auf Einzelrennen konzentrieren

Schon im Sommer hatte Pechstein als prominenteste Athletin mehrfach personelle Konsequenzen gefordert. Der Deutsche Olympische Sportbund steht dabei hinter ihr und übt offenbar Druck auf den Verband aus, sich vom Sportdirektor zu trennen. Doch Günter Schumacher ist seit Juni krankgeschrieben. „Der Verband benötigt dringend eine personelle Neuausrichtung“, räumt auch DESG-Präsident Heinze ein. Er verweist aber darauf, dass ihm aus arbeitsrechtlichen Gründen die Hände gebunden seien, weil alle Verträge nicht nach Saisonende, sondern erst am 31. Dezember auslaufen. „Vorher wird nichts entschieden“. Auch nicht betreffs der zum 1. Januar ausgeschriebenen Stelle des Cheftrainers. Die wird vorerst weiter von Amtsinhaber Markus Eicher besetzt, wohl auch nach dem 1. Januar.

Dass so wenig passiert, wurmt Pechstein. In zwei Wochen beginnen in Asien die ersten Weltcups. Dort will sie sich auf ihre Einzelrennen konzentrieren und wohl auf die Teamverfolgung verzichten. Sie mag nicht mit den schwachen Kolleginnen hinterherlaufen.