Es ist eine ertragreiche Woche geworden für die Berliner Beachvolleyballerinnen Katrin Holtwick und Ilka Semmler. Vergangenen Sonntag hatten sie in Gstaad (Schweiz) erstmals ein Grand-Slam-Turnier der World Tour gewonnen, samt Siegercheck über 57.000 US-Dollar (41.900 Euro). Aus den Alpen ging es dann sofort weiter an die windige Küste Hollands, wo den Siegern des Super-Grand-Slams heute sogar 70.000 Dollar winken. 52.000 Dollar davon haben die Deutschen nach dem Einzug ins Finale (13.15 Uhr, laola1.tv) bereits sicher.
Holtwick, 30, und Semmler, 28, ist die Umstellung von der Höhenluft auf Meeresbrise offenbar leicht gefallen, sie bezwangen in der K.o.-Runde die Stuttgarter Vize-Weltmeisterinnen Karla Borger/Britta Büthe ebenso wie das favorisierte US-Duo mit der dreimaligen Olympiasiegerin Kerri Walsh und April Ross und im Halbfinale dann Antonelli/Juliana. „Endlich haben wir gezeigt, was in uns steckt,“ sagte Tilo Backhaus.
Tipps von der Ehefrau
Der 28-Jährige ist erst seit Dezember der neue Trainer von Holtwick/Semmler. „Es war Zeit, neue Reize zu setzen“, erklärte Semmler den Neuanfang mit einem völlig neuen Betreuerteam. Backhaus war bis dahin selber Spieler auf der deutschen Tour gewesen, doch dann ließ er sich überreden, seine aktive Karriere zu beenden, um fortan mit den beiden Frauen als Trainer rund dem den Globus von Turnier zu Turnier zu tingeln. „So ein Angebot bekommt man sicher nicht oft. Als Spieler war ich in der Rangliste zwischen Rang und zwölf unterwegs und somit nie in der Lage, das Ganze über eingespielte Prämien zu refinanzieren. Dagegen ist die Zusammenarbeit mit einem Topteam wie Ilka und Katrin auch eine Riesenchance, sich längerfristig als Trainer zu etablieren“, erklärt Backhaus seinen Weg.
Der war in den ersten Monaten allerdings steinig. Erkrankungen warfen das Team im ersten Halbjahr immer wieder zurück, ausgerechnet beim Heimturnier in Berlin landete man Anfang Juni (wie zuvor in Moskau) auf Rang 25, das ist die eher nette Umschreibung für den letzten Platz im Hauptfeld. „So eine schlechte Phase hatten wir selten erlebt in der Karriere“, sagte Semmler. „Doch es hat uns zusammengeschweißt“, erkannte Backhaus, der so sehen konnte, wie seine Schützlinge in schlechten Zeiten reagieren. „Wir kannten uns bislang ja nur vom Sehen.“
Offenbar ist Backhaus aber schnell zum Frauenversteher geworden, auch wenn über die Spielphilosophie immer noch gern mal diskutiert wird. „Zwischen zwei Männern knallt es schon mal richtig auf dem Feld, die Frauen verdrehen höchstens mal die Augen. Ich bewundere es geradezu, wie respektvoll sie auch im größten Stress miteinander umgehen“, erzählt er. Geholfen hat Backhaus sicher auch, dass er mit der früheren Profi-Beacherin Hella Jurich verheiratet ist, gemeinsam haben sie eine kleine Tochter. „Hella hat in diesem Sport alles schon erlebt, da hole mir schon auch Tipps. Zum Beispiel, wie man am besten in schwierige Gespräche mit den Frauen einsteigt.“
Das Geld lockt Topstars zurück auf die Tour
Den richtigen Ton trifft Backhaus offenbar oft, denn obwohl mit der Erhöhung der Preisgeldes auch nach Olympia zurückgetretene Stars wie Walsh (USA) oder die Brasilianerinnen Larissa und Juliana nun wieder auf die Turnierserie zurück gelockt wurden, spielen Holtwick/Semmler weiter ganz oben mit, mit dem ersten Turniersieg haben sie sogar schon das wichtigste ihrer Saisonziele erfüllt. Und wenn es weiter so gut läuft, wird Backhaus wohl über dieses Jahr hinaus als Trainer arbeiten können und die in Deutschland hart umkämpfte Olympia-Qualifikation angehen dürfen. Und das, obwohl der frühere Spieler den neuen Traumjob noch nicht zu jeder Zeit zu schätzen weiß: „Hilflos draußen sitzen zu müssen, ist eindeutig schlimmer als selber zu spielen.“

