Beachvolleyball

Am deutschen Strand ist die Konkurrenz groß wie nie

Beim Grand-Slam-Turnier am Hauptbahnhof kämpfen die besten Spieler schon um die beste Ausgangsposition für Rio 2016. Die Berliner Kay Matysik und Jonathan Erdmann sind dabei die Gejagten.

Foto: Oliver Mehlis / dpa

Im Kalender von Kay Matysik und Jonathan Erdmann ist der Termin Anfang August 2016 jetzt schon geblockt. „Da gibt es entweder Urlaub“, sagt Matysik, „oder die Olympischen Spiele in Rio.“ Fast im gleichen Atemzug fügt der 34-jährige Beachvolleyball-Profi hinzu: „Ich hoffe doch, es wird Olympia.“

Noch sind es mehr als zwei Jahre hin bis zum bedeutendsten Sportereignis der Welt. Momentan kämpft die Weltelite beim Gran Slam auf dem Washingtonplatz in Berlin um 800.000 Dollar Preisgeld. Das Berliner Duo startete mit einem Sieg über die Schweizer Philip Gabathuler/Mirco Gerson. Aber längst wird bei allen Turnier- und Trainingsplänen der Blick auf die Copacabana gerichtet.

2014 ist da noch ein Übergangssommer. Die Olympia-Qualifikation beginnt erst am 1. Januar des nächsten Jahres. Punkte gesammelt werden können dann bei allen Turnieren der World Tour, zu denen auch Berlin zählt, und bei der Europameisterschaft. Und der Weltmeister hat sein Ticket sicher.

Aber fürs Erste sind Erdmann/Matysik damit beschäftigt, ihren Status zu verteidigen. Nach dem Rücktritt der Olympiasieger Julius Brink/Jonas Reckermann sind die WM-Dritten von 2013 die deutsche Nummer eins. Doch die Konkurrenz ist stark. Die Deutschen Meister Markus Böckermann/Mischa Urbatzka etwa. Oder Sebastian Dollinger/Lars Flüggen. Oder das neuformierte Duo Stefan Windscheif/Alexander Walkenhorst, dem die Berliner zuletzt zweimal unterlegen waren, bei einem Turnier in Hamburg und bei der EM auf Sardinien. Nur zwei Teams pro Nation dürfen nach Rio.

Punkte sammeln für Saisonfinale

Deshalb sind Veranstaltungen wie jene an diesem Wochenende in Berlin auch schon wichtig. Vor allem Grand Slams bestreiten Erdmann/Matysik in diesem Jahr, beim großen Finale im Oktober wollen sie dabei sein. „Dann gehören wir zu den acht besten Teams der Welt“, sagt Matysik, „das ist unser Ziel.“ Erdmann ergänzt: „Wir wollen uns jetzt schon eine gute Ausgangsposition verschaffen für die nächsten beiden Jahre.“ Dass sie ein Top-Duo sein können, bewiesen sie gleich bei ihrem ersten internationalen Auftritt der Saison in Shanghai, wo sie Dritte wurden. Dabei hatte sich Matysik erst im Winter an der lädierten Schulter operieren lassen. Ein Jahr vor Beginn der Olympia-Qualifikation der perfekte Zeitpunkt für den Eingriff. Viel schneller als erwartet kam die Höchstform zurück.

Bei den Frauen gibt es viel Frust

Fast noch härter als bei den Männern ist bei den deutschen Frauen der Kampf um die zwei Olympia-Startplätze. Nach London 2012 hatten sich Laura Ludwig und Sara Goller getrennt; letztere beendete ihre Karriere. Die neue Nummer eins schienen die Berlinerinnen Kathrin Holtwick/Ilka Semmler zu sein. Doch schon bei der WM im vergangenen Jahr schnappte ihnen die Stuttgarter Kombination Karla Borger/Britta Büthe mit Silber den Ruhm weg. Und Ludwig hat sich viel schneller als erwartet mit ihrer neuen Partnerin Kira Walkenhorst zum besten deutschen Duo entwickelt. Sie gewannen Anfang Mai den Grand Slam in Shanghai.

Die beiden Hamburgerinnen sind in Berlin wegen einer Verletzung Walkenhorsts nicht am Start, Holtwick/Semmler wollten die Gelegenheit nutzen, sich wieder in den Vordergrund zu spielen. Doch sie scheiterten schon in der Vorrunde und schrieben auf Facebook: „Uns fehlen die Worte. Die Enttäuschung überwiegt gerade alles.“ Vor einer Woche in Moskau war es ihnen ganz ähnlich ergangen. Sie scheinen durch den Konkurrenzkampf völlig verunsichert zu sein.

So etwas ist bei Erdmann/Matysik eher nicht zu erwarten. „Ich denke, dass für uns vor allem unsere Erfahrung spricht“, erklärt Matysik das Selbstvertrauen, mit dem beide an die Mission Rio gehen. Seit fünf Jahren bereits bildet er ein Duo mit Erdmann, schon in London 2012 waren sie dabei und wurden Olympia-Neunter.

Zu viel Training ist auch gefährlich

„Die ganzen Jahre haben wir eine konstante Steigerung drin“, sagt Matysik, „es sind auch mal kleinere Schritte, aber es geht Schritt für Schritt vorwärts.“ Sie sind nicht die längsten Spieler auf der Tour, sie haben nicht die besten Trainingsbedingungen von allen. „Aber wir geben hundert Prozent. Oder mehr“, sagen beide.

Das kann auch mal zu kleineren Problemen führen, wie vor der EM, als Erdmann Knieschmerzen bekam und eine Wettkampfpause einlegen musste. Die Ursache? Erdmann lacht: „Wir haben zu viel trainiert. Dafür sind wir ja bekannt, dass wir eher etwas zu viel tun als etwas zu wenig.“ Ist aber längst alles wieder gut. Bis Rio sowieso.