Den letzten Zweikampf gab es direkt nach Abpfiff. Die Fans des 1. FC Union und von Dynamo Dresden lieferten sich ein lautstarkes Gesangsduell. So als wollten sie noch einmal auf die ausgezeichnete Stimmung beim Ostderby aufmerksam machen. Das Ende der Partie kurz vorher war im verbalen Schlagabtausch untergegangen. Völlig unspektakulär, so wie auch über weite Strecken die 90 Minuten gewesen sind. 0:0 endete das Duell zwischen Rot-Weiß und Schwarz- Gelb. Über den Punkt freuen konnten sich nur die Gäste aus Dresden. Union ist hingegen seit drei Spielen ohne Sieg.

„Zufriedenheit sieht anders aus“, sagte Union-Trainer Uwe Neuhaus: „Wir wollten unser Kombinationsspiel von Beginn an aufziehen, haben jedoch zu viele Fehler gemacht. Das hat zur Verunsicherung bei den Spielern geführt.“ Innenverteidiger Fabian Schönheim machte deutlich, was alle in der mit 21.244 Zuschauern ausverkauften Alten Försterei gesehen hatten: „Wir haben zu wenig Lösungen gefunden, um uns Chancen zu erspielen.“

Dynamo-Anhänger randalieren

Dabei wollten die Berliner nach zuletzt nur einem von sechs möglichen Punkten unbedingt einen Heimsieg einfahren, um den Abwärtstrend zu stoppen. Doch der Funke von den Rängen sprang diesmal nicht auf die Mannschaft über, trotz der Atmosphäre, die eines Derby würdig gewesen ist. Zur Sicherheitslage: Vor dem Spiel versuchten Dynamo-Anhänger den Gästekassen-Bereich zu stürmen, die Polizei konnte das verhindern. Es flogen Steine und Flaschen auf die Beamten. Auch bengalische Feuer wurden gezündet. Es gab rund 20 Festnahmen. Auf dem Heimweg kam es zu diversen Rangeleien.

Zum Sport: In Hälfte eins standen die Dresdner geordnet in der Defensive und konterten gefährlich. Unioner spielte ohne Laufbereitschaft, ohne Ideen. Dass es nach gut 30 Minuten sogar „Aufwachen, aufwachen“-Rufe von den Rängen gab, ist bezeichnend für den pomadigen Auftritt. „Ich war froh, dass wir mit einem 0:0 in die Pause gegangen sind“, sagte Neuhaus. Dresdens Idir Ouali setzte sich mehrfach auf Unions rechter Seite durch. Eine Flanke quer durch den Fünfmeterraum fand jedoch keinen Abnehmer (27.). Union hatte dem eine Möglichkeit durch Torsten Mattuschka entgegenzusetzen, die Dynamo-Schlussmann Benjamin Kirsten entschärfte (43.). Es sollte die einzige nennenswerte Aktion des Kapitäns bleiben.

Vereinzelte Pfiffe vom Union-Anhang

Nach der Pause wirkte Union zwar engagierter, doch Dresden verteidigte mit teilweise fünf Mann auf einer Linie mit Leidenschaft. „Man hat gesehen, dass wir am Tag des 60. Geburtstags von Dynamo auf keinen Fall verlieren wollten“, sagte Torwart Kirsten. Nur in der 59. Minute wurde es brenzlig für den Sohn von Dynamo-Legende Ulf Kirsten. Flanke des eingewechselten Steven Skrzybski, Adam Nemec versucht es mit der Hacke, Kirsten ist zur Stelle. Wenige Sekunden danach trifft Nemec aus Nahdistanz eine Hereingabe von Baris Özbek nicht – und schon war die Drangphase von Union vorbei. Als kurz vor Ende Roberto Puncec keine Anspielstation fand, gab es sogar vereinzelt Pfiffe vom Union-Anhang.