BR Volleys

US-Volleyballstar Touzinsky will den Titel zum Geburtstag

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Dietmar Wenck

Foto: dpa

Der Amerikaner Scott Touzinsky tritt mit den BR Volleys zum entscheidenden Finale um die Deutsche Meisterschaft bei Generali Haching an.

Flotten Schrittes und mit einem entspannten Lächeln kommt Scott Touzinsky zum vereinbarten Treffpunkt. Nichts ist zu ahnen von den Knieschmerzen, die den Volleyball-Olympiasieger seit Wochen quälen. Und doch sind sie da, müssen aber noch ein letztes Mal verdrängt werden. Bis zum Sonntag, wenn der Amerikaner mit den BR Volleys zum fünften und entscheidenden Finale um die Deutsche Meisterschaft bei Generali Haching antritt. Es steht in der „Best of five“-Serie 2:2. Wer gewinnt, hat den Titel. Über das große Finale sprach der US-Amerikaner mit Morgenpost-Redakteur Dietmar Wenck.

Morgenpost Online: Was ist passiert, Herr Touzinsky? Sie hinken ja gar nicht mehr, sondern laufen schon fast herum wie ein Champion – eine Wunderheilung?

Scott Touzinsky (lacht): Es schmerzt schon noch. Aber die Behandlung hat geholfen, und es geht besser, wenn man nicht daran denkt. Ich denke jetzt nur noch an dieses eine Spiel. Es ist gut zu wissen, dass es danach vorbei ist. Wir haben jetzt eine Riesenaufgabe vor uns.

Morgenpost Online: Sie sind in diesem Jahr schon Meister geworden, bevor Sie im Januar nach Berlin zurückkehrten, mit Fajardo Cariduros in Puerto Rico. Sie wissen also, wie das geht. Erklären Sie es uns?

Scott Touzinsky: Auf jeden Fall werde ich dieselben Schuhe tragen, die ich dort getragen habe, ich bin nämlich extrem abergläubisch in solchen Dingen. Was das Wichtigste ist: Wir müssen Spaß haben. Und wir müssen das Gefühl bekommen, wir hätten ein Heimspiel, mit unseren 8000 Fans im Rücken. Das haben wir definitiv nicht getan in den ersten beiden Spielen in Haching. Wir waren gut, aber nicht mit der letzten Disziplin, das war ein bisschen Achterbahn. Es ist vielleicht nicht schlecht, dass wir diese Erfahrung schon gemacht haben. Wir müssen uns jetzt ganz auf uns konzentrieren, unseren Volleyball spielen, uns nicht nach dem Hachinger Stil richten. Gelingt uns das, gewinnen wir das Spiel und den Titel.

Morgenpost Online: Letztes Jahr standen Sie mit den BR Volleys auch in der Finalserie, damals gegen Friedrichshafen, und verloren. Was ist diesmal anders? Was gibt Ihnen Zuversicht?

Scott Touzinsky: Es ist eigentlich mehr gleich geblieben, als sich verändert hat. Viele der Spieler von damals sind noch dabei. Wir spielen den gleichen Volleyball. Der Grund, warum wir diesmal Friedrichshafen im Halbfinale rausgeworfen haben und gegen Haching solche starken Leistungen zeigen: Wir sind disziplinierter geworden und geduldiger. Wir wissen, dass wir die langen Ballwechsel für uns entscheiden, dass wir uns Punkte herausarbeiten können. Letztes Jahr haben wir oft zu schnell den perfekten Abschluss gesucht. Jetzt lassen wir uns Zeit. Die Ballwechsel dauern, und wir beobachten, wie unsere Gegner immer müder werden. Wir schauen uns an und sehen: Von uns ist niemand müde. Wir sind physisch stärker als Friedrichshafen und Haching.

Morgenpost Online: Was hat sich speziell bei Ihnen verändert? Ende der vergangenen Saison hat der Berliner Manager Kaweh Niroomand Sie zu Ihrer eigenen Überraschung nicht behalten wollen. Er war unzufrieden mit Ihrer Leistung. Und jetzt?

Scott Touzinsky: Bei mir ist es so wie bei uns allen: Ich kam in hundertprozentiger Form aus Puerto Rico. Sie sehen jetzt den Scott Touzinsky, wie die Welt ihn kennt, auch wenn mir mein Meniskus gerade ein paar Probleme bereitet. Im Vorjahr war es anders, da spielte ich mit einer Schulterverletzung, und ich war nicht richtig fit. Trotzdem habe ich alles gegeben und fand, ich hätte eine Vertragsverlängerung verdient. Herr Niroomand sah das anders. Wir blieben aber in Kontakt. Ich wollte danach zunächst wieder zu meiner Bestform finden, habe geschuftet, meine Schulter wieder hinzukriegen, viele Gewichte gestemmt, um stärker zu werden und ganz gesund. Ich wollte eine zweite Chance in Berlin, weil ich hier noch etwas zu beweisen habe. Ich spürte auch, ich bekomme sie. Jetzt sieht es gut aus, aber wir haben noch ein Spiel, das wir gewinnen wollen.

Morgenpost Online: Glauben Sie, dass Ihr Vertrag diesmal verlängert wird?

Scott Touzinsky: Ich hoffe es. Ich weiß es nicht. Ich habe Trainer Mark Lebedew gesagt, okay, du hast mich einmal entlassen, das Schlimmste, was du tun kannst, ist, mich noch mal zu entlassen. Aber ehrlich gesagt, beschäftige ich micht jetzt gerade nicht damit. Sondern nur mit diesem einen Spiel. Alles andere nimmt mir nur Konzentration.

Morgenpost Online: Schauen eigentlich Ihre Eltern in den USA zu, was Sie tun? Immerhin gibt es Ihre Spiele ja jetzt im Internet zu sehen.

Scott Touzinsky: Sie sind total verrückt. In Puerto Rico waren sie sogar dabei, vergangenes Jahr in Deutschland auch. Diesmal schaffen sie es nicht, aber sie sehen sich alles an, was sie im Internet kriegen können.

Morgenpost Online: Was sagen sie denn zu den Zuschauerzahlen in Berlin?

Scott Touzinsky: Sie sind begeistert, solch eine Atmosphäre kennt man in den USA beim Volleyball nicht. Als ich meine ersten Spiele hier bestritten habe, bekam ich jedes Mal eine Gänsehaut. Meinem Landsmann Kawika Shoji habe ich gesagt, als er überlegte, nach Berlin zu kommen, dass es solch eine Stimmung in ganz Europa nicht noch einmal gibt wie hier. Es ist unglaublich.

Morgenpost Online: Wo soll der Weg der Volleys noch hinführen? Glauben Sie, dass Volleyball in Berlin sogar mit Eisbären, Füchsen oder Alba konkurrieren kann?

Scott Touzinsky: Hätten Sie mich das vor einem Jahr gefragt, hätte ich noch geantwortet: vergiss es! Jetzt, wo wir alle Spiele in der Schmeling-Halle haben, diesen enormen Zuspruch, dazu einen großen Sponsor, glaube ich zwar immer noch nicht, dass wir sie überholen können. Aber wir können es mit ihnen aufnehmen. Wenn wir jetzt noch einen TV-Vertrag bekämen, wäre das ein weiterer Meilenstein.

Morgenpost Online: Sie haben am Sonntag Ihren 30. Geburtstag. Gibt es also auf jeden Fall eine Party nach dem fünften Spiel?

Scott Touzinsky: Die wird es geben, wenn wir zurück in Berlin sind. Aber ich hoffe doch, es gibt eine doppelte Party. Das wäre wirklich eine verrückte Geschichte, ausgerechnet an meinem 30. Geburtstag einen Titel für Berlin zu holen. Ich habe mich in acht Jahren Profi-Volleyball noch nirgends so wohl gefühlt wie hier. Und ich bin ja schließlich hierher gekommen, weil Berlin diesen Titel unbedingt haben will. Wir könnten dann in der Schmeling-Halle Champions League spielen, und das wäre ein weiteres fantastisches Level für uns. Es würde uns helfen, wie es den Füchsen geholfen hat. Das Publikum liebt solche Events, Berlin ist eine so großartige Sportstadt. Es gibt hier schon so viele Topveranstaltungen, aber die Leute kommen in Massen. Sie scheinen nie genug davon zu bekommen.