Volleyball

BR Volleys deklassieren Haching und erzwingen fünftes Finale

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Theo Breiding

Foto: DPA

Erst das letzte Duell in der Finalserie wird klären, wer Deutscher Volleyball-Meister wird. Berlin Recycling Volleys oder Generali Haching.

Es war das letzte Heimspiel dieser Saison, aber nicht das Ende. Die BR Volleys glichen in einem begeisternden Spiel die Best-of-Five-Serie des Finales um die deutsche Meisterschaft gegen Generali Haching zum 2:2. Sie schlugen am Dienstag das Team aus Bayern vor 7381 Zuschauern in der Berliner Schmeling-Halle wie im Rausch mit 3:0 (25:22, 25:20, 25:16) und erzwangen ein alles entscheidendes fünftes Spiel am Sonntag in Unterhaching (15.30 Uhr).

„Ich bin total happy“, strahlte Scott Touzinsky, der sich erneut mit einem fast durchgerissenen Meniskus durchgebissen hat, „wieder waren 7400 Zuschauer da – unglaublich – und wir wollten ganz einfach nicht, dass Haching vor unseren Fans die Meisterschaft feiert.“ Natürlich würde sich der US-Olympiasieger riesig freuen, schmunzelt er, wenn er jetzt auswärts Meister werden würde.

„Konzentriert und aggressiv“ zu spielen, waren die Vorgaben für dieses Duell, mit dem die Volleys ihre Chancen auf die Meisterschaft am Leben erhalten wollten. Und, was ja nicht immer allen Teams gelingt: Die Berliner erfüllten das von ihrem Trainer Mark Lebedew ausgegebene Motto in einem Maße, dass man schon während des ersten Satzes in der fast ausverkauften Schmeling-Halle sein eigenes Wort nicht verstand. Getragen von den Anfeuerungen der Fans zogen die Berliner nach einem wackligen Start auf beiden Seiten von 3:3 auf 6:3 und 9:5 davon. Die Angaben von Kawika Shoji sorgten für Druck, der Block stand, ebenso die Annahme, und die Schmetterbälle von Tomas Kmet, Touzinsky und vor allem Paul Carroll saßen. Beim stand von 21:15 zeigte Hachings Christian Dünnes, warum er gerade zum besten Diagonalangreifer der Liga gekürt wurde, 22:19. Dann aber kam Carroll und versenkte den Satzball zum 25:22. Die erste Etappe war genommen: 1:0 nach Sätzen.

Auch im zweiten Durchgang hieß es zunächst 3:3, jetzt konnten die Gäste verhindern, dass die Hausherren sich absetzten. Und nicht nur das: Der Berliner Block flog öfter ins Leere und nicht nur gegen Dünnes. Auch Denis Kaliberda, Fredy Cedeno und Alexander Schafranovich punkteten – 7:10, die Berliner liefen hinterher.

Wenn jemals der Spruch von den Zuschauern als siebter Mann seine Berechtigung gehabt haben sollte, dann an diesem Abend in der Schmeling-Halle, die der Klub schon längst in „seinen Volleyball-Tempel“ umgetauft hat. In dieser Atmosphäre nachlassen oder den Kopf hängen lassen – einfach undenkbar. Getragen von den Fans kämpften sich die Berliner heran, glichen aus (13:13) und setzten sich dank Carroll und Roko Sikiric erneut ab. Bei 21:19 wurde es erneut eng, mehr aber nicht. Den ersten Satzball vergab Shoji mit einer zu riskanten Aufgabe, den zweiten verwandelte Touzinsky – 25:20 und 2:0 noch Sätzen.

Der dritte Satz bot wie schon seine beiden Vorgänger Volleyball vom Allerfeinsten, noch zusätzlich gewürzt mit der Frage, ob es den Volleys tatsächlich gelingen könnte, den großen Favoriten wie eine Woche zuvor mit einem zu Null nach Hause zu schicken. Die Körpersprache beider Teams ließ ahnen: Es geht. Die Berliner lagen sich bei jedem Punkt in den Armen, als wären sie schon Champions. Bei den Gästen war immer mehr die Vorahnung zu spüren, dass es an diesem Abend mit der Meisterschaft nichts werden würde.

Beim 5:5 tat sich wieder Linkshänder Carroll von der Diagonalposition hervor. Dann glänzte Kmet, erst mit seinem Schmetterball zum 10:7, dann zweimal in Folge als unüberwindbarer Block zum 13:8. Danach blickten die Berliner nicht mehr zurück. Bei 20:12 war klar, dass es keinen weiteren Satz und, noch viel wichtiger, ein alles entscheidendes Spiel in Haching geben würde. Es bleib Kmet vorbehalten, die Partie stilvoll zu beenden. Er tat es mit einem Ass zum 25:16.

„Die Berliner haben verdient gewonnen“, sagte Hachings Nationalspieler Denis Kaliberda. „Wir haben im ersten Satz die Bälle nicht tot gemacht und uns danach immer schwerer getan.“ Als Hypothek für den Showdown am Sonntag sieht er die erneut deutliche Niederlage in Berlin nicht: „Ich gehe nicht davon aus, dass wir zuhause verlieren werden. Aber natürlich müssen wir eine andere Leistung bringen.“