Es war noch gut eine halbe Stunde nach Spielende laut in der Kabine der BR Volleys. Die beiden US-Amerikaner, Scott Touzinsky und Kawika Shoji, generell für die Musik zuständig, hatten „Ich will nicht nach Berlin“ von Kraftklub aufgelegt und die Anlage aufgedreht. „Die Deutschen im Team lieben den Song“, sagt DJ Shoji und: Warum sollte er ihn auch nicht auflegen, wenn es doch richtig was zu feiern gibt? Denn die Berliner hatten zum zweiten Mal im Finale um die Deutsche Meisterschaft Generali Haching mit 3:0 schon fast gedemütigt und ein alles entscheidendes fünftes Spiel am Sonntag (15.30 Uhr) in Bayern erzwungen. Damit ist zumindest die Chance auf die erste Meisterschaft der Berliner seit 2004 am Leben. Die große Frage ist nur: Wie realistisch ist sie? Denn bislang haben beide Teams ihre Heimspiele jeweils gewonnen.

„Scheinbar spielt der Heimvorteil eine größere Rolle als in anderen Spielsportarten“, rätselt Hachings Nationalspieler Denis Kaliberda. Sein Team habe „zu Anfang keinen Druck gemacht, weder mit den Aufgaben noch im Angriff“. Auch sein Mitstreiter Christian Dünnes, gerade erst als bester Diagonalangreifer der Liga geehrt, fragt sich, warum sein Team zweimal in Berlin ohne Siegchance war und erklärt das mit den Dimensionen der Schmeling-Halle. Die ungewohnte optische Wahrnehmung machten ihm und seinem Team vor allem bei den Aufschlägen Probleme. „Ich werfe den Ball neun Meter hoch und vier Meter weit ins Feld“, erklärt der 2,08-Meter-Hüne, der dann hinterherspringt, „und wenn ich ihn nicht millimetergenau treffe, ist er entweder im Netz oder hinten in den Zuschauern.“ Den Ballwechsel mit einem weniger riskanten, softeren Service zu beginnen, wäre natürlich eine Variante, empfiehlt sich aber auf dem Niveau nicht, wie auch Scott Touzinsky, US-Olympiasieger in Reihen der Berliner, bestätigt: „Da kann ich den Ball auch gleich unter dem Netz hindurchrollen“, sagt er.

Fans geben Energie

Mit hochriskanten Aufgaben in vertrauter Umgebung den Gegner sofort unter Druck setzen zu können, macht aber nur einen Teil des Heimvorteils aus. Ein anderer ist natürlich die Unterstützung der eigenen Fans. „Die Zuschauer geben einem eine ganz besondere Art von Energie, die deinen Willen stärkt, noch besser zu spielen“ erklärt Zuspieler Shoji, der am Dienstag mit den 7381 Fans im Rücken seinen Angreifern erneut überragend auflegte. „Aber man kann diese Energie auch in fremden Hallen für sich nutzen. Wenn man da gut spielt und die Fans leiser werden, gibt einem das auch einen Kick. Und genau das wollen wir am Sonntag tun.“

Heimvorteil hin, Heimvorteil her – vielleicht stehen die Chancen für Shoji und sein Team doch nicht so schlecht. Denn die beiden Spiele in Haching waren wesentlich enger als in Berlin. Im ersten endete der dritte Satz 27:29, im zweiten gewannen sie einen Durchgang, und es fehlte nur ein Rest an Cleverness zum Sieg. „Wir haben auch bei der vorherigen Niederlage in Haching nicht schlecht gespielt“, erinnert sich Felix Fischer, „allerdings Vorteile von 21:17 oder 23:20 nicht zum Satzgewinn durchgebracht.“ Was sich am Sonntag beim nunmehr fünften Besuch im Bayrischen in dieser Saison ändern soll. Selbst Haching Angreifer Dünnes schwant: „Es wird bestimmt ein sehr knappes Spiel werden. Die Berliner haben sich inzwischen an unsere Halle gewöhnt, die werden da noch stärker aufspielen als zuletzt.“

Ein weiterer Mutmacher für die finale Reise der Berliner in den Münchener Vorort ist, dass sie es sind, die Haching Anfang Februar die bislang einzige Heimniederlage der Saison beigebracht hatten. Möglicherweise ist es also gar nicht so vermessen, wenn Volleys-Coach Mark Lebedew sagt: „Wir fahren jetzt nach Haching und machen das Ding zu.“