Vorjahressieger Robert Bartko fehlt beim 101. Berliner Sechstagerennen. Der 36 Jahre alte Potsdamer, der künftig als Sportkoordinator des Vereins „Sport gegen Gewalt“ auch Gesprächspartner der Sechstagerennen GmbH und des Berliner Radverbands sein wird, konnte sich mit den Organisatoren nicht auf einen Vertrag einigen. Mit dem Doppel-Olympiasieger, in der Saison Sieger in Gent und Bremen, sprach Morgenpost Online über die Gründe für den Startverzicht.

Morgenpost Online: Herr Bartko, wie schwer fällt es Ihnen, den Kollegen aus dem Innenraum heraus zuzuschauen?

Robert Bartko: Das Zuschauen tut mir wirklich weh. Aber es ist auch eine neue Erfahrung.

Morgenpost Online: Das klingt schon frustriert

Robert Bartko: Stimmt. Aber meine Entscheidung, unter den Umständen, die ich vorgefunden habe, in Berlin nicht zu starten, halte ich immer noch für richtig.

Morgenpost Online: Ursprünglich hieß es, Ihre Gagenforderungen und das Angebot wären nicht miteinander vereinbar gewesen.

Robert Bartko: Am Ende ging es nicht nur um Geld.

Morgenpost Online: Am Anfang aber schon?

Robert Bartko: Ich habe mich gewundert, dass das Angebot an mich eine Reduzierung der Vorjahresgage von ungefähr 30 Prozent bedeutet hätte. Ich hatte schon zum Jubiläumsrennen 2011 eine Kürzung akzeptiert. Diesmal war ich dazu nicht bereit, weil ich den Grund nicht sehen konnte.

Morgenpost Online: Man hat gehört, Sie und die Berliner Organisatoren hätten am Ende um 4000 Euro auseinander gelegen.

Robert Bartko: Wir haben vereinbart, über Summen nicht zu sprechen. Daran halte ich mich.

Morgenpost Online: Sie haben Ihre Absage unter anderem auch damit begründet, Mitverantwortung für bestimmte Entwicklungen zu tragen.

Robert Bartko: Ich kann mich doch als etablierter Fahrer nicht von den Nachwuchsleuten abkapseln. Wenn ich massive Kürzungen akzeptiere, werden sie das auch tun müssen, sie haben kaum eine andere Chance.

Morgenpost Online: Der Veranstalter hat aber ebenfalls eine Verantwortung. Er muss wirtschaftlich sinnvoll planen, damit er nicht in Schwierigkeiten gerät. Die allgemeine wirtschaftliche Lage trifft eben auch ein Rennen wie das im Velodrom.

Robert Bartko: Das ist richtig und ich denke, es hat in Berlin bisher immer gut geklappt, ordentlich zu wirtschaften. Ich sehe auch ein, dass ein Veranstalter Geld verdienen will und muss. Aber es gibt zwei Seiten. Wenn wegen der allgemeinen Probleme die Preise für die Tickets, für Essen und Trinken niedriger geworden wären, hätte es eine andere Ausgangslage gegeben. Doch das Geld war am Ende ja nicht mehr das vordringliche Thema. Ich habe die Strategie und die Argumente der Veranstalter auch nicht mehr verstanden.

Morgenpost Online: Inwiefern?

Robert Bartko: Erst wurde mir vorgeworfen zu teuer und nicht kompromissbereit zu sein. Später habe ich gehört, es gäbe Zweifel an meinem Leistungsvermögen. Auch im Vergleich mit jungen, nachrückenden Fahrern. Wenn das stimmen würde, hätte man mir das doch sofort mitteilen müssen. Aber ich habe zwei Rennen gewonnen. Das spricht dagegen.

Morgenpost Online: Sie gelten dennoch als schwieriger Verhandlungspartner.

Robert Bartko: Ich vertrete meine Interessen. Außerdem muss ich auch daran denken, dass ich 36 bin. Da kann ich vielleicht noch von zwei oder drei guten Jahren ausgehen.

Morgenpost Online: Das ist aber nur in zweiter Reihe ein Thema für den Veranstalter.

Robert Bartko: Richtig, aber es gilt doch auch die Erfahrung, dass etablierte Fahrer durchaus das Publikum anlocken. Jeder gibt was und nimmt was.

Morgenpost Online: In der kommenden Woche locken Sie das Publikum in Kopenhagen an. Offensichtlich waren die Verhandlungen mit den Dänen vergleichsweise stressfrei. Sehen Sie für 2013 eine Basis, auch in Berlin wieder an einem Tisch zu sitzen, um über einen Vertrag zu sprechen?

Robert Bartko: Grundsätzlich ja. Aber es kommt darauf an, ob das alles sachlich gemacht wird, oder ob es persönlich wird. Berlin hat ein tolles Sechstagerennen, wo man als Fahrer gern antritt.

Beim Sechstagerennen ist am heutigen Sonntag im Velodrom Familientag.

Bereits zum dritten Mal nach 2008 und 2011 treffen sich am Abend des Familientages ehemalige Radgrößen und interessierte Fans im Velodrom zum gemütlichen Beisammensein. Von 19 Uhr bis Mitternacht gibt es auch ein Sportprogramm, bei dem sich in Ehren ergraute „Stars“ (wie die Ex-Weltmeister Lutz Heßlich, Emanuel Raasch, Werner Otto oder Jürgen Geschke) noch einmal aufs Rad schwingen werden. Der sogenannte Logen-Treff soll künftig zu einem festen Berlin-Bestandteil werden. Das Ticket kostet 20 Euro (inklusive Getränk nach Wahl).