Gegner von Alba

Ex-NBA-Profi Brown kehrt gereift nach Berlin zurück

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Theo Breiding

Foto: picture alliance / Eibner-Presse / picture alliance

Spielmacher Bobby Brown führte Albas Basketballer 2008 zum letzten großen Titel, zeigte sich aber auch oft undiszipliniert. Mit seinem aktuellen Klub Oldenburg kehrt er am Sonntag zurück – und scheint sich grundlegend verändert zu haben.

Als er im Sommer 2008 ging, war klar, dass es schwer werden würde, ihn adäquat zu ersetzen. Er war jung, wild, manchmal undiszipliniert, aber mit einem Potenzial an Siegeswillen, Spielwitz und athletischen Fähigkeiten gesegnet, das den damaligen Coach Luka Pavicevic oft verzweifeln, oft aber auch innerlich strahlen ließ.

Am Sonntag kehrt Bobby Brown zu Alba Berlin zurück, allerdings im Trikot des Gegners aus Oldenburg (18 Uhr, O2 World). Und das nicht nur irgendwie als Spielmacher der Baskets, sondern mit 21,3 Punkten auch als bester Schütze der Bundesliga. Auch die Bayern konnten ihn am Wochenende nicht stoppen. Da führte Brown sein Team mit 28 Punkten zum Sieg (88:81).

Von Alba in dei NBA

Der 27-jährige Pointguard aus Los Angeles ist noch immer ein Einzelfall in der Geschichte von Alba. Ein gutes Dutzend der Spieler, die in all den Jahren nach Berlin kamen, spielten zuvor in der stärksten Liga der Welt, der nordamerikanischen NBA. Manche mehr, die meisten weniger.

Brown ist noch immer der einzige Berliner Spieler, der jemals den entgegengesetzten Weg ging. Er wechselte nach seinem ersten Profi-Jahr bei Alba zu den Sacramento Kings. Deutschland, Europa – auf Wiedersehen!

Comic-Fan aus Los Angeles

„Ich habe viele gute Erinnerungen an Berlin, aber mit dem Wechsel in die NBA ist damals ein Traum für mich in Erfüllung gegangen“, sagt Brown, der gern Comics zeichnet und sie sich, wenn sie ihm besonders gut gefallen, auch als Tattoo stechen lässt.

„Ich freue mich darauf, wieder nach Berlin zu kommen. Es wird das erste Mal seit 2008 sein. Wir hatten eine gute Mannschaft. Woran ich mich immer erinnern werde, ist die großartige Unterstützung der Fans. Ich bin gespannt auf die neue Arena.“

In Berlin wurde er zum Mann

Die Fans dort werden ihn sicherlich herzlich empfangen, denn Browns Zeit in Berlin hatte etwas Märchenhaftes. Alba hatte ihn damals als 22-jährigen Nobody direkt von einem kleinen College verpflichtet . Er sollte sich als zweiter Spielmacher hinter Goran Jeretin behutsam an Europa gewöhnen. Jeretin riss aber noch im Trainingslager das Kreuzband, Alba zog allein mit Brown die Saison bis zum ersehnten Meistertitel durch – dem ersten nach fünf Jahren, und dem letzten bislang.

„Mein Jahr in Berlin war irgendwie ein Blindflug, alles war für mich neu, ich war von vielem geblendet. Ich war ein Kind, das erste Mal in Europa, musste aber schnell ein Mann werden und Verantwortung übernehmen“, sagt Brown, der mit Alba in die Geschichte einging, als er den Klub gegen Bosna Sarajevo nervenstark und mit unbändigem Siegeswillen nach fünf Verlängerungen zum Sieg führte (141:127). „Heute weiß ich“, sagt Brown, „das war ein ganz wichtiges Jahr für mich.“

113 NBA-Spiele

Von dem er dann auch in den kommenden beiden Saisons profitierte. Obwohl Brown von den Sacramento Kings zu den Minnesota Timberwolves weitergereicht wurde, von dort zu den New Orleans Hornets und schließlich zu den Los Angeles Clippers, kam er immerhin auf durchschnittlich 12,8 Minuten Einsatzzeit in den 113 Spielen , die er bestritt.

„Ich war auch nach meiner zweiten Saison mit NBA-Teams in Kontakt, aber es passte nicht so richtig. Natürlich hätte ich gern weiter in der NBA gespielt, aber ich wollte nicht ewig zu Hause sitzen und warten“, erinnert sich Brown an den Spätsommer 2010. Er entscheid sich zum zweiten Mal für Europa, spielte erst für den polnischen Spitzenklub Prokom Gdynia und danach für Aris Saloniki.

Akklimatisierung in Polen

Nach seiner überragenden Saison als Profi-Neuling für Alba habe sich Brown in Polen und Griechenland weiter akklimatisiert, erklärt Oldenburgs Trainer Predrag Krunic. „Er hat mehr Erfahrung, trifft gute Entscheidungen und hat Führungsqualitäten“, sagt Krunic. „Und die kommen halt nur mit den Jahren.“

Er rede oft mit seinem Lenker und Denker, erzählt der Baskets-Coach, über Details, genauso aber auch die generelle Ausrichtung des Spiels. Die Haltung Browns sei vom ersten Tag an vorbildlich gewesen. Es hört sich an, als würde ein anderer Bobby Brown am Sonntag nach Berlin kommen als der, der Alba 2008 verlassen hat. „Ich bin nie groß um die Häuser gezogen, aber jetzt bleibe ich oft zu Hause, sehe mir Spiele auf Video an, zum Beispiel von meinen Gegenspielern“, erzählt Oldenburgs Spielmacher.

Am Sonntag sollte er eigentlich auf DaShaun Wood treffen, immerhin den wertvollsten Spieler der vergangenen Saison. Doch Wood leidet wie sein Kollege Kyle Weaver unter einer fiebrigen Erkältung. Am Freitag fehlten beide erneut im Training, ihr Einsatz ist fraglich. Mit gerade mal 27 Jahren hat er die besten Jahre möglicherweise noch vor sich. Und das, so hofft Oldenburgs Spielmacher, nicht unbedingt in Europa: „Wieder in der NBA zu spielen, wird jeden Sommer mein großes Ziel bleiben. Es ist etwas anderes, zu Hause vor deiner Familie und deinen Freunden zu spielen“, sagt Brown. Freunde hat er vielleicht auch noch ein paar in Berlin. Die sind gespannt auf den reifen Bobby Brown und sein Duell gegen Wood. Der Rückkehrer weiß, „dass Alba zu Hause nicht leicht zu schlagen ist. Aber wenn wir konstant sind, vor allem in der Verteidigung, haben wir eine Chance.“ Zumindest dafür will Brown sorgen.