Steigende Formkurve

Warum Alba wieder Spaßvogel-Basketball spielt

Nach einem missglückten Saisonstart kommt Alba Berlin immer besser in Tritt. Vorläufiger Höhepunkt: Das 97:67 gegen Oldenburg. Morgenpost Online nennt die Gründe für den Formanstieg.

Foto: Massimo Rodari

Es ist selten, dass Gordon Herbert ruhig auf seinem Stuhl am Spielfeldrand sitzt. Doch diesmal machte es sich der Cheftrainer von Alba Berlin schon kurz nach Beginn des letzten Viertels bequem. Gelöst lehnte er sich zurück, während seine Mannschaft erstmals einen 30-Punkte-Vorsprung gegen die Baskets Oldenburg heraus warf . „Sehr zufrieden“ mit Einstellung und Ausführung war der Coach. Kein Wunder, denn beim 97:67 gegen die Oldenburger präsentierte sich ein ganz starkes Alba-Team.

Flügelspieler Sven Schultze sprach von einem „Ausrufezeichen“, das man gesetzt habe. Die Konkurrenz soll wissen: „Alba ist auf jeden Fall da!“

Spieler und Verantwortliche bei Alba tun allerdings gut daran, sich nicht von der Euphorie anstecken zu lassen, die nach dieser Galavorstellung schon bei den Alba-Fans unter den knapp 11.000 Zuschauern in der O2 World aufgekommen war. „Natürlich hat das gut getan“, meint Geschäftsführer Marco Baldi. Aber es sei eben nur ein Schritt gewesen auf einem langen Weg, den das Team noch vor sich habe. Spielmacher Heiko Schaffartzik rät: „Auf dem Teppich bleiben!“ Er erinnert sich noch gut daran, dass schon von einer Alba-Krise die Rede war, als das Team erst die Europaliga-Qualifikation verpasst und anschließend mit zwei Niederlagen in drei Spielen einen miesen Bundesliga-Start hingelegt hatte.

Doch die Mannschaft von Herbert hat in den vergangenen Wochen eine gute Entwicklung genommen. Der Coach wird nicht müde, von einem „Prozess“ zu sprechen, in dem sie sich befinde. Nur in kleinen Schritten könne man sich der Zielvorstellung nähern. Für Baldi steht nach dem Auftritt vom Sonntagabend fest: „Das war definitiv ein Schritt nach vorn.“ Mehrere Punkte machen die Stärke des Teams aus, das vor der Saison auf vier Positionen verändert wurde; zudem löste ja Herbert den Israeli Muli Katzurin ab.

Stichwort Zusammenspiel

18 Assists gegen Oldenburg sprechen eine deutliche Sprache. Bei Alba wird gut kombiniert. Im Zweifelsfall wird noch einmal zum etwas besser postierten Kollegen gepasst. „Wir spielen als Team“, freut sich Sven Schultze, „jeder berührt den Ball, jeder wirft und trifft.“ Viele zu Punkten führende Vorlagen sprechen auch dafür, dass in dieser Mannschaft Eigensinn kaum Platz hat.

Stichwort Ausgeglichenheit

Am Sonntag trafen fünf Alba-Profis (DaShaun Wood, Kyle Weaver, Torin Fancis, Heiko Schaffartzik und Bryce Taylor) zweistellig, hinzu kann man noch Yassin Idbihi und Derrick Allen zählen, denen eine solche Ausbeute auch immer zuzutrauen ist. „Wir haben viele Optionen“, sagt Herbert. Center Francis, der sich auch von Spiel zu Spiel gesteigert hat, fügt hinzu: „Für den Gegner sind wir schwer auszurechnen.“

Als Alba-Spielmacher DaShaun Wood in der vergangenen Saison noch in Frankfurt spielte, hatte er von seinem damaligen Trainer Herbert einen anderen Auftrag: „Bei den Skyliners musste er neben dem Spielaufbau auch noch für viele Punkte sorgen, hier in Berlin sind viel mehr Spieler involviert.“ Gegen Frankfurt war es damals für die Gegner schon die halbe Miete, den US-Amerikaner auszuschalten. Bei Alba steht Heiko Schaffartzik seinem Kollegen Wood um nichts nach. Die beiden entwickeln sich zum besten Spielmacher-Duo in der Bundesliga.

Stichwort Kader

Herbert spielt gern den Trumpf der tiefen Bank aus. Sein Credo lautet: „Wir sind ein Team mit zehn sehr starken Spielern.“ Hinzu kommt als Elfter noch der 18-jährige Joey Ney, der sein erstes Lehrjahr bei den Profis absolviert. „Natürlich kann man nicht immer alle glücklich machen“, sagt Herbert mit Blick auf die Spielzeiten der Einzelnen. Aber er wisse genau, dass jeder seinen Anteil zum Gesamterfolg beitragen werde.

Stichwort Defensiv-Verhalten

In dieser Hinsicht gelang Alba zuletzt der größte Schritt. Die Berliner haben hinten dicht gemacht: Gegen Tübingen kassierte man nur 56 Punkte, gegen Frankfurt 57, gegen Oldenburg 67. Dabei ist besonders bemerkenswert, dass sich das Rebound-Verhalten – nach anfänglichen großen Problemen – stark verbessert hat. Abwehrarbeit und dabei vor allem eben das Schnappen vom Korb abgeprallter Bälle standen in den vergangenen Wochen ganz oben auf Herberts Liste. Momentan liegt Alba im Liga-Vergleich bei Rebounds auf Rang drei. Der erschütternde Vergleich: In der Vorsaison waren die Berliner in dieser Kategorie 18. – unter 18 Mannschaften. „Das ist das Ergebnis harter Arbeit und nicht vom Himmel gefallen“, sagt Sportdirektor Mithat Demirel zu dem erfolgten Wandel.

Stichwort Teamgeist

Das Verhältnis in der Mannschaft untereinander ist gut, es gibt keine Ego-Zocker. „Die Chemie stimmt“, sagt Schultze. Von Herbert, einem studierten Psychologen, wird das Zwischenmenschliche forciert: „Ich finde es wichtig, auch außerhalb des Feldes etwas zusammen zu unternehmen, in relaxter Atmosphäre.“ Vor einer Woche schaute sich das Team gemeinsam ein Heimspiel der Eisbären an. Eine Idee von Eishockey-Fan Herbert.