Nationalelf

Noch nie war dem DFB ein EM-Titel so viel wert

Der Deutsche Fußball-Bund würde seinen Nationalspielern für ein erfolgreiches EM-Turnier in Polen und der Ukraine eine Rekordprämie zahlen.

Der Wert von Erfolg ist relativ. Da schwimmen Leute 25 Kilometer durch haiverseuchte Hafenbecken und kassieren dafür einen Handschlag, eine warme Mahlzeit und eine Medaille im Gegenwert eines Kaugummiautomatenartikels. Oder sie schinden sich unter 200 Kilo schweren Hanteln, die sie wahlweise reißen oder stoßen, um am Monatsende das Gehalt eines Fließbandarbeiters zu bekommen.

Selbst im Fußball, der umsatzstärksten Sportart der Welt, sind die goldenen Zeiten noch nicht allzu lange angebrochen. Die Helden von 1954, die Deutschland mit ihrem Sieg bei der Weltmeisterschaft aus der Kriegsdepression führten, bekamen dafür einen Fernseher, einen Motorroller und 25.000 Mark. Ihre Nachfolger, die 1974 in München gegen die Niederlande siegten, konnten sich von ihrer Prämie schon eine kleine Eigentumswohnung leisten, umgerechnet 35.900 Euro zahlte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) den Herren Beckenbauer, Breitner & Co. Doch auch dafür würden die Spieler von heute nicht mehr den Spann krumm machen.

Wenn die deutsche Nationalmannschaft sich im kommenden Jahr in Polen und der Ukraine zur besten Mannschaft Europas küren lassen will, steht der DFB-Schatzmeister mit dem Scheckheft parat. Übersteht die Truppe von Trainer Joachim Löw die Vorrunde, klingelt es auf den Spielerkonten. Würde das Team nach den Gruppenspielen in der Vorrunde ausscheiden, werden keine Prämien ausgezahlt. Für das Erreichen des Viertelfinals bekommt jeder Spieler 50.000 Euro, für das Halbfinale 100.000 Euro und für die Endspielteilnahme 150.000 Euro. Sollte das Finale gar gewonnen werden, werden umgehend 300.000 Euro pro Profi angewiesen. Diese Regelung traf der DFB mit dem Mannschaftsrat. Im Klartext: Wird Deutschland 2012 Europameister, macht das bei einem 23-Mann-Kader 6,9 Millionen Euro allein an Spielerprämien. Das ist genau so viel, wie 2006 bei der Heim-WM zu holen gewesen wäre.

2010 hätte es für den Titel beim Turnier in Südafrika noch 50.000 Euro weniger pro Spieler gegeben. Und Teammanager Oliver Bierhoff hatte diese Marke auch ursprünglich nicht überschreiten wollen. Doch selbst bei größtmöglichem Erfolg wird der größte Sportverband der Welt nicht ans Festgeld gehen müssen. Im Gegenteil: Der europäische Fußball-Verband Uefa schüttet insgesamt 23,5 Millionen Euro an den kommenden Kontinentalchampion aus. Die bislang höchste Prämienzahlung musste der Fußball-Bund übrigens 2008 leisten. Die 0:1-Niederlage im EM-Finale gegen Spanien wurde jedem Spieler mit 150.000 Euro versüßt.

Damit die deutsche Eliteauswahl möglichst gut vorbereitet in die Jagd auf die europäische Fußballkrone gehen kann, stehen in den kommenden Tagen zwei Testspiele an. Am Freitag reist das DFB-Team zum EM-Gastgeber Ukraine, am Dienstag darauf empfängt man die niederländische Mannschaft in Hamburg. Für diese Partien nominierte Bundestrainer Löw am Freitag seinen Kader. Überraschend gönnt er seinem Kapitän Philipp Lahm eine Pause, allerdings nicht aus Leistungsgründen.

Am Donnerstag hatten Löw und Lahm telefoniert. „Danach habe ich entschieden, dass er diesmal nicht dabei ist. Er absolviert in jeder Saison sehr viel Spiele und meistens über 90 Minuten. Deshalb erhält er jetzt eine Pause”, sagte der Trainer, der ebenfalls auf Lahms Vereinskollegen Bastian Schweinsteiger (Schlüsselbeinbruch) verzichten muss. Dafür gehören der Dortmunder Marcel Schmelzer und der Leverkusener Lars Bender wieder dem Kader an.

Zudem reist Torwart Manuel Neuer nicht zum Länderspiel nach Kiew, sondern stößt erst in Hamburg zum Team. In der Ukraine sollen sich seine Ersatzleute Tim Wiese und Ron-Robert Zieler beweisen dürfen, für das Niederlande-Spiel ist Neuer allerdings gesetzt. Löw sagte: „Wir wollen ein erfolgreiches Jahr positiv abschließen. Es ist wichtig, dass wir nach unserem Spiel in Danzig gegen Polen auch einmal in der Ukraine zu Gast sind, um damit Erfahrungen im Land der beiden EM-Gastgeber gesammelt zu haben.“