Herzerkrankung

Basketball-Profi Boumtje Boumtje beendet Karriere

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Dietmar Wenck

Foto: Bongarts/Getty Images

Bei Ex-Alba-Spieler Ruben Boumtje Boumtje (33) spielt das Herz nicht mehr mit. Der Profi vom Bundesligisten FC Bayern München beendet auf Anraten der Ärzte mit sofortiger Wirkung seine Karriere.

Nie hat die Vorstellung der Mannschaft bei den Spielen von Alba Berlin mehr Spaß gemacht als in der Saison 2006/2007. Wenn mit der Nummer 20 Koko Archibong aufgerufen wurde, hatten die Fans ihre erste Freude – etwas drollig klingt für europäische Ohren dieser Name schon. Aber das war noch gar nichts gegen den 2,12 Meter großen Mann, der wenig später auflief: „Mit der Nummer 44: Ruben Boumtje Boumtje!“ Da kam erst recht gute Laune auf. Auch wenn die Saison nicht spaßig aufhörte: Der Favorit scheiterte im Play-off-Viertelfinale, Alba-Legende Henrik Rödl war seinen Trainer-Job los. Archibong und Boumtje Boumtje ihre Plätze im Team auch.

Auf traurige Weise endete jetzt auch die Karriere des Basketballprofis aus Kamerun. Eine Herzerkrankung stoppte den freundlichen Riesen Boumtje Boumtje, der noch bis Ende November beim FC Bayern München unter Vertrag steht. Bei einer Kontrolluntersuchung hätten sich bei dem 33-Jährigen Unregelmäßigkeiten gezeigt, heißt es in einer Mitteilung des Vereins. Mannschaftsarzt Jochen Hahne und seine Kollegen legten dem Spieler nahe, seine Karriere zu beenden. „Im Moment ist die Herzfunktion vollständig gegeben“, sagte Hahne, aber würde Boumtje Boumtje weiterspielen, gäbe es „eine deutlich erhöhte Gefahr, den plötzlichen Herztod zu erleiden“. Ohne Leistungssport dagegen habe er sehr gute Chancen, ein normales Leben zu führen. „Um das Risiko von Spätfolgen zu vermindern, habe ich beschlossen, vom professionellen Basketball zurückzutreten“, sagte Boumtje Boumtje, „meine Gesundheit und meine Familie sind von größerer Wichtigkeit.“ Der Center hat einen dreijährigen Sohn, seine Frau erwartet das zweite Kind.

„Er war zuerst am Boden zerstört“, berichtete Bayern-Trainer Dirk Bauermann, „aber zwei Tage später war er auch dankbar, dass er durch die intensiven Untersuchungen möglicherweise vor größerem Schaden bewahrt worden ist.“ Münchens Manager Marko Pesic ergänzte: „Ruben wird Fahrrad fahren und Tennis spielen können. Aber Leistungssport birgt eben verschiedene Risiken.“ Das kann auch tödlich ausgehen, dafür gibt es im Sport einige Beispiele. So starb Boumtjes Landsmann Marc-Vivien Foé (28) beim Fußball-Föderationen-Pokal 2003 durch Herzversagen im Halbfinale gegen Kolumbien. Der jüngste bekannte Fall war im vergangenen August der Tod des japanischen Fußballprofis Naoki Matsuda (34) vom Matsumoto Yamaga F. C., der nach einem Herzinfarkt beim Training starb.

Herzinfarkt beim Fitnesstest

Und auch im Basketball gibt es einen ungewöhnlichen Todesfall eines ehemaligen Bundesligaspielers. Bei Thomas Campaoré aus Burkina Faso, der zwischen 2004 und 2006 sechs Kurzeinsätze für Alba Berlin absolvierte, wurden Herzrhythmusstörungen festgestellt. Auf Rat der Ärzte beendete er seine Karriere und arbeitete danach als Nachwuchstrainer in Frankreich. Bei einem Fitnesstest im Mai dieses Jahres erlitt Campaoré schließlich einen Herzinfarkt, den er nicht überlebte – erst 23 Jahre alt. Aber Fälle wie bei Boumtje Boumtje bleiben, sagt Thomas Neuendorfer, Arzt der deutschen Basketball-Nationalmannschaft, „ein eher seltenes Problem im Basketball, überhaupt im Leistungssport“.

Boumtje Boumtje wird noch einige Tage in München bleiben und dann in seine Wahlheimat USA zurückkehren, woher seine Frau stammt und wo er 44 Spiele für die Portland Trail Blazers bestritt. Sich in der NBA durchzusetzen, gelang ihm nicht. Seit 2005 spielte er deshalb für verschiedene Vereine in Europa, zunächst für Panellinios Athen, danach ausschließlich in der Bundesliga. Auf seiner ersten Station in Berlin war er dabei nicht sonderlich erfolgreich, kam in 37 Spielen auf 6,7 Punkte und fünf Rebounds im Durchschnitt. Mit den Baskets Oldenburg wurde der Center 2009 Deutscher Meister, mit den Artland Dragons scheiterte Boumtje Boumtje in der vergangenen Saison erst im Halbfinale am späteren Titelträger Bamberg. In München hatte er jetzt einen befristeten Vertrag bis Ende November unterschrieben, der aber verlängert werden sollte. Nicht nur wegen seiner Präsenz unter den Körben und seiner Punkte. Laut Bauermann war der Kameruner „sehr beliebt in der Mannschaft“, laut Pesic „wahnsinnig wichtig als Persönlichkeit“. Natürlich erhalte er sein Gehalt bis Ende November.

Boumtje Boumtje zog ein positives Fazit seiner 14 Jahre dauernden Karriere. „Es ist ein Geschenk, mit so vielen großartigen Spielern und Persönlichkeiten zusammengearbeitet zu haben“, sagte er, „meine Familie und ich sind mehr als dankbar für die Möglichkeiten, die der Basketball uns eröffnete.“