Die Woche war nicht leicht für die Basketballprofis von Alba Berlin. „Wir haben die Fehler analysiert und dann konzentriert trainiert“, sagt Cheftrainer Gordon Herbert. Bei den Spielern hört sich das so an: „Der Trainer hat uns spüren lassen, dass er sauer auf uns war“, erklärt Center Yassin Idbihi. Und Flügelspieler Sven Schultze fügt hinzu: „Der Coach hat uns ziemlich rangenommen.“ Alles Nachwirkungen der Pleite von Charleroi vor acht Tagen, als Alba in der Qualifikation für die Europaliga gegen den belgischen Meister 63:74 unterlag – und nun erneut nur im Eurocup, der zweiten europäischen Liga, spielen darf. „Man kann verlieren“, blickt Herbert noch einmal zurück, „aber entscheidend ist das Wie.“ Und das war „total enttäuschend“. Weil Intensität und letzter Einsatzwille fehlten.

Doch das muss jetzt vergessen sein, weil der Blick nach vorne geht. „Wenn man das Negative länger mit sich herumträgt, kommt man aus dem Tal nicht heraus“, weiß Idbihi. „Das ist verdaut“, meint Herbert. Die Berliner sollten auch wieder einigermaßen in der Spur sein, wenn sie mit einer Woche Verspätung – wegen der Teilnahme an der Europaliga-Qualifikation – in die Bundesligasaison starten. Wobei Alba gleich einen Dreierpack auswärts zu bewältigen hat, beginnend am heutigen Sonntag bei den Eisbären Bremerhaven, es folgen Partien in Braunschweig (am kommenden Mittwoch) und vier Tage danach in Hagen.

„Das ist nicht einfach, gerade wenn man noch ein wenig wackelig ist und nicht so richtig weiß, wo man steht“, meint Geschäftsführer Marco Baldi. Klar ist, dass den Berlinern an der Nordseeküste eine sehr schwere Aufgabe bevorsteht, auch wenn, oder gerade weil die Eisbären am Freitagabend in Trier ein herbes 56:75 kassierten. Vor eigenem Publikum gilt es für sie nun, einiges gutzumachen. Dabei wird die Atmosphäre in der Halle und die Motivation der Eisbären-Profis gegen eine Liga-Größe wie Alba immer eine besondere sein.

„Daran hat sich nichts geändert“, ist sich Baldi sicher. Auch wenn sich sonst einiges geändert hat mit Blick auf die Saison 2011/2012. „Wir sind nicht mehr der Krösus, sind es vielleicht schon länger nicht mehr“, sagt Baldi. Soll heißen: Die Berliner haben nicht mehr das höchste Budget für den Spielkader, Klubs wie Titelverteidiger Bamberg, der ambitionierte Aufsteiger Bayern München oder auch Oldenburg haben da wohl mehr Mittel. Überhaupt hat Alba den Gesamtetat etwas zurückgefahren. „Vorsichtiger kalkuliert“ habe man, so der Geschäftsführer. Es sei wie im richtigen Leben: „Wenn man ein Defizit gemacht hat, muss man das in der nächsten Saison aufholen.“

Die vergangene Spielzeit hatte – trotz Besucherrekords – unvorhersehbare Ausgaben verursacht: Coach Luka Pavicevic wurde beurlaubt, in Muli Katzurin ein neuer geholt, der Kader musste nachgebessert werden. Insgesamt dürfte der Etat für die kommende Saison bei knapp sieben Millionen Euro stehen; allein für die Jugend- und Nachwuchsarbeit sind davon gut 800.000 Euro eingeplant.

Vorbei sind sowieso die Zeiten, in denen Berlin von der Konkurrenz unisono zum Favoriten gestempelt wurde. Heute sieht sich Baldi im Einklang mit der Mehrheit der Konkurrenten: „Für mich ist Bamberg der Topfavorit.“ Der Double-Gewinner der vergangenen zwei Jahre konnte sein Team fast zusammenhalten und hat sich noch einmal verstärkt. Zum Beispiel durch Julius Jenkins, jahrelang Topscorer bei Alba. Hinter den Franken sieht Baldi „vier oder fünf Teams, die um den Titel mitspielen, wir gehören dazu“.

Alba kalkuliere, unter die besten Vier zu kommen, sagt Baldi, aber: „Das soll nicht heißen, dass wir damit zufrieden sind.“ Das M-Wort, Meisterschaft, nimmt er nicht in den Mund. Herbert spricht davon, in den zwei Jahren, die er in Berlin unter Vertrag steht („Hoffentlich werden es mehr“), ein Team bilden und weiterentwickeln zu wollen, um mit ihm Titel zu holen. „Das kann ja auch schon in dieser Saison sein“, sagt der Kanadier lächelnd.