Bernd Schultz hatte es sich so schön vorgestellt. Der Präsident des Berliner Fußball-Verbandes ließ am Wochenende alle Spiele für fünf Minuten unterbrechen , um auf die steigende Zahl der Angriffe auf Schiedsrichter aufmerksam zu machen. Während der Pause wurden Flyer verteilt und Reden gehalten, in denen Fairplay gegenüber den Unparteiischen gefordert wurde. Am Sonntag dann wurde die Initiative zur Farce: Drei unterklassige Partien wurden abgebrochen, weil die Unparteiischen Opfer von Spielerattacken geworden waren. Simon Pausch sprach mit BFV-Boss Schultz.

Morgenpost Online: Herr Schultz, wissen Sie schon genau, warum die Partien abgebrochen wurden?

Bernd Schultz: Wir tragen gerade alle Informationen zusammen. In zwei Fällen gab es tätliche Angriffe gegen Schiedsrichter. Zudem sollen in einem Spiel der A-Junioren komplette Mannschaften an den Attacken beteiligt gewesen sein. Anders als bisher berichtet, standen die Eskalationen aber in keinem inhaltlichen Zusammenhang mit den Spielunterbrechungen durch die Referees. Wir werden nun versuchen, schnell gegen die Täter vorzugehen und sie in einem Maß zu bestrafen, das abschreckende Wirkung hat. So etwas ist nicht hinnehmbar.

Morgenpost Online: Inwieweit schmälern die Spielabbrüche den Erfolg des Aktions-Wochenendes im Berliner Fußball?

Schultz: Der Erfolg dieser Aktion ist nicht an einem Wochenende messbar. Ob wir wirklich etwas erreicht haben, können wir erst sagen, wenn wir nach der Hinrunde einen signifikanten Rückgang der Spielabbrüche feststellen. Sicherlich hätte ich mir gewünscht, dass der Prozess des Nachdenkens, der ja in den Spielunterbrechungen stattfinden sollte, schon an diesem Wochenende stärker eingesetzt hätte.

Morgenpost Online: Konterkarieren die Angriffe vom Sonntag nicht die Fairplay-Gerede vom Sonnabend?

Schultz: Im Gegenteil. Sie unterstreichen, wie wichtig und richtig unsere Aktion war. Die Zahl der verbalen und Körperlichen Attacken auf die Unparteiischen wird immer größer. Das ist ein gesamtgesellschaftliches Problem.

Morgenpost Online: Am Wochenende sagten Sie noch, öffentliche Aufmerksamkeit sei die stärkste Waffe im Kampf gegen Gewalt im Fußball.

Schultz: Wir haben von Anfang an gesagt, dass es Probleme auf den Berliner Fußballplätzen gibt. Die verstärkte Aufmerksamkeit bei den Leuten hat zu einer Sensibilisierung geführt, aber die Vorfälle zeigen, dass wir noch Nachholbedarf haben. Vor allem die Verantwortlichen der Vereine müssen stärker in die Pflicht genommen werden.

Morgenpost Online: Man könnte auch sagen: Die Abbrüche zeigen, dass die Aktion, mit bloßen Spielunterbrechungen an Fairplay zu erinnern, allem Anschein nach nicht weit genug ging.

Schultz: Der nächste Schritt ist der Ausfall kompletter Spieltage, wenngleich ich davor warne, jetzt in Aktionismus zu verfallen.

Morgenpost Online: Was muss passieren, damit es zu kompletten Spielausfällen kommt?

Schultz: Wenn wir auf dem Niveau dieses Wochenendes bleiben, dann müssen wir solche Maßnahmen in Erwägung ziehen. Wenn den Spielern fünf Minuten zum Nachdenken nicht ausreichen, dann brauchen sie demnächst vielleicht 90 Minuten. Für die nächsten beiden Wochen ist ein solches Szenario aber nicht geplant.

Morgenpost Online: Inwiefern enttäuscht dieser Gewaltausbruch ausgerechnet an dem Wochenende, an dem an Fairplay erinnert werden sollte, Sie persönlich?

Schultz: Seit Jahren bekämpfe ich dieses Thema. Die Aktion am vergangenen Wochenende war lange vorbereitet, wir hatten viel Arbeit investiert. Die Schiedsrichter haben toll mitgezogen und großen Einsatz gezeigt und auch bei vielen Vereinen ist die Aktion sehr gut angekommen. Wenn dann wieder einige Spieler meinen, sich daneben benehmen zu müssen und jeglichen Anstand verlieren, ärgert mich das. Diese Abläufe sind erschreckend. Dass es ausgerechnet an diesem Wochenende dann zu einer Eskalation der Gewalt kommen muss, macht mich persönlich wütend und betroffen.