Kolumne "Nachspielzeit"

Huub Stevens fehlt als Sicherheit Rudi Assauer

Was vom 8. Spieltag übrig bleibt: Stevens feiert bei seinem Liga-Comeback auf der Schalker Bank einen glücklichen Sieg in Hamburg, obwohl die Null nicht steht.

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Würde Bayerns Zu-Null-Keeper Manuel Neuer noch auf Schalke spielen, dann käme Huub Stevens vermutlich noch immer mit seiner Ein-Satz-Philosophie durch.

Die „Null muss stehen“ war das Leitmotiv des knurrigen Niederländers gewesen, als er von 1996 bis 2002 den FC Schalke trainierte und zweimal den Meistertitel holte – in der Statistik der wenigsten Gegentore pro Saison.

In der Abschlusstabelle belegte der Traditionsklub aus Gelsenkirchen in der Bundesligaspielzeit 1997/98 aber nur den fünften und drei Jahre später den zweiten Platz, als er als „Meister der Herzen“ in die Geschichte einging.

Als Assauer weinte

Ausgerechnet der nach Hamburg ausgeliehene Schalker Ersatztorwart Mathias Schober nahm am letzten Spieltag der Saison 2000/2001 in der Nachspielzeit der Partie HSV gegen Bayern München einen Rückpass mit der Hand auf. Den daraus resultierenden Freistoß nutzen die Bayern zum 1:1-Ausgleich und entrissen den Schalkern noch die Meisterschale. Selbst Manager Rudi Assauer weinte.

Der mittlerweile 35-jährige Schober ist heute wieder Reserveschlussmann in Gelsenkirchen und der letzte verbliebene Spieler aus Stevens erster Amtszeit, die mit dem Gewinn des DFB-Pokals 2002 so erfolgreich zu Ende ging, wie sie mit dem Triumph im Uefa-Pokal fünf Spielzeiten zuvor begonnen hatte.

Der Grund dafür, dass Stevens bei seiner Rückkehr zum FC Schalke nach dem 3:1 in der Europa League gegen Haifa auch in der Bundesliga einen Auftakt nach Maß erlebte, war allerdings nicht in der Defensive zu finden, sondern ganz vorn, wo Klaas-Jan Huntelaar mit zwei Weltklassetoren (13. und 73. Minute), seinen beiden einzigen erwähnenswerten Aktionen, den 2:1-Auswärtssieg gegen den Hamburger SV organisierte.

HSV nach dem 1:1 besser

Die Zuversicht nach den Pflichtspieltreffern 14 und 15 seines Landsmanns Huntelaar war offenbar so groß, dass Stevens nach dem Schlusspfiff vor den Mikrofonen des Fernsehens seinen Ärger über den groben Fehler von Kapitän Benedikt Höwedes unterdrückte, der zum zwischenzeitlichen Ausgleich von Mladen Petric (37.) geführt hatte.

Wenn man hinten nicht zu Null spielen könne, habe er nichts dagegen, wenn man ein Tor mehr mache als der Gegner, sagte Schalkes „Jahrhunderttrainer“ über den glücklichen Sieg beim Tabellenletzten, der nach dem 1:1 die bessere Mannschaft gewesen war. Es hörte sich wie eine notgedrungene Abkehr von seiner berühmten Null-Gegentore-Politik an.

Die Zahlen der ersten acht Spieltage sprechen eine deutliche Sprache. Mit 17 Toren haben die Schalker hinter Tabellenführer FC Bayern die zweiterfolgreichste Offensive der Bundesliga. 13 Gegentreffer jedoch dokumentieren die Abwehrschwäche des Tabellenvierten, der erst ein einziges Mal, beim 1:0 gegen Mönchengladbach, zu Null spielen konnte.

In Hamburg machte der zuweilen flatterhafte Torhüter Ralf Fährmann nicht nur beim Treffer von Petric ins kurze Eck eine schlechte Figur. In der 70. Minute rutscht ihm der Ball nach einem Distanzschuss des Torschützen durch die Finger und fast ins Netz. Auch zehn Minuten zuvor hatte Fährmann Glück: Nachdem er den Ball im Luftkampf mit HSV-Stürmer Paolo Guerrero aus den Händen verloren hatte, entschied der Schiedsrichter auf Foul des Hamburgers.

Dass Stevens seinen alten Weggefährten Schober zur Nummer eins befördert, ist eher unwahrscheinlich. Beim Spiel gegen den HSV saß der 21-jährige Lars Unnerstall anstelle von Schober auf der Bank.

Eine Männerfreundschaft

Dabei hat Schober Erfahrung, wie es sich als Torwart anfühlt, wenn Schalke unter Stevens mangelhaft verteidigt und trotzdem gewinnt: Im Mai 1999 gab es 5:4 bei 1860 München.

Mit insgesamt 54 Gegentoren beendete der Verein jene Saison allerdings nur als Tabellenzehnter. Die Jobsicherheit für den Trainer gewährleistete damals Manager Assauer, den mit Stevens eine Männerfreundschaft verbindet.

In dieser Spielzeit jedoch wird sich Stevens keinen zweistelligen Tabellenplatz leisten dürfen, egal wie Schalkes Torverhältnis am Ende aussieht.