Bayer besiegt Wolfsburg

Traumtor von Derdiyok, Sprechchöre für Ballack

Bayer Leverkusen hat wieder Tritt gefasst. Beim Heimsieg gegen den den schwachen VfL Wolfsburg traf Eren Derdiyok per Fallrückzieher.

"Michael Ballack“ skandierten die Fans, und für den Capitano dürfte die Anfeuerung der Zuschauer wie Balsam auf viele Wunden gewirkt haben. Der 35 Jahre alte ehemalige Nationalmannschaftkapitän genoss sichtlich die Standing Ovations bei seiner Auswechslung (88.) in seinem 100. Bundesligaspiel für Bayer Leverkusen und klatschte seinerseits dem Publikum, nachdem es in 15 Monaten beim Werksklub bislang nicht allzu viel für Ballack zu feiern gegeben hatte.

„Michael hat eine tolle Partie abgeliefert. Bei ihm hat man gesehen, wie wichtig das Tor in der Champions League für ihn war“, lobte Sportchef Rudi Völler zu Recht den Bayer-Star. Beim hochverdienten 3:1 (1:0)-Erfolg gegen den schwachen VfL Wolfsburg gehörte „Balle“ zu den auffälligsten Spielern auf dem Platz, hatte mit einem Pfostenschuss Pech (38.). Außerdem verhinderte Wolfsburgs starker Torwart Diego Benaglio mit einem Reflex den ersten Ballack-Treffer nach dessen Bundesliga-Rückkehr für den Werksklub (44.). Am Mittwoch gegen Genk in der Königsklasse hatte der gebürtige Görlitzer das Tor zum 2:0-Endstand erzielt.

Trotz seiner ansprechenden Leistung hängte sich Ballack nach Spielende einen Maulkorb um, verschwand kommentarlos und ungesehen aus den Katakomben der BayArena. Immer mehr gleicht der 98-malige Nationalspieler in Leverkusen einer Sphinx, undurchschaubar und unnahbar.

Andere Bayer-Profis waren dafür redseliger und sorgten ebenfalls für Highlights, wie der Schweizer Stürmer Eren Derdiyok, der mit einem fantastischen Fallrückzieher der Marke „Tor des Monats“ das wichtige 2:1 (65.) erzielt hatte. „Als Juniorenspieler habe ich mal so ein Tor gemacht, aber als Profi ist mir so einer noch nicht gelungen“, meinte der Eidgenosse, „das war der schönste Treffer in meiner Karriere.“ Für Völler war klar, dass nur Derdiyok für eine solch artistische Einlage a la Klaus Fischer infrage komme: „Eren macht nicht die einfachen, sondern nur die Traumtore.“

Der Eidgenosse profitierte, ebenso wie der starke Stefan Kießling, von der taktischen Umstellung durch Coach Robin Dutt auf zwei Angriffsspitzen von Beginn an. Derdiyok: „Das ist eine Option. Ich bin froh, dass mir der Trainer das Vertrauen geschenkt hat und ich es zurückzahlen konnte.“

Die ganze Mannschaft wirkte nach dem Sieg in der Champions League wie befreit. Gonzalo Castro (14.) und Kießling (85.) schossen die weiteren Treffer vor 28.195 Zuschauern. Die enttäuschenden Niedersachsen waren durch Mario Mandzukic (59.) zum zwischenzeitlichen 1:1 gekommen.

Nachwehen gab es bei Bayer allerdings noch aufgrund des Urteils von Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser („Alibi-Fußballer“) über den Brasilianer Renato Augusto. „So etwas muss man unter vier Augen klären. Renato ist der Letzte, der als Alibi-Fußballer bezeichnet werden kann“, sagte Castro und trat für seinen Teamkollegen ein, der 90 Minuten auf der Bank geschmort hatte. Er machte dies auch für alle im Stadion deutlich: Castro lief nach seinem Treffer demonstrativ zu Renato Augusto.

Nicht richtig in Schwung kommen derweil die „Wölfe“. Die ersten 45 Minuten glichen einer Arbeitsverweigerung. „Wir haben uns dem Druck gebeugt, statt dagegenzuhalten“, kommentierte Trainer Felix Magath. Benaglio, der eine höhere Niederlage verhinderte, konstatierte: „Wir waren in der ersten Hälfte zu passiv.“ Aber auch danach wurde es nicht viel besser. Der Meister von 2009 - es bleiben nur wehmütige Erinnerungen an den damaligen „VfL Magath“.