Gegen Augsburg

Meister Dortmund schießt sich den Frust von der Seele

Nach der bitteren Niederlage in Marseille kam Aufsteiger FC Augsburg dem schwächelnden Meister Borussia Dortmund als Aufbaugegner gerade recht.

Für Robert Lewandowski war es ein Karriere-Highlight, für Borussia Dortmund ein Befreiungsschlag. „Drei Tore, eine Vorlage, das ist super, heute hat fast alles geklappt. Ich hoffe, dass es jetzt auswärts geht“, meinte der Matchwinner des deutschen Meisters im Pulk der Journalisten und strahlte mit der Herbstsonne um die Wette. Mit seinen Saisontoren drei bis fünf und seinem ersten Dreier-Pack beim 4:0 (2:0) über den Bundesliga-Neuling FC Augsburg erlöste der polnische Nationalspieler seine Teamkollegen, Fans und die Vereinsverantwortlichen von einer riesigen Last.

Es wäre nicht auszudenken gewesen, hätte sich die Borussia nach der 0:3-Pleite in der Champions Laague am vergangenen Mittwoch bei Olympique Marseille einen weiteren Punktverlust geleistet. Am Ende eines souveränen Sieges meinte auch Trainer Jürgen Klopp erleichtert: „Das war heute gut für die Tabelle, gut für das Selbstvertrauen - und keiner hat sich verletzt. Ich kann nichts Negatives sagen.“

Der BVB-Coach wusste jedoch, bei wem er sich in erster Linie zu bedanken hatte: „Lewi hat viele gute Momente in jedem Spiel, ich freue mich total für ihn.“ Zumal der 23-Jährige ackert, rackert und stets Torhunger zeigt, aber in einigen Situationen oft zu überhastet agiert. „Er ist der spannendste polnische Spieler der letzten zehn, fünfzehn Jahre“, sagte Klopp einst über den 4,5 Millionen Euro teuren Einkauf von 2010.

Denn noch hat der „polnische Torres“, wie sie Lewandowski in Anlehnung an die Spielweise des spanischen Torjäger Fernando Torres in der Heimat nennen, sein Potenzial noch nicht ausgeschöpft. „Er ist noch jung. Es ist klar, dass er noch an vielen Dingen arbeiten muss“, sagte Klopp und beugte Spekulationen vor, dass Lewandowski wieder auf die Bank muss, sobald Lucas Barrios vollends fit ist. „Zur Erinnerung: Fast die gesamte Rückrunde der vergangenen Saison haben beide zusammengespielt.“

Ohnehin sei der Kader so zusammengestellt, dass man variabel regieren könne. Eine Kostprobe gab Klopp vor dem Spiel, ließ Sebastian Kehl, Neven Subotic, Shinji Kagawa und Kevin Großkreutz auf der Bank - Marcel Schmelzer war verletzt. „Bevor es anders interpretiert wird: Das ist Rotation, mehr nicht“, erklärte Klopp, der erstmals in seiner Zeit beim BVB ohne den Zwang von Verletzungen und Sperren derart oft wechselte.

Der Erfolg gab ihm und seinen Spielern Recht, die langsam ins Spiel fanden, aber durch den Doppelpack von Lewandowski (30. und 44.) das Eis brachen. Nachdem der Augsburger Gibril Sankoh mit einem Fouelfmeter an BVB-Torhüter Roman Weidenfeller (48.) gescheitert war, legte Lewandowski zum 3:0 für Mario Götze (75.) auf und setzte vor 80.720 Zuaschauern im ausverkauften Signal Iduna Park gegen wehrlose Augsburger selbst den Schlusspunkt (78.).

13 Punkte hat der BVB auf dem Konto, nur vier weiterhin die Schwaben, deren Trainer Jos Luhukay die Dominanz der Westfalen anerkennen musste: „Wir haben frühzeitig den Glauben und die Hoffnung verloren. Wenn es noch ein Fünkchen Hoffnung gegegen hätte, dann hätten wir jedoch den Elfmeter verwandeln müssen.“

So blieb Augsburg einmal mehr den Beweis seiner Bundesliga-Tauglichkeit schuldig. Es bedarf mehr als einer massiven Abwehr und der Hoffnung auf ein bisschen Glück in der Offensive, um in Liga eins zu bestehen. Einige FC-Fans flüchteten bereits in Sarkasmus: Zumindest habe man nach acht Spieltagen schon einen Punkt mehr auf dem Konto als damals Tasmania 1900 Berlin, das nach der Saison 1965/66 mit nur acht Pluspunkten (zehn Zählern nach der Drei-Punkte-Regel) absteigen musste und noch immer den Bundeliga-Negativrekord hält.