Erster Arbeitstag

HSV-Coach Fink – Ein Typ wie Meistertrainer Klopp

Thorsten Fink kennt keine Angst, dafür die Glücksgefühle der großen Erfolge. Jetzt hat sich der Ex-Bayernstar mit dem HSV viel vorgenommen.

Foto: WITTERS / WITTERS/Witters Sport-Presse-Fotos

Für seinen ersten Arbeitstag hat sich Thorsten Fink eine Art Stundenplan angelegt. Der neue Trainer des Hamburger SV wird am Dienstag 15 Uhr seine erste Übungseinheit leiten, allerdings schon sieben Stunden vorher im Stadion sein.

Im 30-Minuten-Takt wird er sich in allen Abteilungen des Vereins vorstellen. Die für ihn wichtigsten: Videoanalyse, Medizin und Scouting. „Ich möchte möglichst schnell alles kennenlernen“, sagte Fink bei seiner Vorstellung im Stadion im Volkspark am Montag.

Den ehemaligen Profi des FC Bayern München haben sie in der Hansestadt wie einen Heilsbringer begrüßt. Zwischen die 16 Kamerateams und rund hundert Journalisten im Presseraum mischten sich auch Mitarbeiter der Geschäftstellen und Aufsichtsräte.

Ihnen war anzumerken, wie gespannt und stolz sie auf den neuen Trainer sind, für den der Tabellenletzte der Bundesliga rund eine Million Euro Ablöse an den Schweizer Meister FC Basel gezahlt hat.

„Wenn wir erfolgreich sind ist der HSV ein Klub, bei dem ich mein Leben lang bleiben möchte“, betonte Fink.

Bringt Assistenten mit

Das 2:1 seiner neuen Mannschaft beim SC Freiburg am vergangenen Sonntag hatte er am Fernseher verfolgt. In sein Wohnzimmer hatte er Basels U-21-Trainer Patrick Rahmen eingeladen, den er als Assistenten mit nach Hamburg bringt, und auch Basels neuer Cheftrainer Heiko Vogel war zu Gast.

„Ich habe natürlich schon aus der Sicht des Trainers hingeschaut, das Spiel aber vor allem als Fan verfolgt. Ein paar mal bin ich vor Freude aufgesprungen“, so der 43-Jährige.

Nach dem Abpfiff war er nach Hamburg geflogen und hatte sich mit Sportdirektor Frank Arnesen und dem Vorstandsvorsitzenden Carl-Edgar Jarchow zum Essen getroffen. Am Montag hielt Fink seine erste Ansprache vor der Mannschaft.

"Sieg in Freiburg ein Anfang"

„Ich habe den Jungs gesagt, dass der Sieg in Freiburg ein Anfang war und ihnen viel Selbstvertrauen für unsere nächsten Aufgaben geben wird.“ Es sei etwas ganz Besonders, für den HSV arbeiten zu dürfen. Es habe ihn geehrt, als Arnesen ihn vor einiger Zeit anrief und sagte, dass er unbedingt ihn als neuen Trainer will. „Das hat mir die Entscheidung leicht gemacht. Der HSV ist nicht irgendein Verein, sondern einer der großen Klubs. Ich spüre, dass dieser Mannschaft die Zukunft gehört.“

Er wolle nun zunächst das Wir-Gefühl stärken. Wie wichtig Mannschaftsgeist ist, habe die Nationalmannschaft Frankreichs bei der WM 2010 in Südafrika bewiesen. Sie habe überragende Spieler in ihren Reihen gehabt, „aber weil sie keine Mannschaft waren, sind sie in der Vorrunde ausgeschieden.“

Der HSV wünscht sich Kontinuität, die Klubführung lasse ihn ihr Vertrauen spüren. Von der Qualität des Kaders ist er überzeugend. Er wird keinen Spieler aus Basel mitbringen, auch weil er dies dem Präsidenten seines Ex-Klubs versprochen hat.

„Wenn die Spieler meine Philosophie umsetzen, werden wir Erfolg haben. Wir wollen den Zuschauern Spaß vermitteln, sie sollen nie gelangweilt nach Hause gehen.“ Er habe keine Angst vor dem Abstiegskampf, weil die Mannschaft viel mehr könne als sie zuletzt gezeigt hat und über mehr Qualität als andere Bundesligaklubs verfüge. „Ich bin überzeugt dass wir gemeinsam viel erreichen werden.“

Rundfahrt mit Bester

Fink steht in engem Kontakt mit dem Schweizer Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld. Beim FC Bayern hat er unter ihm gespielt und sich viele Dinge abgeschaut.

Gleiches gilt für den Italiener Giovanni Trapattoni, Fink arbeitete bis vor drei Jahren bei Red Bull Salzburg als dessen Assistenztrainer. Insgesamt habe er jedoch seine eigene Art entwickelt, die Spieler dürfen ihn duzen. „Ich bin ein Typ in Richtung Jürgen Kloop. Ich entscheide aus der Situation heraus“, sagte Fink.

Nach der Präsentation am Montagmittag entschied er sich für eine Rundfahrt durch die Stadt mit Teammanager Marinus Bester, die beiden suchten nach einem Haus für Familie Fink. Ehefrau Silke und die beiden Söhne sollen so bald es geht zu ihm nach Hamburg ziehen.

„Ich brauche meine Familie, um zwischendurch meinen Akku aufzuladen“, sagte Fink. Am Samstag wartet die erste Aufgabe, dann empfängt der HSV im Nordderby den VfL Wolfsburg.