Kolumne "Nachspielzeit"

Der HSV verliert seinen erfolgreichsten Trainer

Was vom 9. Spieltag übrig bleibt: Mit maximalem Erfolg beginnt und beendet beim HSV jener Mann seine Trainerlaufbahn, der einst Matthäus umtrat.

In den 70er- und 80er-Jahren personifizierte Mittelfeldspieler Frank Arnesen das weltweit berüchtigte „Danish Dynamite“, das bei der WM 1986 die deutsche Nationalelf in der Vorrunde auseinander nahm. Der dribbelstarke Arnesen selbst übertrieb es allerdings bei dem 2:0-Sieg mit seiner Power ein bisschen, als er kurz vor dem Schlusspfiff nach einem heftigen Zweikampf wie ein Pferd nach hinten gegen Lothar Matthäus trat und dafür vom Platz gestellt wurde.

25 Jahre später hätte es zur großen Versöhnung und gar zur engen Zusammenarbeit zwischen Arnesen und Matthäus kommen können, wenn der Sportdirektor des Hamburger SV den gerade aus dem bulgarischen Nationaldienst entlassenen Matthäus als Trainer eingestellt hätte.

Wenn es stimmt, wie Arnesen der „Bild am Sonntag“ sagte, dass er nach der Entlassung des erfolglosen Michael Oenning für dessen Nachfolge eine unfassbar lange Liste von „60 bis 70 Trainern“ hatte, dann hat tatsächlich selbst der Name Lothar Matthäus darauf gestanden, wahrscheinlich sogar vor Jürgen Röber und Peter Neururer. Aber Arnesen ist nicht nur hart gegenüber Matthäus, sondern auch sich selbst.

Denn auf der Suche nach der besten Lösung für den HSV dürfte der 55-Jährige nicht zuletzt auch an den früheren Co-Trainer des PSV Eindhoven gedacht haben: Frank Arnesen. Vor genau 20 Jahren ersetzte dieser für sechs Spiele seinen erkrankten Chef Bobby Robson. Das Ergebnis: sechs Siege und am Saisonende die Meisterschaft.

Aber Arnesen lehnte Arnesen jetzt ab und kaufte Thorsten Fink beim FC Basel frei. Nur ein einziges Spiel wollte Arnesen den HSV-Trainer geben, und das auch nur weil der Interimslösung Rudolfo Esteban Cardoso (ein Sieg, eine Niederlage) die Lizenz fehlt.

Im Bundesliga-Kellerduell (mit deutlich mehr Licht als Schatten auf beiden Seiten) zwischen Freiburg und Hamburg musste Arnesen erstmals als Trainer mit der radikalen Verjüngung der Mannschaft zurechtkommen, die er als Sportdirektor eingeleitet hat.

Er sah zum Beispiel, wie sein in der 47. Minute desorientierter Innenverteidiger Slobodan Rajkovic den 1:1-Ausgleichstreffer von Papiss Cisse zuließ. Und wie in der 81. Minute der andere Innenverteidiger des HSV, Jeffrey Bruma, zunächst den Ball halb verfehlte und dann Stefan Reisinger auf Kosten eines Strafstoßes (den Cisse am Tor vorbei schoss) plump umriss.

Der 22-jährige Serbe aus Arnheim und der 19-jährige Niederländer vom FC Chelsea, beide Nationalspieler, waren vielversprechende Transfers Arnesens, sind bisher aber Kernstück der zweitschwächsten Defensive der Liga.

Arnesen-Transfers Töre und Ilicevic spielen das Siegtor heraus

Eine weitere Niederlage des HSV verhinderte diesmal der zuvor unsichere Torhüter Jaroslav Drobny, der sein mit Abstand bestes Saisonspiel machte und etliche Großchancen der angriffslustigen Freiburger vereitelte.

Trainermanager Arnesen sah jedoch auch, wie Bruma per Kopf nach einem Eckball von Gökhan Töre in der 12. Minute das 1:0 für die Hamburger durch Heung-Min Son vorbereitete. Der 19-jährige Töre, türkischer Nationalspieler, den Arnesen wie Bruma aus der Reserve seines vorigen Arbeitgebers FC Chelsea holte, spielte in der 73. Minute mit einem wunderschönen Doppelpass das Siegtor heraus.

Ivo llicevic, am Ende der Transferperiode aus Kaiserslautern gekommen, vollendete bei seinem Debüt im HSV-Trikot mit einem fulminanten Linksschuss. Arnesen hatte den 24-jährigen Kroaten erst sieben Minute zuvor eingewechselt.

Auch Fink "ist es gewohnt zu gewinnen"

Mit dem glücklichen 2:1 (1:0)-Auswärtssieg bleiben die Hamburger zwar hinter den punktgleichen Augsburgern und Freiburgern Tabellenletzter, doch mit der maximalen Ausbeute von drei Punkten pro Spiel geht Frank Arnesen beim HSV wie schon in Eindhoven als erfolgreichster Trainer aller Zeiten in die Vereinsgeschichte ein.

Am Montag übernimmt dann Thorsten Fink, die beste Lösung für den HSV, wie Arnesen glaubt: „Er ist es gewohnt zu gewinnen. “