"Lage der Liga"

Der Bundesliga-Dinosaurier HSV ist todkrank

Bis auf den Hamburger SV spielte kein Verein seit seiner Gründung ununterbrochen in der ersten Liga. Doch nun droht der Abstieg.

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Rekeln wir uns kurz im Ohrensessel, holen das Album mit der Aufschrift "Goldene Erinnerungen" aus dem Regal und schwärmen von früher. Anfang der 80er-Jahre war der Hamburger Sport-Verein ein stolzer Klub. Trainer war der legendäre Ernst Happel, im Mittelfeld zog Felix Magath die Fäden, und vorne nickte Horst Hrubesch die Bananenflanken von Manfred Kaltz gleich reihenweise ein. Damals zitterten die Gegner, wenn sie ins Volksparkstadion mussten. Auch die großen Bayern.

Heute hat die Hamburger Arena häufiger den Namen gewechselt als jedes andere Bundesliga-Stadion, und die Mannschaft hat nie mehr so stark gespielt wie zu Happels Zeiten. Allerdings war sie auch selten so schwach wie derzeit. Als es wieder einmal zum einstigen Gipfeltreffen mit den Münchnern kam, endete es 0:5 (0:3) . Das Debakel scheint allerdings nur eine Zwischenstation im freien Fall des HSV zu sein.

Schon zuvor war die Vorstellung gegen Aufsteiger Hertha BSC blamabel, davor führte Borussia Dortmund die Hanseaten am Nasenring durchs Stadion. Die spielerische Hilflosigkeit der Spieler wird nur noch von der Michael Oennings überboten. Einst als Assistent von Trainer Armin Veh geholt, sollte er plötzlich alles besser machen als sein zuvor überforderter Chef. Schon jetzt kann dieser Versuch wohl als gescheitert bezeichnet werden.

Allerdings trifft Oenning nicht die alleinige Schuld. Sportdirektor Frank Arnesen, von Chelsea gekommen, hat aus der Grabbelkiste der Premier League eine Handvoll Talente mitgebracht, die derzeit reichlich überfordert wirken. Was der HSV aber benötigt hätte, sind keine Perspektivspieler, sondern Führungskräfte.

Der einzige Verein, der seit Gründung der Bundesliga ununterbrochen im Oberhaus spielte, war bisher resistent gegen den Abstiegsvirus. Doch nun ist der Liga-Dinosaurier todkrank – und rettende Medizin nicht in Sicht…