Gezüchtete Champions

Warum China zur Macht im Schwimmbecken wird

Nach Wasserspringen und Synchronschwimmen räumen die Gastgeber der Weltmeisterschaft in Shangahi auch bei den Wettbewerben im Becken einiges ab.

Foto: dpa / dpa/DPA

Als Sun Yang endlich seinen Blumenstrauß in die Menge gefeuert hatte, den Stoffhasen bei seinen Eltern losgeworden war und dabei fast über ein Absperrband gestolpert wäre, bekam der 19-Jährige zur Freude der Zuschauer im Shanghaier Oriental Sports Center endlich die chinesische Flagge in die Hand gedrückt. Eingerahmt vom kanadischen Silbermedaillengewinner Ryan Cochrane und Gergo Kis aus Ungarn, die unschlüssig auf Sun Yang warteten, drohte er sich allerdings beim Umhängen des roten Tuchs für die Fotografen etwas zu verheddern. Es ist nicht leicht, ein Star zu sein.

Am Mittwoch endlich wurde er dem ihm vorauseilenden Ruhm gerecht, gewann das schon am Sonntag über 400 Meter erwartete Gold, über die nichtolympische doppelte Distanz in der Weltjahresbestzeit von 7:38,57 Minuten. Sun Yang drohte vor Stolz zu platzen. „Dieser Sieg wird mir Selbstvertrauen geben für meine nächsten Rennen und die Olympische Spiele im nächsten Jahr“, sagte er. Am Sonntag ist Chinas neuer Schwimmstar Favorit auf den Gewinn des Titels über 1500 Meter.

Der Teenager und die ein Jahr ältere Zhao Jing sind in Shanghai zum neuen Traumpaar des Schwimmens aufgestiegen, zumindest für die Chinesen. Die Rückenspezialistin fügte am Dienstag US-Olympiasiegerin Natalie Coughlin eine herbe Niederlage zu und schlug auch noch vor der Russin Anastasia Zuewa als Siegerin an. „Es war zu erwarten, dass die Chinesen bei ihrer Heim-WM auftrumpfen würden, aber dass sie so abräumen, hätte ich nicht gedacht“, sagt der deutsche Star Paul Biedermann.

Am Montag gewann die erst 15 Jahre alte Chinesin Ye Shiwen Gold über die Fleißstrecke 200 Meter Lagen und sprach danach Worte, die die anwesenden Sportfunktionäre entzückten: „Ich bin Stolz darauf, China bei der WM zu vertreten und sehr glücklich über Gold.“

Ihrer Kindergärtnerin in Hangzhou fielen einst Ye Shiwens große Hände auf, sie schickte die Kleine mit sechs Jahren zum ersten Mal in die Schwimmhalle. Ihr chinesischer Trainer ist seither derselbe geblieben; in der Regel begleitet ein Betreuer seinen Athleten während der gesamten Sportlerkarriere. Seit vier Jahren schwimmt Ye Shiwen jetzt in der Nationalmannschaft. Im Vorjahr stellte sie Weltjahresbestzeiten über beide Lagenstrecken auf.

„In den nächsten Medaillenspiegeln bei Großereignissen werden sie mit Sicherheit oben stehen“, sagt Lutz Buschkow, der Sportdirektor des deutschen Verbandes. Kein anderes Land hat von der zunehmenden Globalisierung des Sports so profitiert wie China.

Athleten wie Sun Yang und Zhao Jing trainieren in Australien, andere wie der Spezialist über 200 Meter Schmetterling, Wu Peng (gestern Dritter hinter US-Star Michael Phelps und Takeshi Matsuda/Japan) beziehen monatelang ihre Trainingslager in den Vereinigten Staaten. Gleichzeitig werden, dotiert mit stattlichen Gehältern, Trainer aus westlichen Schwimmnationen angelockt, darunter Michael Bohl, der Coach der australischen Olympiasiegerin Stephanie Rice, und der Brite David Lyles, der dem Schwimmteam von Shanghai vorsteht.

Zhang Lin war der erste chinesische Legionär in Australien. Er trainierte bei Dennis Cotterell, dem Mentor von Ex-Superstar Grant Hackett. 2008 gewann Zhang Lin als erster Chinese eine olympische Medaille im Schwimmen, 2009 wurde er erster Schwimm-Weltmeister seines Landes. Zuletzt war der Pionier außer Form. Sun Yang hat ihn für London nicht abgeschrieben und sagt: „Er bleibt der König.“