Tour 2011

Cavendish gewinnt elfte Etappe vor Greipel

Der Engländer Mark Cavendish hat seinen insgesamt 18. Etappensieg bei der Tour de France eingefahren. Er setzte sich im Sprint gegen Andre Greipel durch.

Eine Rangelei hat Andre Greipel womöglich um den zweiten Etappensieg bei der 98. Tour de France gebracht, und doch hielt sich der Ärger beim deutschen Sprintstar in Grenzen.

„Ich hatte ein paar Probleme mit Romain Feillu. Der hat meinen Anfahrer in den Zaun geboxt. Deshalb war es ein langer Sprint. Unter diesen Umständen kann ich mit dem zweiten Platz zufrieden sein“, sagte Greipel. Nach der knappen Niederlage auf der elften Etappe über 167,5 km von Blaye-les-Mines nach Lavaur gegen seinen Rivalen Mark Cavendish unterstellte Feillu bei dem Manöver Absicht.

Absicht hin oder her – innerhalb von 24 Stunden hat sich Greipel im Kreis der weltbesten Sprinter etabliert. So sprach auch Cavendish-Lehrmeister Erik Zabel in höchsten Tönen von seinem Landsmann: „Das war keine Niederlage für Andre. Er ist ganz oben angekommen.“

Der erste Etappensieg bei seiner Tour-Premiere am Vortag in Carmaux schien wie eine Erlösung für Greipel gewesen zu sein. Dementsprechend hatte der gebürtige Rostocker am Vorabend alle Hände voll zu tun. Unzählige Anrufe, SMS und E-Mails hatte der Sprinter erhalten.

„Sogar meine alte Klassenlehrerin hat sich gemeldet“, sagte der Sprinter ein bisschen stolz. Dem Riesen aus Rostock bereiten nun auch die anstehenden Pyrenäen keine Sorgen. „Ich freue mich auf meinen Geburtstag in Plateau de Beille. Daran werde ich mich noch oft genug erinnern“, ergänzte Greipel, der am Samstag 29 Jahre alt wird.

Drei Jahre jünger und um 17 Tour-Etappensiege reicher ist sein Widersacher Cavendish unterdessen das Maß aller Dinge. „Gestern ist Andre einen perfekten Sprint gefahren. Diesmal habe ich mir vorgenommen, den gleichen Fehler nicht noch einmal zu machen. Meine Kollegen haben mir den Sprint perfekt vorbereitet. Ich bin einfach losgezogen, da war wenig zu machen für die anderen“, sagte „King Cav“ und bekam zur Belohnung auch noch das Grüne Trikot des Punktbesten überreicht.

Cavendish übernimmt Grünes Trikot

Cavendish löste Greipels Teamkollege Philippe Gilbert an der Spitze der Punktewertung ab. Große Hoffnungen, dass er auch in Paris grün trägt, macht er sich nicht. „16 Punkte Vorsprung sind nicht sehr viel. Leider haben wir nur noch zwei Etappen, auf denen es zu einem Massensprint kommen kann“, analysierte Cavendish, der in den nächsten Tagen wohl mit Greipel das Grupetto aufsuchen wird. Schließlich stehen am Donnerstag die Pyrenäen auf dem Programm.

Am Mittwoch gönnten sich die Favoriten vor der ersten schweren Bergetappe eine Verschnaufpause. So wird Thomas Voeckler am Nationalfeiertag zur Freude seiner französischen Landsleute mit dem Gelben Trikot auf den Schultern an den Start gehen. Der Elsässer liegt weiterhin 1:49 Minuten vor dem Spanier Luis Leon Sanchez. Bester Deutscher bleibt Tony Martin 2:38 Minuten zurück als Sechster. Im Duell der beiden Topfavoriten geht der Luxemburger Andy Schleck mit einem Vorsprung von 1:30 Minuten auf Alberto Contador in die Pyrenäen.

Dort müssen die Topfavoriten um den umstrittenen Titelverteidiger Alberto Contador und seinem Rivalen Andy Schleck erstmals Farbe bekennen. Zwei Bergankünfte, vier Gipfel der höchsten Kategorie und mehr als 8500 Höhenmeter warten auf die Fahrer im Grenzgebirge zwischen Frankreich und Spanien.

Contador hofft auf die Pyrenäen

„Ich hoffe, dass sich in den Pyrenäen alles zum Guten wendet“, sagt Contador, für den die diesjährige Frankreich-Rundfahrt bislang unter keinem guten Stern stand. Vor dem Grand Depart wurde er wegen seines positiven Dopingtests aus dem Vorjahr ausgepfiffen, auf der ersten Etappe unfreiwillig abgehängt und mehrere Stürze beeinträchtigen das Knie und die Psyche des kleinen Berg-Königs.

Eine Schwäche darf sich der Spanier nicht erlauben, schließlich geht es bereits am Donnerstag zur Sache, wenn es auf der 211 km langen zwölften Etappe über den berüchtigten Tourmalet und zur Bergankunft nach Luz-Ardiden hinauf geht. Am Freitag wird der Aubisque überquert, einen Tag später wartet dann noch der Schlussanstieg zum Plateau de Beille.