Tour de France

Massensturz bei neunter Etappe – Voeckler in Gelb

Die neunte Tour-Etappe wurde von den schweren Stürzen und Verletzungen überschattet. Thomas Voeckler reicht Platz zwei, um das Gelbe Trikot zu erringen.

Ein schwerer Massensturz, ein Wildwest-Manöver eines TV-Fahrzeugs und das bittere Ende der Tour-Karriere von Alexander Winokurow: Auf einer der spektakulärsten Etappen in der Geschichte der Frankreich-Rundfahrt verkam das sportliche Geschehen mit der Eroberung des Gelben Trikots durch den Franzosen Thomas Voeckler und dem Tagessieg von Luis Leon Sanchez (Spanien) zur Randnotiz. Stattdessen bestimmten auf dem neunten Teilstück über 208 km von Issoire nach Saint-Flour tragische Szenen im Zentralmassiv das Geschehen.

Am schlimmsten erwischte es Winokurow, dessen Radsport-Karriere im Graben wohl ein jähes Ende fand. Der Kasache, der zum letzten Mal bei der Tour an den Start gegangen war, erlitt bei einem Massensturz nach Angaben der Tour-Ärzte einen Oberschenkelbruch. Auf der Abfahrt vom Col du Pas de Peyrol war Winokurow 106 Kilometer vor dem Ziel wie fast seine gesamte Astana-Mannschaft eine Böschung hinunter gerauscht.

Viele Knochenbrüche bei Massensturz

Für Winokurow, der von seinen Teamkollegen zurück auf die Straße getragen wurde, war die Tour wie für einige weitere namhafte Fahrer beendet. Podiumsanwärter Jurgen van den Broeck (Belgien) erlitt einen Schulterblattbruch, sein Teamkollege Frederik Willems einen Bruch des Schlüsselbeins und der Amerikaner Dave Zabriskie einen Handgelenksbruch. Auch Andreas Klöden, zweitbester Deutscher im Tour-Klassement kam zu Fall, konnte das Rennen aber mit leichten Verletzungen fortsetzen. Später wurden schwere Prellungen, aber keine Brüche festgestellt. Am Montag soll nach einem Test entschieden werden, ob Klöden trotz der Schmerzen weitermacht.

Doch damit nicht genug: 35 Kilometer vor dem Ziel stockte den Radsport-Fans erneut der Atem. Als ein TV-Fahrzeug die Spitzengruppe überholen wollte, touchierte es den Spanier Juan Antonio Flecha, der bei seinem Sturz auch noch Johnny Hoogerland (Niederlande) mitriss. Beide konnten die Fahrt nach Saint-Flour fortsetzen. Hoogerland, führender der Bergwertung, erreichte das Ziel aber mit großem Rückstand.

Auch Andreas Klöden ist nach einem Sturz ins Krankenhaus gebracht worden und bangt um seine weitere Teilnahme. Den Sachsen plagen Rückenprobleme und war bereits im Ziel der Etappe in Saint-Flour vom Teamarzt länger untersucht worden.

Voeckler erneut in Gelb

Sportlich ließ Ausreißerkönig Voeckler die „Grande Nation“ jubeln. Der Franzose, der den zweiten Platz in Saint-Flour belegte, schlüpfte zum zweiten Mal nach 2005 ins Gelbe Trikot und löste Thor Hushovd an der Spitze der Gesamtwertung ab. Den dritten Platz im Finish der dreiköpfigen Ausreißergruppe holte sich der Franzose Sandy Casar. Das Hauptfeld mit den Favoriten erreichte knapp vier Minuten nach Sanchez das Ziel. Bester Deutscher in der Gesamtwertung ist nun Tony Martin als Sechster mit einem Rückstand von 2:38 Minuten.

Der erwartete erste Schlagabtausch zwischen den beiden Tour-Favoriten Alberto Contador und Andy Schleck blieb indes auf der Achterbahnfahrt auf schmalen Sträßchen und über acht Bergwertungen dagegen aus. Vielmehr kam auch Contador nach einem Fahrfehler zum x-ten Mal zu Fall – allerdings ohne Folgen. Der Spanier schaffte nach einem Radwechsel problemlos den Anschluss an das Feld.

Costas Sieg Balsam für Movistar-Seelen

Für Winokurow war das erste Gelbe Trikot seiner Karriere am Samstag noch zum Greifen nah gewesen. Bis anderhalb Kilometer vor dem Ziel in Super-Besse lag der Tour-Dritte von 2003 im virtuellen Klassement vorne, ehe ihn die Kräfte verließen. Der Portugiese Rui Costa, der von einer neunköpfigen Ausreißergruppe übrig geblieben war, feierte als Solist den größten Sieg seiner Karriere.

Für die Movistar-Mannschaft war der Sieg Costas Balsam auf die geschundenen Seelen. Erst im Mai war der Spanier Xavier Tondo ums Leben gekommen, als er beim Öffnen des Garagentors von seinem Auto erdrückt worden war. Einen knappen Monat später stürzte Juan Mauricio Soler bei der Tour de Suisse so schwer, dass er bis vor wenigen Tagen im künstlichen Koma lag. Am Samstag war er in ein Krankenhaus in Pamplona verlegt worden.

Am Montag steht der erste von zwei Tour-Ruhetagen auf dem Programm. Die meisten Fahrer werden sich lediglich für zwei Stunden auf das Rad begeben, um Kräfte für die letzte Zentralmassiv-Etappe am Dienstag von Aurillac nach Carmaux zu sammeln. Die Berge der Pyrenäen warten am Donnerstag auf das Peloton.