Tour de France

Rolland siegt in Alpe d'Huez – Andy Schleck in Gelb

Auf der drittletzten Etappe der 98. Tour de France gab es durch Pierre Rolland den ersten französischen Tagessieg – und einen neuen Träger des Gelben Trikots.

Einen Tag nach seiner Fahrt in die Geschichtsbücher hat Andy Schleck im Radsport-Mekka Alpe d’Huez das Gelbe Trikot erobert, doch die Entscheidung über den Sieger der 98. Tour de France wurde vertagt. Beim ersten französischen Tagessieg durch Pierre Rolland erreichte der Luxemburger beim letzten Schlagabtausch in den Bergen mit 57 Sekunden Rückstand das Ziel auf der 1850 Meter hohen Skistation und löste damit Thomas Voeckler an der Spitze der Gesamtwertung ab. Der Franzose verlor auf dem legendären Schlussanstieg mehr als drei Minuten und musste damit nach zehn Tagen das Gelbe Trikot wieder hergeben.

Die Entscheidung über den Toursieg wird aber erst das alles entscheidende Einzelzeitfahren am Samstag über 42,5 km in Grenoble bringen. Andy Schleck liegt nun 53 Sekunden vor seinem Bruder Frank. Chancen auf den Tour-Thron hat aber auch der drittplatzierte Cadel Evans mit einem Rückstand von 57 Sekunden, zumal der Australier im Vergleich zu den Schlecks als deutlich besserer Zeitfahrer gilt. Voeckler als Vierter mit einem Rückstand von 2:10 Minuten dürfte dagegen keine Chancen mehr haben, genauso wie Vorjahressieger Alberto Contador (3:55).

„Ich habe die Attacke von Contador erwartet, er musste ja gehen. Wir haben auch mit der frühen Attacke gerechnet. Contador hatte Wut im Bauch. Es war ein guter Tag für uns. Wir sind hier um die Tour zu gewinnen. Wir werden im Zeitfahren unser Bestes geben“, sagte Frank Schleck

Contador hatte in Alpe d’Huez den Sieg bereits dicht vor Augen, wurde aber noch von Rolland und dem zweitplatzierten Samuel Sanchez abgefangen und erreichte schließlich als Dritter den Gipfel. „Ich bin sehr zufrieden. Bis zur letzten Kurve habe ich noch an den Etappensieg geglaubt. In der Gesamtwertung habe ich in dieser Tour schon vorher zu viel Zeit verloren“, sagte Contador.

Contador rehabilitiert sich ein wenig für Galibier-Debakel

Dabei hatte der Spanier selbst für eine der attraktivsten Tour-Etappen der jüngeren Vergangenheit gesorgt und bereits am Col du Telegraphe attackiert, dem ersten der drei Anstiege der nur 109 Kilometer lange Etappe. Contador rehabilitierte sich dadurch ein wenig für das 24 Stunden zuvor erlittene Debakel am Col du Galibier, als er fast vier Minuten auf Andy Schleck verloren hatte.

Der Traum vom vierten Sieg bei der Tour ist dennoch ebenso geplatzt, wie die Hoffnungen der Franzosen auf den ersten Toursieger seit Bernhard Hinaults Triumph 1985. Voeckler ging zwar Contadors Attacke am Telegraphe mit, musste jedoch bereits vor dem Gipfel einsehen, dass er sich damit übernommen hatte. Auch Evans war zunächst Teil der Ausreißer, fiel aber nach einem Defekt zurück.

Auf dem Weg zum Galibier, der am Freitag von der anderen Seite angefahren wurde, arbeiteten Schleck und Contador zusammen und vergrößerten den Abstand auf die Gruppe um Evans und den Italiener Ivan Basso auf beinahe zwei Minuten.

Abfahrtsschwäche kostet Spitze den Vorsprung

Allerdings machten die fehlenden Abfahrtskünste Schleck und Contador zunächst einen Strich durch die Rechnung. Evans, Basso und auch Voeckler rollten mit weiteren Fahrern noch vor dem Schlussanstieg an die kleine Gruppe um Schleck und Contador heran, sodass eine große Favoriten-Gruppe die 13,8 Kilometer nach Alpe d’Huez in Angriff nahm.

Schließlich war es Evans, der den Showdown der Favoriten eröffnete. Contador folgte nach kurzem Zögern, und auch Andy Schleck zog mit. Kurz darauf setzte Contador jedoch eine erneute Attacke, der weder Schleck noch Evans etwas entgegen zu setzen hatten. Der Spanier sah bereits wie der sichere Sieger aus, ehe Rolland noch vorbeizog.

Dennoch reichte es im Ziel für Andy Schleck zu seinem siebten Gelben Trikot. Am Vortag hatte er das begehrte Leibchen nach seiner beeindruckenden Solofahrt über 60 Kilometer noch um 15 Sekunden verpasst. Schlecks Aktion wurde jedoch von vielen Radsport-Fans gefeiert, die „L’Equipe“ nannte ihn in Anspielung auf den großen Eddy Merckx sogar „Andy Schleck, der Merckxist“.