Pferdesport

Großer Preis von Berlin zurück in Hoppegarten

Auf der Galopprennbahn in Hoppegarten wird am morgigen Sonntag erstmals seit Jahrzehnten wieder der Große Preis von Berlin ausgerichtet. An den Start geht der beste Jockey der Welt.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Ein Hauch von 1001 Nacht, ein Hauch von Alt-Berlin, ein wenig englische Noblesse und Starterfelder, wie sie in Deutschland nicht an jedem Rennwochenende zu sehen sind: Hoppegarten feiert die Rückkehr eines verlorenen Rennens nach 67 Jahren mit einem Spagat im Galoppsport, der Berlin mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und England verbindet. Der Große Preis von Berlin, 1888 erstmals und 1944 letztmals hier ausgetragen, kehrt zu seiner 121. Auflage an diesem Sonntag (13.30 Uhr) wieder an seinen Ursprungsort zurück.

„Es ist ein schönes Gefühl, diesem Renntag entgegenzublicken. Wir sind stolz darauf, unsere Partner aus den Vereinigten Arabischen Emiraten mit ihren einmaligen Pferden dem Publikum präsentieren zu können. Es ist einfach toll, die Tradition des Großen Preises wieder hier fortsetzen zu können“, freute sich Rennbahn-Eigner Gerhard Schöningh fast ein bisschen zu sachlich. Die wirkliche Freude, nach den offiziellen Worten bei der Präsentation des Renntages in der Botschaft der Emirate, zurückgelehnt mit einem Lächeln genießend. Freude und Vorfreude.

Der Große Preis von Berlin, von 1947 bis 2009 in Düsseldorf, 2010 in Hamburg ausgetragen, ist eines von lediglich sieben Rennen in Deutschland, die in dieser Saison Gruppe-I-Status haben. Die Formel 1 auf vier Beinen, wenn man so will. Von den aktuell zehn Pferden im Feld kommen sechs aus Deutschland, drei aus England und eines aus Norwegen. Es geht um 175.000 Euro plus Züchter- und Besitzerprämien. Besser dotiert sind hierzulande nur noch das Deutsche Derby, der Preis der Diana (Stuten-Derby) und der Große Preis von Baden. Stellenwert und Preisgeld haben auch die Verantwortlichen des weltgrößten Rennstalls Godolphin – im Besitz von Scheich Mohammed al Maktoum, Herrscher von Dubai – zur Teilnahme veranlasst. Um den für Hoppegarten gemeldeten fünfjährigen Hengst Cavalryman möglichst aussichtsreich zu platzieren, wird er von Lanfranco „Frankie“ Dettori geritten. Der 40 Jahre alte Mailänder gilt als der momentan beste Jockey weltweit.

Mittelfristig ähnliche Qualitäten wie dem italienischen Superstar traut die Szene dem erst 22-jährigen Franzosen Maxime Guyon zu. Er sattelt Scalo, was gleichsam einer Verpflichtung gleichkommt. Denn sowohl Lando (1995), der Vater des vierjährigen Hengstes, als auch sein Großvater Acatanango (1986) haben den Großen Preis von Berlin bereits gewonnen.

Die Farben des Gastgebers Hoppegarten vertritt der dreijährige Hengst Gereon, der vom viermaligen deutschen Champions-Jockey Eduardo Pedroza (36) über die Distanz von 2400 Meter geführt wird. Die dreijährige Stute Night Magic, 2010 Siegerin im Preis der Hauptstadt Region und mit einer Gewinnsumme von rund 700.000 Euro ein echtes Goldstück, wird von Filip Minarek geritten. „Sie hat die Qualität, ganz nach vorn zu kommen“, sieht der 36 Jahre alte Tscheche durchaus Chancen. „Ein Starterfeld mit zehn Spitzenpferden und in der Qualität hat selbst unsere kühnsten Erwartungen übertroffen“, sagte Gerhard Schöningh.

Ganz im Zeichen der Kooperationspartner aus den Vereinigten Arabischen Emiraten steht der Sheikh Zayed Bin Sultan Al Nahyan Listed Cup. Das mit 20.000 Euro dotierte Rennen ausschließlich für arabische Vollblüter ist Teil der internationalen Rennserie des H.H. Sheikh Mansoor Bin Zayed Al Nahyan Global Arabian Horse Flat Racing Festivals. Für H.E. Mahmoud Mohamed Al-Mahmoud, Botschafter der Vereinigten Arabischen Emirate in Deutschland, zeigt der Sport Wege, Völker miteinander zu verbinden: „Ich freue mich über die Möglichkeiten, die sich in Hoppegarten bieten. Im kommenden Jahr werden wir als Botschaft Gastgeber einer internationalen Konferenz für den Sport mit arabischen Vollblütern sein, natürlich verknüpft mit einem oder mehreren Rennen in Hoppegarten.“

Zu einem Blick in die Zukunft gehört auch einer in die Vergangenheit, dem sonntäglichen Anlass entsprechend einer in die des Großen Preises von Berlin. Rekordsieger ist immer noch ein Berliner. Otto Schmidt gewann acht Mal. Kurios der Beginn seiner Karriere. In der Zeit um 1910 waren es in der Regel britische Jockeys, die das Geschehen auch auf den deutschen Bahnen bestimmten. Mit Ausbruch des 1. Weltkriegs waren Protagonisten aus Feindesland dann aber zunehmend unerwünscht. So schlug die große Stunde des kleinen Otto. Am 6. Februar 1896 in Gehren bei Luckau in der Niederlausitz geboren, war er schon als Jugendlicher nach Hoppegarten gegangen. Seine Liebe zu Pferden und der schier unschätzbare Vorteil von gerade 32 Kilo Körpergewicht waren perfekte Voraussetzungen, die englischen Vorbilder im Sattel zu ersetzen. 2218 Siege machten Schmidt zum Idol. Am Sonntag wird erstmals das Otto-Schmidt-Gedächtnisrennen ausgetragen.