Radsport

Norweger Hagen gewinnt die sechste Tour-Etappe

Die längste Etappe der 98. Tour de France entscheidet Edvald Boasson Hagen im Sprint für sich.Sein Landsmann Thor Hushovd verteidigte das Gelbe Trikot.

Norweger-Tag auf der längsten Etappe der 98. Tour de France: Edvald Boasson Hagen ließ am Donnerstag auf dem 6. Teilstück in Lisieux der Konkurrenz im Sprint keine Chance und feierte seinen ersten Tour-Tagessieg. Der sprintschnelle Fahrer vom britischen Team Sky verwies nach 226,5 Kilometern den HTC-Highroad-Profi Matthew Goss auf Platz zwei. Dritter wurde bei sehr wechselhaftem Wetter Straßenweltmeister Thor Hushovd (Garmin-Cervelo). Hagens Landsmann verteidigte damit erneut sein Gelbes Trikot des Gesamtführenden erfolgreich.

Bester Deutscher wurde der Kölner Gerald Ciolek (Quick Step) auf dem achten Platz. Die klassischen Sprinter spielten in einem anspruchsvollen Finale erwartungsgemäß keine Rolle. Der Belgier Philippe Gilbert behauptete das Grüne Trikot des Punktbesten als Siebter des Tages.

Auf den regennassen Straßen von Lisieux in der Normandie wurde während der ansteigenden Zielankunft kräftig attackiert, kein Fahrer setzte sich jedoch entscheidend ab. Hagen siegte schließlich aus einer größeren Spitzengruppe, der auch alle Tour-Favoriten angehörten.

In der Gesamtwertung gab es somit keine wesentlichen Veränderungen. Hushovd verteidigte Gelb schon zum vierten Mal vor dem Australier Cadel Evans (BMC Racing). Andreas Klöden (Mittweida/RadioShack) ist als Fünfter weiterhin bester Deutscher im Klassement, Tony Martin (Cottbus/HTC-Highroad) liegt auf Platz elf. „Das war schwer heute, besonders die letzten drei Kilometer bergauf“, sagte Martin, dem das Wetter keine Probleme bereitete: „Ich mag das eigentlich. Für mich ist das besser als extreme Hitze.“

Martins HTC-Mannschaft zeigte schon auf der Strecke deutlich, dass sie sich erneut viel vorgenommen hatte. Mit Beginn der entscheidenden Rennphase setzten sie sich im Feld an die Spitze und übernahmen das Tempodiktat. Top-Sprinter Mark Cavendish musste zusammen mit Anfahrer Mark Renshaw diesmal abreißen lassen. So lief alles auf Goss hinaus, der für das Team letztlich aber den zweiten Tageserfolg nacheinander verpasste. „Ich weiß auch nicht, was da am Ende schief gelaufen ist“, sagte Tony Martin, bevor er sich zum Duschen verabschiedete.

Nachdem schon im ersten Teil der Etappe starker Regen den Fahrern das Leben schwer machte, besserten sich die Bedingungen auch später nicht. Im Gegensatz zur 5. Etappe, als es ein regelrechtes Sturzfestival gab, wurden die Teams der Tour-Favoriten diesmal verschont.

Allerdings wurde starke Vorwürfe an der Etappenführung vom Mittwoch laut. Der Luxemburger Andy Schleck, einer der großen Anwärter auf den Tour-Sieg, fand die ausgewählten Passagen durch die Bretagne völlig ungeeignet. „Solche Straßen gehören nicht in die Tour. Das waren teilweise Feldwege“, sagte der Herausforderer des spanischen Titelverteidigers Alberto Contador.

Jacob Fuglsang, Schlecks dänischer Kollege vom Team Leopard Trek twitterte: „Gott sei Dank bin ich noch am Leben und in einem Stück. Das war die dümmste Etappe, die ich je gefahren bin.“ Besonders getroffen hatte es das Team RadioShack von Klöden, die in Janez Brajkovic (Slowenien) einen ihrer vier Kapitäne nach einem schweren Sturz verloren. Auch am Donnerstag hatten sie Pech, als Levi Leipheimer (USA) kurz vor dem Ziel zu Fall kam und Zeit verlor.

Fünf Fahrer befanden sich diesmal in der Fluchtgruppe, die bei Kilometer 29 endstand. Der Franzose Anthony Roux (FDJeux), der Kolumbianer Leonardo Duque (Cofidis), Adriano Malori (Italien/Lampre) sowie die beiden Niederländer Johnny Hoogerland und Lieuwe Westra (beide Vacansoleil) erarbeiteten zwischenzeitlich einen Vorsprung von 11:25 Minuten.

Roux gewann den Zwischensprint nach 131 km, im Feld sicherte sich Cavendish die noch verbleibenden zehn Punkte. Hoogerland hatte es dagegen auf die Bergwertungen abgesehen und wurde am Ende mit dem Trikot des besten Kletterers belohnt, das er Cadel Evans abnahm.

Der Australier hatte vor der Etappe sein Mitgefühl über den Unfalltod seiner Landsfrau Carly Hibberd ausgedrückt. Die Radrennfahrerin war im Training nördlich von Mailand ums Leben gekommen. „Ich bin sehr, sehr traurig, ich trainiere auf dieser Straße auch sehr oft“, twitterte Evans.

Am Freitag folgt mit den 218 Kilometern von Le Mans nach Chateauroux der bislang leichteste Tagesabschnitt der diesjährigen Tour. Für die Favoriten ist dies nicht mehr als eine reine Überführungsetappe. Für die Sprinter ist das Terrain dagegen wie gemalt. Nicht nur beim Zwischensprint rund 25 Kilometer vor dem Ziel werden sie sich duellieren wollen. Mark Cavendish (HTC-Highroad) hat besonders gute Erinnerungen an den Zielort. 2008 gewann er hier seine erste Tour-Etappe.