12. Tour-Etappe

Schleck-Brüder vergrößern Vorsprung auf Contador

Bei der ersten schweren Bergankunft fuhr Olympiasieger Sanchez aus Spanien als Erster über den Zielstrich. Voeckler bleibt in Gelb, Klöden verliert an Boden.

Debakel für die deutschen Hoffnungsträger, erfolgreiche Attacke der Schleck-Brüder und weitere Schlappe für Alberto Contador:

Der Titelverteidiger verlor gleich auf der ersten schweren Bergetappe der 98. Tour de France den mit Spannung erwarteten Schlagabtausch der Favoriten gegen Frank und Andy Schleck, während die deutschen Top-Ten-Kandidaten Andreas Klöden und Tony Martin auf dem Weg hinauf nach Luz-Ardiden böse abstürzten.

Beim Tagessieg des spanischen Olympiasiegers Samuel Sanchez verlor Klöden am französischen Nationalfeiertag 8:26 und Martin sogar 9:03 Minuten.

Nach 211 km verwies Sanchez den Belgier Jelle Vanendert (Omega Pharma-Lotto) auf Platz zwei, der an das Ausreißerduo heranrasende Frank Schleck (Luxemburg/Leopard Trek) wurde Dritter. Die Franzosen hatten am Nationalfeiertag dennoch ihren Helden, denn Thomas Voeckler verteidigte überraschend das Gelbe Trikot erfolgreich, 1:49 Minuten dahinter ist Frank Schleck neuer Zweiter.

Für den Spanier Contador rückt dagegen ein erneuter Tour-Sieg in immer weitere Ferne. Zunächst konnte er den Angriff von Frank Schleck nicht abwehren und dann musste der 28-Jährige auch noch seinen eigentlichen Herausforderer Andy Schleck ziehen lassen, der gemeinsam mit Cadel Evans (Australien) und Ivan Basso (Italien) das Ziel erreichte. Contador verlor auf Frank 33 Sekunden, auf Andy immerhin noch 13.

„Es lief praktisch perfekt“, sagte Andy: „Vielleicht hatte Alberto nur einen schlechten Tag, dann hat er nicht einmal viel Zeit verloren. Er ist immer eine Gefahr.“

Lob für Voigt

Entgegen ihrer Ansage, zunächst einmal abwartend zu fahren, setzten die Schleck-Brüder zwar spät, aber dann doch konsequent auf Angriff. Erst zuckte Andy etwa vier Kilometer vor dem Ziel, dann konterte Frank praktisch im Gegenzug. Letztlich schien es nicht mehr als ein gegenseitiges Abtasten zu sein. Doch Franks erneute Tempoverschärfung an der 2,5-km-Marke konnten die Konkurrenten nicht mehr parieren. Auch Contador hatte keinen Trumpf mehr im Ärmel.

Maßgeblich für den Tagessieg war aber der Angriff des Basken Samuel Sanchez. Der als begnadeter Abfahrer bekannte Baske setzte sich nach dem Col du Tourmalet ab und hielt schließlich mit seinem Begleiter Vanendert durch.

Nach der angekündigten Defensivtaktik sah die Fahrweise des Schleck-Teams Leopard Trek ohnehin nicht aus. Bereits hinauf zum Col du Tourmalet diktierten Schlecks Teamkollegen das Tempo.

Auch die beiden Deutschen Jens Voigt (Grevesmühlen) und Linus Gerdemann (Münster) sorgten mit dafür, dass das Peloton auf etwa 40 Fahrer reduziert wurde. Voigt war dabei kilometerlang an der Spitze zu sehen und präsentierte sich bärenstark. Sogar in der finalen Steigung reichte die Kraft des 39-Jährigen noch eine Weile. „Jens war phantastisch, das ganze Team unfassbar stark“, sagte Andy Schleck.

Martin gnadenlos enttäuscht

Für Tony Martin und Andreas Klöden gerieten am Tourmalet die Träume von einer Top-Ten-Platzierung in Paris schon außer Reichweite. Martin musste bereits in der Mitte des Anstiegs den Kontakt zur Gruppe der Favoriten abreißen lassen.

„Ich bin gnadenlos enttäuscht, weder körperlich noch mental geht es mir allzu gut. Meine Nase und die Atemwege waren zu, das erklärt aber nicht diesen großen Rückstand“, sagte der 26-Jährige.

Andreas Klöden verlor, geschwächt von seinem maladen Rücken, kurz vor dem Gipfel die Tuchfühlung. Der 36-Jährige kam zwar vor dem Schlussanstieg noch einmal heran, doch dies währte nicht lange. Klöden erreichte als 44. das Ziel, Martin vier Positionen dahinter.

Klöden stürzt

Noch ehe die entscheidenden Kilometer in Angriff genommen wurden, begann aber der Nervenkitzel. Kurz nachdem das Feld in die Abfahrt vom Hourquette d'Ancizan gegangen war, gab es einen Massensturz. Klöden war in diesen involviert, was seine Schmerzen am Rücken noch verstärkte.

Traditionell hatten sich die Franzosen an ihrem Nationalfeiertag sehr viel vorgenommen. Am Hourquette d'Ancizan lancierte Sylvain Chavanel (Quick Step) gleich eine Attacke. Trotz aller Bemühungen hatte kein Franzose eine Chance auf den Sieg, aber immerhin behielt Voeckler das „maillot jaune“.

Am Freitag endet im Wallfahrtsort Lourdes die 13. Etappe nach 152,5 Kilometern. Das Teilstück, das in Pau seinen Startpunkt hat, bietet mit dem Col d'Aubisque nur eine echte Schwierigkeit.

Diese hat es jedoch in sich: 16,4 Kilometer mit einer durchschnittlichen Steigung von 7,1 Prozent sind zu bezwingen. Bergfeste Fahrer, die keine Aussichten auf den Gesamtsieg haben, könnten hier einen Angriff starten und den Tageserfolg feiern.