Mit Lukas Podolski ist wieder Staat zu machen, was er selbst mit breitem Grinsen und nach oben gestreckten Daumen demonstriert. Sein 1. FC Köln hat gerade die Internetseite überarbeitet und der Star soll auf den neuen Auftritt aufmerksam machen. Podolski erledigt das mit drei dürren Sätzen und großem Charme. Danach wird sein famoses Siegtor vom vergangenen Wochenende gezeigt, dieser fantastische Heber vom linken Strafraumeck über den Freiburger Torwart Oliver Baumann hinweg. Damit ist schon viel gesagt: Podolski ist gut drauf und dem FC geht es auch nicht schlecht.

Der Klub holte aus den vergangen vier Spielen zehn und in den gesamten Partien nach der Winterpause 14 Punkte. Vor dem Duell am Freitag bei Borussia Dortmund (20.30 Uhr, Sky) reicht das in der Rückrundentabelle für Platz drei, hinter den in dieser Wertung ungeschlagenen Dortmundern und dem 1. FC Nürnberg. „Wir fahren nach Dortmund und haben da nichts zu verlieren. Wir können einfach drauf los spielen“, sagt Podolski.

Das jedenfalls klappt seit Wochen gut und er selbst hat einen enormen Anteil daran. Nach drei mittelmäßigen Spielzeiten bei Bayern München und nur zwei Toren in der vergangenen Saison trifft er wieder nach Herzenslust. Zehn mal schon, dazu kommen noch fünf Torvorlagen. Alles in allem war er an knapp der Hälfte der Kölner Tore (31) beteiligt. Warum das so ist, darüber sind sie sich in Köln einig: Es hat etwas mit der Kapitänsbinde zu tun und auch mit dem aktuellen Trainer.

Dessen Vorgänger Zvonimir Soldo, den Frank Schaefer Ende Oktober beerbt hatte und seitdem 24 Punkte holte, hatte kein rechtes Zutrauen in Podolskis Sturmpartner Milivoje Novakovic. Unter Soldo war der Slowene Einwechselspieler. Schaefer dagegen sah in ihm die ideale Ergänzung für Podolski und behielt Recht. Novakovic traf bislang neun Mal, vier Tore bereitete er zudem vor. „Ein Duo wie Novakovic und Podolski haben nicht viele Klubs in der Bundesliga. Das ist ein Pfund. Und hinten sind wir mit Geromel und Mohammad auch sehr stark“, sagte Präsident Wolfgang Overath im Gespräch mit „Morgenpost Online“.

Er begrüßte auch Schaefers mutigen Schritt in der Kapitänsfrage. Der Trainer setzte in der Winterpause den alten Spielführer Youssef Mohamad ab und berief Podolski zum neuen. Seitdem blüht der 25 Jahre alte Angreifer auf, hat Overath beobachtet: „Lukas ist vom Talent her ein sensationeller Spieler. Aber Lukas braucht viel Aufmunterung und Zuspruch. Du musst ihm Sicherheit geben. Das macht Frank Schaefer gut. Dass er ihn zum Kapitän gemacht hat, hat Lukas ebenfalls gut getan. Er steht in der Verantwortung, das ist ihm wichtig. Wenn er vorangeht, folgen ihm die anderen.“ Seitdem er die Kapitänsbinde trägt, traf er sechs Mal in sieben Spielen.

Podolski ist ein Spieler, der sich von Stimmungen extrem beeinflussen lässt. Er kann seine Emotionalität oft nicht in die richtigen Bahnen lenken, wenn ihn etwas aufs Gemüt drückt. Der 1. FC Köln unter Soldo und dem unglückseligen Manager Michael Meier vermieste allen die Laune. Meiers Nachfolger Finke und der kernige Schaefer nun haben es geschafft, den ganzen Klub wieder hinter sich zu bringen. „Die Zusammensetzung Finke und Schaefer tut der Mannschaft gut. Wir haben mit Finke einen, der viel Ausstrahlung, Charisma und jahrzehntelange Erfahrung hat. Auf der anderen Seite hast du einen Trainer wie Schaefer, der mit Leib und Seele auf einer anderen Ebene mit dem Team korrespondiert. Die ergänzen sich sehr gut“, sagt Overath.

Soldo war einer, der die Spieler mit seiner unkommunikativen Art nicht erreichte. Im Verbund mit Meier gab das ein trauriges Gespann ab. Schaefer nun ist im Vergleich zu Soldo ein Quasselonkel. Der ehemalige Oberstudienrat Finke kommt im Gegensatz zum oft ratlos wirkenden Meier wie ein Weiser daher.

Meier wurde gerade mit etwa 1,1 Millionen Euro abgefunden, eine große Altlast damit getilgt. Das neue Haus ist weitgehend bestellt, Overath kann dem Duo Schaefer und Finke jedenfalls viel abgewinnen. So viel gar, dass er den alten Kölner Amateurtrainer wohl auch über den Sommer hinaus die Rolle des Cheftrainers bei den Profis zutraut. „Der Vertrag von Frank Schaefer wurde im Winter entsprechend angepasst. Deswegen gibt es da auch keinen Handlungsbedarf.

Er selbst ist mit der momentanen Situation zufrieden und will erst den Klassenerhalt unter Dach und Fach bringen. Erst wenn wir unsere gemeinsames Ziel erreicht haben, werden wir uns vertrauensvoll zusammensetzen“, sagt Overath. Ein Sieg gegen Dortmund würde dem Trainer weiteren Kredit einbringen. Und der Mannschaft vielleicht einen freien Tag für den Karneval. Dass sich das närrische Treiben günstig für die Dortmunder auswirken könnte, glaubt deren Trainer Jürgen Klopp dagegen nicht. Er sagte: „Es ist nicht damit zu rechnen, dass die Kölner mit Pappnasen auflaufen.“