Interview

Arnesen will das große HSV-Potenzial wecken

| Lesedauer: 4 Minuten
Matthias Linnenbrügger

Foto: dpa/DPA

Der künftige Sportdirektor des Hamburger SV, Frank Arrnesen, spricht im Interview mit Morgenpost Online über seine neue Aufgabe und seine Ziele.

Den Aufenthalt in der Heimat verlängerte Frank Arnesen um einen Tag. Nach dem Erfolg in der Champions League über den FC Kopenhagen (2:0) reiste der 50-Jährige nach Sönderborg, um in seiner Funktion als Sportdirektor des englischen Meisters FC Chelsea einen Vortrag zu halten. Im Hotel „Comwell“ nahm sich der Däne Zeit, um mit „Morgenpost Online“ über seine nächste Aufgabe zu sprechen. Ab der kommenden Saison soll Arnesen die Zukunft des HSV gestalten.

Morgenpost Online: Herr Arnesen, Sie haben in Hamburg einen Dreijahresvertrag unterschrieben, der ab dem 1. Juli Gültigkeit besitzt. Bis dahin sind eine Reihe wichtiger Entscheidungen zu treffen, die Ihre Arbeit beeinflussen werden. Wie gehen Sie damit um?

Frank Arnesen: Sehen Sie, genau das ist das Problem. Ich höre am 30. Juni beim FC Chelsea auf – und ich fange am 1. Juli beim HSV an. Das muss respektiert werden, von allen Seiten. Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu den Leuten in London, allen voran zu Klubchef Roman Abramowitsch. Außerdem respektiere ich, dass es in Hamburg ebenso Leute gibt, die in der Verantwortung stehen. Das ist alles, was ich sagen kann. Und natürlich, dass ich mich sehr freue.

Morgenpost Online: HSV-Boss Bernd Hoffmann, der den Kontakt zu Ihnen hergestellt hat, wird infrage gestellt. Sein Vertrag läuft am Jahresende aus, Gespräche über eine Fortsetzung der Zusammenarbeit stehen aus. Stört Sie das?

Arnesen: Das ist Sache des Vereins.

Morgenpost Online: Auch Trainer Armin Veh steht vor einer ungewissen Zukunft. Er deutete an, im Sommer freiwillig zu gehen. Warum haben Sie keinen Kontakt?

Arnesen: Wie gesagt, ich versuche, mich zu 100 Prozent auf meine Arbeit beim FC Chelsea zu konzentrieren. Nach sechs Jahren stehe ich in der Pflicht, den Job zu einem guten Ende zu bringen…

Morgenpost Online: …und Sie halten sich aus dem Tagesgeschäft in Hamburg heraus?

Arnesen: Natürlich wird das eine oder andere telefonisch besprochen. Ich habe den HSV im Hinterkopf, das ist doch klar. Aber ich treffe keine Entscheidungen.

Morgenpost Online: In Ihrer Funktion wirkt der FC Chelsea wie das Paradies auf Erden, Geld scheint kaum eine Rolle zu spielen. In Hamburg ist das anders.

Arnesen: Ich habe zehn Jahre bei PSV Eindhoven gearbeitet, das ist sicher vergleichbar. Wir müssen kreativ sein, intelligent sein, die besten Talente finden und bei uns weiterentwickeln. An diese Arbeit knüpfe ich in Hamburg an.

Morgenpost Online: Die Jugendarbeit des HSV ist derzeit nicht besonders erfolgreich.

Arnesen: Der HSV ist ein großer Klub in einer der besten Ligen der Welt. Zu den Spielen kommen im Durchschnitt 55.000 Zuschauer. Und die Stadt ist wundervoll. Da ist so viel Potenzial, das es zu wecken gilt. Ich will für Bewegung sorgen und wünsche mir, dass jeder im Verein mitzieht. Wir müssen die Spieler begeistern, damit sie sich für uns entscheiden.

Morgenpost Online: Was verbinden Sie mit dem HSV?

Arnesen: Ich war Spieler bei Ajax Amsterdam, als dieser Verein eine führende Rolle in Europa eingenommen hat. Mit Leuten wie Felix Magath, Horst Hrubesch, Manfred Kaltz oder Kevin Keegan. Es ist für mich eine große Herausforderung, ab Sommer Verantwortung zu übernehmen…

Morgenpost Online: …und den Klub zu alten Erfolgen zu führen?

Arnesen: Ich will da gar keinen Druck aufbauen. Mir ist wichtig, dass alle an einem Strang ziehen, um das Beste zu erreichen.