Neuer Sportdirektor

Arnesen soll zum Heilsbringer beim HSV werden

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Matthias Linnenbrügger

Foto: WITTERS/Witters/Fodboldbilleder.dk

Der Däne kommt im Sommer, Bastian Reinhardt wird ihm assistieren. Aufsichtsratschef Rieckhoff lässt Zukunft von Hoffmann offen.

Eine große Portion Stolz und eine Prise Selbstironie, das war die Mischung, die Ernst-Otto Rieckhoff am Morgen nach dem Erfolg über Werder Bremen (4:0) für seinen Auftritt gewählt hatte. Der Aufsichtsratsvorsitzende des Hamburger SV nahm im Presseraum des Stadions auf dem Podium Platz, blickte lächelnd in die Runde und verkündete schließlich, dass eine für den Verein „zukunftsweisende Entscheidung“ getroffen worden sei: „Ich kann versichern, dass wir Frank Arnesen definitiv als neuen Sportdirektor verpflichtet haben“, sagte Rieckhoff und betonte ein weiteres Mal, dass alles „absolut wasserdicht“ sei und sich daran auch „nichts mehr ändern“ werde. Der 54-jährige Däne, bis zum Saisonende in dieser Funktion beim englischen Meister FC Chelsea tätig, hat beim HSV bereits einen Vertrag unterschrieben, der vom 1. Juli 2011 bis zum 30. Juni 2014 datiert ist.

„Es ist eine großartige Lösung“, stellte Rieckhoff fest, der vor einigen Wochen an gleicher Stelle hatte erklären müssen, warum die zuvor von ihm als „nahezu perfekt“ bezeichnete Verpflichtung Matthias Sammers im letzten Moment gescheitert war. Der Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hatte sich durch das öffentliche Vorpreschen des Hamburger Chefkontrolleurs unter Druck gesetzt gefühlt. „Da sahen wir ziemlich alt aus“, blickte Rieckhoff zurück, nun gehe es ihm so richtig gut: „Arnesen hat bei Chelsea den Umbruch vollzogen, der vor uns liegt. Er hat nicht nur große sportliche Erfolge vorzuweisen, er ist ein Mann, der die Ausbildung eigener Talente im Fokus hat.“

Den Kontakt zu Arnesen stellte Vorstandsboss Bernd Hoffmann her, „vor einigen Wochen“, wie Rieckhoff berichtete. Schon im Rahmen des ersten Treffens habe ihn der Däne begeistert: „Er steht für modernen, frischen, offensiv ausgerichteten Fußball. Diese Philosophie vertritt er, das wird er weitergeben, von den Junioren bis hin zu den Profis. Arnesen verkörpert das, was wir immer wollten“, bekräftigte der Aufsichtratschef, der seine Kollegen am Freitag kurzfristig zu einer Sitzung einberufen hatte, auf der am Abend von seinem Wunschkandidaten das Konzept vorgestellt worden war. „Das Ergebnis? 12:0 Stimmen“, sagte Rieckhoff.

Trotz der Einigung mit dem HSV lehnte Arnesen eine offizielle Vorstellung ab, die Hamburger Granden erschienen am Sonntag ohne ihren Zugang, der nicht nur „ein totaler Fachmann“ und „ein sympathischer Typ“, sondern auch „sehr loyal“ sei, wie Rieckhoff lobte. „Wir respektieren, dass er bis zum 30. Juni beim FC Chelsea unter Vertrag steht.“ Der Däne hatte mit Klubeigner Roman Abramowitsch darüber gesprochen, ob der Wechsel mit sofortiger Wirkung vollzogen werden könne. Diese Hoffnung zerschlug sich jedoch.

Arnesen, der beim HSV ein Jahresgehalt in Höhe von zwei Millionen Euro erhält, sagte daraufhin seine Teilnahme an der Pressekonferenz ab und kehrte am Freitagabend nach London zurück. So wurde lediglich eine Aussage des 54-Jährigen auf der Internetseite des Vereins veröffentlicht: „Ich bin geehrt vom Interesse des HSV und der Überzeugung der Verantwortlichen. Der HSV ist ein besonderer Klub mit einer großen Tradition und fantastischen Bedingungen. Ich bin überzeugt, dass wir mit der vorhandenen Kraft und den richtigen Entscheidungen etwas Großes entwickeln werden.“

Einen Deal hat Arnesen schon für seinen neuen Arbeitgeber abgewickelt: Lee Congerton, Chefscout des FC Chelsea, begleitet ihn nach Hamburg.

Bastian Reinhardt, der im vergangenen Sommer seine aktive Laufbahn beendet und gerade ein Praktikum in der Geschäftsstelle begonnen hatte, ehe er kurzerhand zum Sportchef befördert wurde, wird sein Vorstandsmandat nach dieser Saison niederlegen. „Er hat sehr hart und loyal für den Verein gearbeitet. Deshalb bin ich froh, dass wir eine gemeinsame Lösung gefunden haben, ihn weiter einzubinden“, sagte Rieckhoff. Die genaue Funktion müsse allerdings erst noch mit Arnesen abgesprochen werden, der als „starker Mann“ unumstritten sei: „Alle Personalentscheidungen werden im Vorstand getroffen“, so Rieckhoff, der ankündigte, dass Arnesen schon vor seinem offiziellen Dienstantritt daran beteiligt sei: „In London steht ganz sicher ein Telefon."

Offen ließ er die Zukunft von Vereinsboss Hoffmann, dessen Vertrag am Jahresende ausläuft. „Was den sportlichen Bereich betrifft, wurde die wichtigste Personalentscheidung getroffen. Wir werden alles Weitere im stillen Kämmerlein behandeln und erst dann wieder heraustreten, wenn es etwas zu vermelden gibt“, sagte Rieckhoff. Hoffmann selbst sprach von einem „großen Tag“ für den Verein, er mochte aber nicht bewerten, ob Arnesens Verpflichtung auch seine Position stärke: „Sie stärkt den HSV – und das ist das Allerwichtigste.“

( dpa/fb )