Rückendeckung fehlt

Die Zeit von Veh beim Hamburger SV läuft ab

Nach der Unterschrift des neuen Sportdirektors sollte beim HSV eigentlich Ruhe einkehren. Stattdessen werden Nachfolger für Trainer Veh gehandelt.

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Eigentlich hätte Genussmensch Armin Veh nach dem 4:0 gegen Bremen das Wochenende fröhlich ausklingen lassen können. Doch weit gefehlt: Der Trainer des Hamburger SV wirkt verletzt, er zieht sich zurück und wappnet sich für den Tag, an dem er gehen muss. Spricht er über die Spieler, zeigt er viel Verständnis für vergebene Matchbälle wie gegen St. Pauli und wird von ihnen im Gegenzug gelobt, was die Ansprache angeht. Geht es um die Vereinspolitik, benutzt Veh selten das gemeinsame „wir“ – er sagt stattdessen „der HSV“. Da schwingt die Ahnung mit, dass er beim ambitionierten Bundesliga-Siebten nur noch elf Spiele geduldet wird.

„Ich bin bis zum 30. Juni beim HSV, mehr sage ich nicht“, antwortet Veh auf Fragen, wie es mit ihm über die Saison hinaus weitergeht. Er deutet an, eine genaue Vorstellung von einem Zeitfenster zu besitzen, in dem er Klarheit haben will. Offiziell können beide Seiten zum 31. Mai ohne finanzielle Entschädigungen aus dem Zweijahresvertrag aussteigen. Nach der Verkündung der Personalie Frank Arnesen als Sportdirektor wollte der Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann keine klare Stellung zu Veh beziehen, der den Verein derzeit als „handlungsunfähig“ bezeichnet hatte.

„Die wichtigste Personalie ist entschieden, alles Weitere gehen wir jetzt an“, sagte Hoffmann und betonte, ein glänzendes Verhältnis zu Veh zu haben. Wenn das man stimmt. Der ehemalige Stuttgarter Meistercoach ist schon lange desillusioniert, denn angesichts der Verletztenmisere in der Hinrunde hätte er sich mehr Rückendeckung seitens der Führung gewünscht. Doch der Vorstandschef ist damit beschäftigt, seine eigenen Pfründe zu sichern und um eine Verlängerung des zum Jahresende auslaufenden Vertrages zu kämpfen. Da soll auch die Entlassung des achten Übungsleiters in seiner Amtszeit seit 2003 kein Hindernis sein.

Alles soll sich auf Arnesen fokussieren, der per Telefon während seiner verbleibenden Monate beim FC Chelsea schon die Weichen an der Elbe stellen soll. Derzeit wird Assistenztrainer Michael Oenning als Veh-Nachfolger gehandelt. Möglicherweise bringt der Däne gleich einen Neuen mit. Er soll ein Fan von Michael Laudrup sein, der beim RCD Mallorca nicht ewig bleiben wird. Ein Problem könnte allerdings auftauchen, wenn der HSV unter Veh weiter gewinnt.