Das sportliche Ziel, die Qualifikation für den internationalen Wettbewerb, droht der HSV zum zweiten Mal in Folge zu verpassen. Am Sonntag unterlagen die Hamburger im eigenen Stadion gegen Mainz 05 mit 2:4 (1:0). Der Rückstand auf die Rheinhessen, die Platz fünf verteidigten, beträgt nun schon sechs Punkte. Anderthalb Stunden nach dem Abpfiff der Partie wurde dann bekannt, dass es im Sommer 2011 zu einem totalen Umbruch in der Chefetage des Traditionsvereins kommen wird: Bernd Hoffmann, seit acht Jahren Vorsitzender, wird den HSV verlassen.

Im Vorfeld des Spiels gegen Mainz hatte sich der Aufsichtsrat zu einer Geheimsitzung getroffen. Es wurde abgestimmt, ob der am 31. Dezember 2011 auslaufende Vertrag Hoffmanns zumindest um ein Jahr verlängert werden soll. Acht von zwölf Stimmen hätte der 48-Jährige benötigt, er verpasste jedoch diese Zweidrittelmehrheit.

Fünf Kontrolleure sollen sich gegen die Fortsetzung der Zusammenarbeit ausgesprochen haben. Schon vorher stand fest, dass es in Ex-Präsident Jürgen Hunke sowie Manfred Ertel, Björn Floberg und Hans-Ulrich Klüver, die allesamt der Fanvereinigung "Supporters Club" angehören, eine vierköpfige Gruppe geben würde, die auf einen Neubeginn pochen würde.

Dem Vorstand des HSV stehen noch weitere Umwälzungen bevor: Frank Arnesen kommt zum 1. Juli vom englischen Meister FC Chelsea als neuer Sportdirektor nach Hamburg. Er wird als ein weiterer Neuling an die Spitze des HSV treten. Als Favorit für die Hoffmann-Nachfolge gilt Björn Gulden, derzeit als Generalbevollmächtigter der Deichmann-Gruppe angestellt. Der Norweger hat zwar bisher nichts mit Hamburg oder dem Verein zu tun gehabt, stand aber in den 80er-Jahren beim damaligen Zweitligaklub 1. FC Nürnberg unter Vertrag.

Da Gulden frühestens am 1. Januar 2012 seinen Dienst antreten könnte und eine vorzeitige Trennung von Hoffmann im Sommer durchaus wahrscheinlich ist, denkt Aufsichtsratschef Otto Rieckhoff darüber nach, zur ersten Halbserie der kommenden Saison einen Interimspräsidenten zu installieren. Er selbst zählt zu den Kandidaten.

Offiziell mag Rieckhoff das nicht bestätigen, viel mehr brachte er seine Hoffnung zum Ausdruck, dass der entmachtete Vorsitzende Hoffmann seinen Vertrag erfüllt. "Der Aufsichtsrat ist davon überzeugt, dass Bernd Hoffmann seine Arbeit für den HSV weiter wie bisher professionell nachkommen wird." Mit Hoffmann wird auch Katja Kraus, im Vorstand verantwortlich für Marketing und Kommunikation, die Hamburger verlassen. Nur der Zeitpunkt ist offen.